Ein Tag am Schicksalsstrom

Irgendwo hab ich mal gelesen, dass der Rhein der Schicksalsstrom der Deutschen wäre, weil er die Teutonen vom französischen Erbfeind trennt…. das muss aber aus einer ziemlich alten Publikation stammen, denn zum Glück haben wir solche Zeiten längst hinter uns gelassen.

Das ist aber nicht das Thema heute, sondern dieser Blogeintrag dreht sich um den gestrigen Samstag, der mir schon seit Wochen einiges an Bammel verursacht hat…. und von diesem Samstag bin ich vor wenigen Minuten heute (am Sonntagmorgen) zurückgekehrt.

Manch einer von euch weiß vielleicht, dass ich gerne fotografiere. Mein Tun beschränkt sich dabei zu 99% auf Einzelshootings mit weiblichen Models, denn genau das macht mir am meisten Spaß bei der Fotografie (kann man hier auch anschauen, falls jemand nicht auf dem aktuellen Stand ist => www.allsvartur.de). Der Empfehlung meines Servermeisters jedoch habe ich es zu verdanken, dass ich vor einigen Monaten eine etwas andere Anfrage kam, als er mich fragte, ob ich auch eine Hochzeit in Köln fotografieren würde.

Schon bei „Köln“ bin ich etwas aufmerksam geworden und wie vermutet handelte es sich um eine Verpartnerschaftlichung zweier Männer, die ich fotografieren soll… auf einem Boot, das auf dem Rhein fährt…  OK, wenn ich schon empfohlen wurde (und die Jungs auch wollten, dass ich fotografiere), dann wollte ich meinen guten Freund und stets arbeitswilligen Servermeister im Gegenzug auch nicht hängen- bzw. auf seiner Empfehlung sitzenlassen. So habe ich nach einem längeren Telefonat mit den Jungs dann zugesagt.

Ich mag derartige Klarstellungen nicht, aber leider sind sie nötig um nicht von unserer kleinkarierten Gesellschaft falsch interpretiert zu werden: Ich habe nicht das geringste Problem mit gleichgeschlechtlichen Beziehungen. Einige meiner Freundinnen pflegten sowas in ihrer Zeit vor mir, aktuell habe ich auch wirklich nette Bekannte aus der Szene (die beiden Jungs zähle ich jetzt auch schon dazu) und aus meiner Club- und Partyzeit weiß ich auch, dass gerade solche Clubs, die schwerpunktmäßig schwules Publikum haben, wirklich die genialsten Feierclubs sind. Ganz abgesehen davon: solange mir niemand vorschreibt, was ich zu tun habe, soll meiner Meinung nach auch jeder Andere auf seine Art glücklich sein. Meine Bedenken waren deshalb ausschließlich fotografisch/technischer Natur.

Jetzt muss man wissen, es ist eben etwas komplett anderes, ob man ein Event fotografiert oder ein gestelltes Foto im Studio macht. Sicher, man verwendet eine Kamera und man hantiert mit Blenden, Iso-Werten und Belichtungszeiten… aber es ist dennoch etwas komplett anderes, denn es sind tausend andere Dinge, die man beachten sollte und überhaupt sollte man für solche Events auch einen Blick haben, Erfahrung usw usw usw… genau das habe ich aber nicht. Ich habe bisher alle solche Anfragen mit gutem Grund abgelehnt (auch weil ich finde, dass das die Fotografen machen sollen, die damit ihr Geld verdienen und ihre Familien ernähren müssen)… demensprechend hatte ich jetzt einigen Bammel vor dem gestrigen Tag… und irgendwie wurde der in den letzten Wochen auch nicht besser, denn ich habe mich immer mehr eingelesen und irgendwie steigen da auch die Erwartungen, die man an sich selbst stellt, immer weiter obwohl man in der Zwischenzeit noch kein einziges Foto gemacht hat.

