Die Invasion der Bärte

Gibt es eigentlich noch junge, sportliche, angesagte Männer ohne Vollbart? Kaum mehr, wie es mir scheint.

Ich beobachte das schon eine ganze Weile, wie sich die „hippen“ Vollbärte immer mehr und mehr ausbreiten. Seinen Anfang nahm das bereits vor einiger Zeit schon bei den Moderatoren von Jugendsendern und Musikkanälen und diese Woche, als der neue EMP Katalog im Briefkasten lag, lachte mir auch dort ein langhaariger und vollbärtiger Mann entgegen.

Auch in meinem (nicht islamisierten) Kreis meiner Kollegen fällt mir die Tendenz zum Vollbart immer mehr und mehr auf.

Und ich frage mich: ist das nur wieder eine Modewelle, die eben nach 20-30Jahren nun wieder eine Extra-Tour dreht, wie das allgemein mit diversen Erscheinungen der Fall ist (man vergleiche bei den Damen-Brillen seit einiger Zeit aktuell die großen Plastikgestelle, die man aus dem Ende der 80er bzw. Anfang der 90er noch in schrecklicher Erinnerung hat) oder steckt doch noch mehr dahinter.

Ein Vollbart… das ist natürlich nicht nur ein stylisches Objekt, sondern eben auch ein Stück Abgrenzung vom anderen Geschlecht.

Hosen, Kurzhaarfrisuren, Hüte, Zigarren und Pfeifen, Monockel, Hosenträger… nichts, was die Damenwelt nicht schon in einer Style- und Modewelle für sich entdeckt hat… in vielen Fällen schon zu Zeiten, lange bevor wir alle geboren wurden.

Ein Vollbart jedoch ist unerreichbar… genetisch natürlich unter Umständen (zumindest im Ansatz) möglich… jedoch galt und gilt das im typischen Fall der Frau immer schon als höchst unattraktiv… zum Glück.

Dennoch… die Bilder von Mann und Frau befinden sich im Wandel… auch weiterhin.

Bedenkt man die Männer, die wir teilweise noch zur Generation unserer Väter zählen können und die ihre Prägung noch vor der Zeit der Emanzipation und vor der Sexuellen Revolution erfahren haben, so wird an die Männer der heutigen Generation eine völlig andere Erwartung gestellt.

Heute muss ein Mann über eine enorme empathische Intelligenz verfügen, sozial kompetent sein, einfühlsam, nicht zu sehr dominant (oder nur in den Teilbereichen, in denen dadurch keine Bevormundung entsteht), muss Verständnis haben, ganz selbstverständlich auf dem Beifahrersitz Platz nehmen, bei typischen Frauenproblemen auch mal mitreden können und er sollte wissen, wann seine Freundin ihre Tage hat und entsprechend verständnisvoll auf etwaige Befindlichkeitsschwankungen reagieren usw…

Auch an sich selbst legt der Mann einen anderen Maßstab an. Man(n) pflegt sich, macht sich Gedanken um seinen BMI und ob achtet auf das Cholesterin und man(n) ist, will man(n) angesagt sein, allgemein möglichst „Metrosexuell“…

… doch was bleibt vom (natürlich hoffnungslos archaischen) Urtyp des Mannes noch übrig, wenn er manikürt, wohlriechend und sich gerade selbst in Elternzeit befindend mit Babywindeln unterm Arm im Supermarkt in der Schlange steht, während er mit seiner Partnerin skyped, ob er ihr noch Damenhygieneartikel aus der Drogerie mitbringen soll?

Kein Vergleich zu dem Mann noch vor 50 Jahren, dessen Rolle sich auf Erzeuger und Ernährer beschränkte und der sonst vom Beziehungsleben und von der Befindlichkeit der Frau nicht mehr viel Ahnung haben musste.

Oh nein Freunde… niemand möge denken, ich würde mich in die alten Zeiten zurücksehnen. Ich (der ich selbst möglichst nie mit Männern privat zu tun haben will, weil mir alles „typisch Männliche“ unheimlich auf den Keks geht) finde den „aufgeklärten“ Mann der Jetztzeit besser, vernünftiger und nachhaltiger!

Mir scheint es aber, als wäre ein Vollbart… dieses Symbol alles Urigen… des witterungsgegerbten Bergsteigers, des Aussteigers, Holzfällers, Bärenjägers… des Kämpfers der Wildnis, der allen Elementen trotzt… eine der letzten noch gesellschaftlich widerspruchslos akzeptierten Wege sich als echter Kerl zu zeigen ohne sich dabei selbst als Chauvi zu stigmatisieren

Gerade dann, wenn es sehr sehr junge Menschen sind, die sich solche Bärte wachsen lassen… kann ich mich eines solchen Eindrucks kaum noch erwehren…. und dann zweifle ich daran, ob es wirklich „nur“ ein modisches und nachwachsendes Accessoires ist oder ob da (vielleicht auch eher etwas unbemerkt und ganz tief drinnen) nicht doch noch etwas anderes mitspielt… eine kleine Art von unbewusster Sehnsucht vielleicht einer etwas zu stark empfundenen Weichgespültheit wenigstens optisch zu entrinnen….?

Wer weiß!?

Es grüßt, euer unbebarteter Jäger und Sammler…

Comment ( 1 )

  1. Metrosexuelle Rettungsringe | Tagebuch online

    […] der momentan normalen gesellschaftlichen metrosexuellen Einstellung Rechnung getragen wird. Danke Asmodeus, für diese schriftliche Erhebung und Einschätzung, der ich sogar fast unbedingt zustimmen […]

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