Und die Welt dreht sich weiter

Ein Nachruf für meine Oma, die heute gestorben ist:

Wenn ein Gespräch mit mir einmal auf das Thema „Verwandtschaft“ kam, erwähnte ich stets gerne, wie harmonisch und liebevoll es schon immer in meiner Verwandtschaft zugeht und dass ich verbissenen Streit und Feindschaft bisher nur aus anderen (fremden) Sippen kenne, dies bei uns aber nie ein Thema war.
Einen sehr großen Anteil daran hat ganz sicher die Frau, die sechs Kinder (inkl. meiner Mutter) geboren und aufgezogen hat und denen sie durch ihr eigenes Beispiel die Güte und Liebe gelehrt hat, auf die ich mich ein Leben lang durch alle Höhen und Tiefen hindurch bei allen in meiner Sippe bedingungslos verlassen durfte.
Diese Frau ist heute, nachdem sie noch im November letzten Jahres recht munter ihren 90sten Geburtstag im großen Kreis der Familie feiern konnte, gestorben.
Mir bleibt nur noch zu sagen: „Danke für alles“ und „Wenn es diesen Himmel gibt, an den Du stets so fest geglaubt hast, dann muss sich ein Mensch, wie Du es warst, sicher keine Sorgen machen. Da bin ich mir sicher.“

Ihre katholischen Religion, die mir aus Kindertagen anerzogen war und der ich lange und zeitweise auch inbrünstig gefolgt bin, teilte ich schon eine Weile nicht mehr. Aus Rücksicht auf meine Oma habe ich dies aber ihr gegenüber niemals thematisiert.

Auch in der Zeit der Trauer, wenn man den Verlust eines geliebten Menschen realisiert, kann ich mich dieser Religion einfach nicht mehr anschließen. Gleichwohl respektiere ich gerade im Fall meiner Oma aber ihren Glauben, denn sie lebte ihre Religion so wie man es tun soll: friedlich und demütig.

Ich hingegen kann mich einfach nicht mit dem Gedanken anfreunden, dass wenn alles (vom kleinsten Grashalm bis hin zum größten Stern) einem Kreislauf aus Werden und Vergehen unterliegt, wir Menschen wirklich und ausgerechnet das Einzige sein sollen, das nicht diesem Kreislauf folgt. Zeit ist dabei nur eine Illusion, der wir entfliehen, sobald wir dieses Leben verlassen.

Was war ist vergangen, aber nicht verloren. Alles kehrt wieder, wenn auch in anderer Ausprägung und in einer anderen Weise…. aber nichts verschwindet für immer. Dessen bin ich mir ganz sicher.

Dennoch muss ich mich jetzt erstmal mit dem Gedanken vertraut machen, dass ein geliebter Mensch, den ich schon seit meinem allerersten Lebenstag kannte, nicht mehr hier ist.

Doch die Welt dreht sich weiter. Jeden Tag sterben Menschen (und sicher nicht alle so gnadenvoll friedlich wie meine Oma) und jeden Tag werden Menschen geboren… ein Kommen und Gehen und glücklich darf sich trotz allem wohl der schätzen, der im Leben soviel bedeutet und bewirkt hat, dass es Menschen gibt, die sich mit Liebe an ihn erinnern.


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