Die Jungs sind dann zu allem Überfluss auch noch wirklich sehr gut im Umgang mit den Medien. Die Einladung ist perfekt designed, kurz vor dem Events erreicht mich noch ein hübsch aufgemachter Reminder im PDF-Format, es existiert eine eigene Homepage zum Event usw usw usw… kurz, ich war mir sicher, dass man den Jungs auch nicht ein X für ein U vormachen kann, wenn es um Medien geht… und da soll ich jetzt (möglichst ebenso perfekte) Ergebnisse hinterher liefern… ich weiß nicht, ob ihr das nachvollziehen könnte, aber es war mir schon gewaltig mulmig. 🙂

Nachdem sich die Woche (und vor allem auch die davor) schon gewaltig sowohl beruflich als auch privat von ihren miesesten Seiten gezeigt hatte (alles Mögliche ging mal wieder kaputt inkl. z.B. Brille und Auto), war die seelische Vorbereitung für das Event-Wochenende auch nicht die Beste.

Prompt setzte sich die Serie kleiner Katastrophen auch direkt bei der Anreise nach Köln fort, als mir im Zug meine Tasche mit meinen Klamotten und meinem Hygiene-Beutel „geklaut“ wurde (die Anführungszeichen finden am Ende ihre Erklärung). In Köln angekommen blieb mir nichts anderes übrig, als zu bemerken, dass ich jetzt nur noch mit der Fotoausrüstung dastand… aber keine Wechselsachen mehr hatte (was schlecht war, denn mir wurde von den Jungs für die Nacht ein Hotelzimmer reserviert und da möchte man morgens schon in frische Klamotten steigen). Gut, ich kann noch von Glück reden, dass man nicht die Fotoausrüstung klaute… das hätte dann die ganze Fahrt sinnlos gemacht.

Ich hatte es mir zur Aufgabe gemacht die komplette Fahrt ab meiner Haustür nicht im eigenen Auto, sondern nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu absolvieren. Das war nicht nur, weil ich verhindern wollte, dass ich z.B. wegen einer Autopanne nicht rechtzeitig auf dem Schiff sein könnte, sondern auch weil ich per Zug entspannter in Köln ankomme. Aber der Umgang mit Streckennetzplänen von Bussen bzw. U/S-Bahnen ist mir in den letzten 20 Jahren irgendwie immer mehr aus der Übung gekommen, weil ich eben immer mit dem Auto fuhr. Also habe ich mir gedacht, wenn es schon eine Herausforderung an dem Tag wird, dann weiten wir diese auch gleich auf die An- und Abfahrt aus.

So ging es also schon in Hamm los, als ich natürlich gleich mal in den falschen Bus eingestiegen bin (und das morgens um 07:00 Uhr an einer Haltestelle, an der um die Uhrzeit vielleicht gerade Mal alle 15 Minuten ein Bus hält…) und nur dem freundlichen Busfahrer (ja, sowas gibt es… hat mich auch gewundert) ist es zu verdanken,  dass ich dann doch etwas später in den für mich richtigen Bus eingestiegen bin. Am Bahnhof Hamm angekommen habe ich auch schon meinen zweiten Fehler an diesem Tag bemerkt (der zeitlich aber eigentlich vor dem ersten Fehler passiert war): ich hatte nach mehreren Tagen Pause aus Vergesslichkeit heute zum ersten Mal wieder auch die Blutdruck-Pillen geschluckt… und das heißt: ganz dringend mal für kleine böööse Asmodeusse….

Da ärgert sich mein Schwaben-Herz… noch keine 20 Minuten unterwegs und gerade mal 10km von Zuhause entfernt und schon muss ich einen Euro hinlegen um woanders ein Örtchen aufzusuchen. Scheiss Medizin! Und erst recht ärgere ich mich, wenn mir dann auch noch einfällt, dass ich die am Vorabend extra in den Kühlschrank gelegte Flasche Wasser vergessen habe und ihr mir jetzt noch eine kleine überteuerte Flasche am Bahnhof kaufen musste… die mir dann später auch noch zum Verhängnis wurde.

