Zu n/fett für H&M

„Was soll die Überschrift nun bedeuten?“ mag sich der unschlüssige Leser nun vielleicht denken. „Zu fett“ oder „Zu nett“, das ist hier die Frage. Die Antwort dazu lautet: „beides gleichzeitig“.

Gestern war ich (dieser Blog berichtete bereits darüber) in der von mir ungeliebten Innenstadt unterwegs und weil ich so ungern Klamotten kaufe, habe ich die nach dem Blutspenden verordnete Zwangspause (betreffend das Führen von Kraftfahrzeugen) dazu genutzt mich im benachbarten Einkaufszentrum nach ein paar Hosen umzusehen.

Im Moment scheinen wieder die Hosen „in“ zu sein, die ich schon in den 80er nicht habe leiden können. Ich rede von Jeanshosen, die nach unten hin immer enger werden… lieber sind mir aber Hosen mit einem ganz leichten Schlag am Fußende. Scheiß drauf, wenn die nicht stylish sind! Mir gefallen sie und ich bin auch der, der sie bezahlt, also muss das „mir“ auch reichen.

Das eigentliche Hauptproblem gestern lag aber nicht am Ende der Hose, sondern vielmehr am Anfang.

So langsam beginnt es sich zu rächen, dass das Fintesscenter seit mehr als einem Jahr nur noch meine Monatsbeiträge von mir sieht, mich hingegen jedoch gar nicht mehr… und so ist es also nicht nur die Auswahl, die enger wird.

Auch bei Preissenkungen bleibt man in den oberen Größen meist unberücksichtig, wie mir aufgefallen ist. Die Verhungerten-Größen waren durch die Bank weg alle reduziert, wohingegen meine Größen entweder gar nicht reduziert waren oder bereits ausverkauft sein mussten (falls ich nicht der einzige Fette mit Hosenbedarf war)… aber gut, das ist ein persönliches und in meinem Fall nicht unabänderliches, sondern durch Faulheit begründetes Schicksal, mit dem ich (ungesund) leben kann.

Was mir jedoch ganz gewaltig gestunken hat, war die… hmm… ja gut, ich nenne sie jetzt trotzdem mal „Servicekraft“ oder „Verkäuferin“ im H&M.

Die gute Frau stand gerade vor dem Jeansregal und war damit beschäftigt Hosen ordentlich zusammenzulegen und wieder in das Fach mit der richtigen Größe einzuordnen. Weil ich etwas Probleme hatte die spaltenmäßig etwas schlecht angeordnete Tabellengröße (EU-Größe im Vergleich zu anderen Maßeinheiten) zu interpretieren – vor allem, weil ich dabei meine Größe nicht fand – erdreistete ich mich doch glatt, die „Verkäuferin“ mit einem „Entschuldigung, ich hätte da mal kurz eine Frage“ anzusprechen.

Ja ich weiß, das ist böööse… wie kann sich ein Kunde nur erdreisten eine Verkäuferin zu stören… und das auch noch MITTEN in der Arbeit?! Aber seht es mir nach, Freunde… immerhin begann ich meine Ansprache schon mit einer Entschuldigung.

Jedenfalls war ich dann noch todesmutig genug, sie trotz ihrer nicht besonders versteckt zur Schau gestellten Genervtheit zu fragen, ob Jeans in der Größe 40/32 oder 42/32 in diesem Laden irgendwo zu finden sind.

„40 was?“ war die sehr direkte Antwort. Also ehrlich gesagt, war ich darauf etwas unvorbereitet…. Ich meine, selbst ein Blinder mit Krückstock müsste ohne Beleuchtung in tiefdunkler Nacht erkennen, dass in meinem Fall mit 32 nicht die Größe des Hosenbundes gemeint sein kann und was die „40/32“ letztlich konkret bedeutet, kann ich als dummer Kunde doch auch nicht sagen… ich weiß nur, dass es in der Hälfte aller Läden, die ebenfalls Hosen verkaufen, als Angabe für Bundmaß/Beinlänge dient.

Was macht man nun also, wenn Sprach- oder Verständigungsprobleme auftauchen? Genau! Man bedient sich der Zeichensprache. Ich zeigte von links nach rechts auf meine Hüfte  und sagte „40“ und dann von der Hüfte das Bein abwärts und sagte „32“. Nach einem kurzen eher zweifelnden Blick (den ich der Verkäuferin auch absolut zugestehe, immerhin reden wir hier nicht von Starmodelgrößen) antwortete sie „Die Größen haben wir nicht“.

Somit ist es also offiziell: Ich bin zu fett für H&M

Hinter diesem vordergründigen Informationsgehalt der Antwort der Verkäuferin lag aber durch den unmissverständlichen Tonfall noch eine zweite (weit aussagekräftigere) Informationsebene verborgen, welche übersetzt ungefähr folgenden Inhalt hatte: Hör gefälligst auf mich bei meiner Arbeit zu stören.

Die Botschaft ist auch angekommen. Somit ist es also ebenso offiziell: Ich bin auch zu nett für H&M.

Doch selbst wenn diese H&M-Filiale in Hamm der letzte mir bekannte Laden wäre, in dem noch überhaupt noch Klamotten irgendwelcher Art zu kaufen geben würde, würde ich lieber im Adams-Kostüm oder mit alten Kartoffelsäcken bekleidet herumlaufen als solchen Mitarbeitern auch noch das Gehalt zu finanzieren… denn, liebe „Verkäuferin“, genau das tun Ihre Kunden nämlich… und auch wenn man von kaufwilligen Kunden überhaupt nichts hält, so sollte es doch zum Verständnis des Jobs gehören, wenigstens ein Grundmaß an (zur Not auch gespielter) Freundlichkeit abrufbar zu haben.

Nicht zusätzlich behost ging es dann nach Hause… im Konkurrenzladen fand ich auch nichts was mir gefallen hat. Dann werde ich eben warten müssen, bis der Rest der Modewelt einsieht, dass Jeans mit leichtem Schlag doch besser aussehen… immerhin kommt und geht das alle paar Jahre.

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