Hab ich schon einmal erzählt, dass es nur wenige Dinge auf der Welt gibt, die ich noch ekliger finde als die Toiletten in den Nahverkehrszügen der Deutschen Bahn? Falls nicht, dann wisst ihr es jetzt. Das Problem dabei ist, das die Blutdruckmedizin leider nicht aufgehört hat zu wirken… wovon ich aber gutgläubigerweise ausgegangen war, als ich die teuer gekaufte Flasche bereits im Zug sitzend alsbald schon komplett geleert hatte…. und wie gesagt, ich HASSE DB-Regional-Toiletten…. ich HASSE sie WIRKLICH.

Ankunft in Kölle sollte gegen 10:12 Uhr sein. So ca. ab 09:20 Uhr begannen die ersten Blicke auf die Zuguhr… abgesehen davon, dass sie den 02.08.2034 zeigte (ganz entgegen ihrer üblichen Gewohnheiten war die Bahn der Zeit mal weit voraus) und die Uhrzeit 08:20 Uhr und nicht 09:20 Uhr zeigte, konnte man sich aber doch wenigstens über die Minuten (:20) sicher sein. Meine Blicke wurden dann so circa ab Köln-Mülheim doch ziemlich ernst… und ich fragte mich, wieviel Haltestellen jetzt noch mit „Köln-…..“ wohl kämen, bis ich endlich im Hauptbahnhof war… denn es war schon ziemlich dringend inzwischen.

Ungaublich wie lange einem 5 Minuten… und jede einzelne Minute innerhalb dieser letzten 5 Minuten… vorkommen kann. Scheiss Blutdruckmedizin!

OK, in Köln angekommen, noch einen Euro ärmer und nun weniger unter Zeit-druck (Bindesstrich mit Hintersinn) stehend habe ich mir dann erstmal einmal Gedanken darüber machen müssen, wo die Busse abfahren. Zufällig habe ich gleich den richtigen Ausgang erwischt, aber in Sachen Fahrplan/Netzplan habe ich dann doch gemogelt. Eigentlich wollte ich mich nur anhand der Aushänge informieren, aber weil ich keinen Netzplan gefunden habe, hat mir Google Maps verraten welche Linie ich in Anspruch zu nehmen habe.

Lost in Busfahrplan

Lost in Busfahrplan

Die Taxis habe ich dann schon von der Bushaltestelle aus fotografiert… so als Andenken, wie ich vielleicht sinnvoller hätte reisen sollen, falls mich der Bus jetzt irgendwo im Nirgendwo absetzen sollte.

Der Kölner Version des Busfahrers war dann auch wieder genau so, wie man es von einem Busfahrer erwartet… der war so ziemlich das genaue Gegenteil seines Hammer Kollegen und schnautze gleich drei Fahrgäste beim Einstieg der Reihe nach an. Ist schon seltsam mit den Busfahrern, oder? Jeder weiß/erwartet dass sie unfreundlich sind, aber dennoch regt man sich jedes Mal neu darüber auf – obwohl man es doch eigentlich schon vorher wusste.

Bei dieser Kölner Version war die Agressivität aber doch schon weit zur Berufspraxis geworden, dass ich mir zu überlegen begann, wie man ein derartiges Niveau erreicht um es auch schon früh morgens auf Kommando sofort abrufbar zu haben. Vielleicht musst man bei Einstellung eine Verpflichtungserklärung unterschreiben, dass man sich nur maximal alle 5 Jahre einen blasen lässt… um sicherzustellen, dass man immer und jederzeit den nötigen inneren Druck hat um jeden beliebigen Fahrgast unabhängig von Sprach- und Ortskenntnis lautstark vor anderen Fahrgästen zur Sau zu machen.

OK… dieser Kommentar war sexistisch und belastet die (womöglich) vielen netten Busfahrer in Köln… über die will ich auch gar nicht urteilen, sondern nur über das Exemplar, dem ich vertraglich die Verantwortung für meine Beförderung zugesprochen hatte…. vielleicht hatte ich wirklich nur ein schlechtes Exemplar erwischt….

Nachdem ich mich vergewissert hatte, dass mein Hotel auch an der Stelle zu finden ist, wo ich es laut Karte finden sollte (nach den letzten zwei Wochen stellt sich nämlich eine leichte Paranoia bezüglich Unglücksszenarien ein), begab ich mich an den Rheinauhaven zu den Krahnhäuser – dem vereinbarten Treffpunkt.

Am Rheinufer

Am Rheinufer

Dort habe ich dann erstmal etwas länger warten dürfen als gedacht, denn die zwei zukünftigen Eheleute haben sich leicht verspätet… am Hochzeitstag ist das auch normal, denn irgendwas kommt an solchen Tagen immer dazwischen. 🙂 Die Zeit konnte ich mir damit vertreiben, schon etwas für den heutigen Sonnenbrand vorzuglühen und außerdem war am Rheinufer ein Oldi-Trödelmarkt und auch eine Oldtimer-Ausstellung…. wobei ich mich aber nur für den Trödelmark interessierte (das war allerdings wirklich für Oldie-Fans, kein üblicher Ramschmarkt).

Auf dem Weg zum Schiff haben wir dann noch in aller Eile (was beim Fotografieren nie gut ist) noch drei/vier Fotos gemacht. Die Ideen dazu waren gut, ich hoffe, die Umsetzung wird sich dem würdig zeigen… ich habe die Kamerachips aber noch nicht importiert (die Bilder dieses Eintrags sind aus dem Handy) und beim Schiff angekommen warteten auch schon die ersten Gäste.

Schöner wäre es gewesen, wenn man bei einer vorherigen Begehung ein paar Punkte und Richtungen ausgemacht hätte… z.B. wo man die Gäste einzeln begrüßt usw… dann hätte man besprechen können, ob man z.B. jede einzelne Begrüßung fotografiert. Ich stell mir das zumindest ziemlich sinnvoll vor, aber es fehlt mich auf der anderen Seite auch die Erfahrung, ob sich solche Absprachen dann auch in der Realität einhalten lassen… oder ob das nur ein frommer Wunsch des Fotografen bleibt. Na, ich hab jedenfalls versucht mein Bestes bei der Begrüßung zu geben – auch wenn ich nicht alle erwischt habe.

Glück hatte ich mich dem Standesbeamten. Der dachte zwar erst, ich wäre einer der typischen Hochzeitsfotografen, aber als ich ihn aufklärte, dass ich das nur als kleinen Freundschaftsdienst und unendgeltlich mache, war er so nett mich kurz in die Zeremonie einzuweisen und mir auch zu sagen, dass er beim wichtigsten Moment dann den Platz räumt, so dass ich eine unverbaute Perspektive hätte. Das war echt klasse von dem Beamten und auch die Zeremonie selbst hat er mit professioneller Lockerheit und vielen sehr passenden und publikumstauglichen Sprüchen ausgestattet. Es war wirklich eine Freude ihm zuzuhören (nein, ich bin nicht auf den Geschmack gekommen zu heiraten… auch nicht darauf mich verpartnerschaftlichen zu lassen).

Ich hoffe, dass die Fotos vom wichtigen Moment, wenn man sich den Ring zu knechten, ins Dunkel zu treiben und auf ewig zu…. falscher Film. Ich meinte, ich hoffe die Fotos von dem Moment, als sie sich die Ringe auf die Finger steckten, sind richtig gut geworden. Ich habe zu dem Zeitpunkt etwas mit meinem Magen gekämpft, weil das Schiff auf dem Rhein fuhr und der Boden ein für mich als Landei unbekanntes Eigenleben entwickelt hatte.

Wenigstens hab ich diesmal nicht über die Bordwand gekotzt, wie damals in den 80ern auf der Spree.

Die Fahrt auf dem Rhein

Die Fahrt auf dem Rhein

Nach der eigentlichen Feier ging der Standesbeamte auch schon wieder von Bord, denn es wartete schon das nächste Rheinschiff mit einem Paar das sich ewig binden wollte. Unser Dampfer fuhr noch ca. 2 Stunden weiter bei bestem Wetter und Kuchen auf dem Rhein. Leider kann ich euch keine Fotos zeigen, auf denen Personen zu sehen sind, denn ich will keine Probleme mit den Persönlichkeitsrechten der Abgebildeten bekommen. Die Fahrt jedoch war recht gediegend und angenehm und der Kuchen half auch wunderbar gegen Seekrankheit. 🙂

Bei Rückkehr an die Anliegestelle setzte dann richtig toller Platzregen ein… und zwar auf die Minute genau, als es darum ging von Bord zu gehen. Da die Rikschas (mit denen das Paar und einige Gäste zur Feier gebracht werden sollten) noch nicht vor Ort waren, war das mit dem Regen echt mies.

Da hatte ich auch einige Sorgen wegen meiner Kamera… aber andererseits, was soll ich denn sagen? „Ich hab keine Bilder gemacht, weil ich nicht wollte dass meine Kamera nass wird“… 🙂 Ne, ganz mieser Stil, wenn ihr mich fragt. Also hab ich mir gedacht, Platzregen egal…. das muss das Material aushalten und hab einfach (als die Rikschas dann kamen) weiter draufgehalten. Die haben noch Fahrer für den Rikschadienst gesucht… das wäre mal eine sinnvolle Wochenendbeschäftigung für mich… würde meine Kondition das aushalten (aber das ist derzeit SienceFiction).

Regenwetter in Köln

Regenwetter in Köln

Die Feier sollte dann in einem Restaurant am Rheinufer stattinden. Geplant war sie auf dem Dach des Hochhauses abzuhalten… eine sehr geile Location mit dem Ausblick… leider hat es der Regen dann vermiest und wir mussten dann ins Restaurant selbst umziehen, wo es auch nett war…. aber die Aussicht eben fehlte. Dennoch war die Entscheidung richtig… es gibt auch schönere Bilder, als wenn alle nur bedröppelt im Regen stehen und den Kopf zwischen den Schultern einziehen.

Ganz „stilecht“ (wenn man das so sagen darf) war diese Schwulen-Hochzeit mit diversen Attraktionen bestückt. Dazu gehörten auch zwei echt knackig ausdefinierte nackte Herrenoberkörper, die zu zwei Empfangsherren gehörten, die (obenrum nur noch mit einer Fliege um den sonst nackten Hals gebunden) die Gesellschaft mit Sekt versorgten. Auch hier bleibe ich euch Fotos leider schuldig, obwohl ich haufenweise Bilder auf Wunsch der Damen gemacht habe, die sich gerne mal zwischen zwei so wohlgeformte und griffige Kerle stellen und dabei ablichten lassen wollten.

Die Idee mit den Jungs (die passende Bezeichnung hab ich gestern zwar ein Dutzend mal gehört, aber heute erinnere ich mich nicht mehr) war jedenfalls klasse und entgegen meiner Gewohnheit hab ich dann auch ein Glas dieses rose-artigen Sprudelweins getrunken… doch nach einem 3/4 Glas hat sich der Boden schon wieder bewegt wie auf dem Schiff. Ich trinke einfach zu selten Alkohol… und dann noch die schwüle Hitze (die nach dem kurzen Platzregen herrschte) tat wohl ihren Teil dazu.

Der Abend verlief dann eigentlich wie man es von einer Hochzeit gewohnt ist… sieht man mal von dem phänomenalen Auftritt der beiden dunkelhäutigen Dragqueens ab…. Der betagtere Teil meiner katholisch süddeutsch-ländlichen Verwandschaft würde wohl ohnemächtig von den Stühlen sinken, wenn ich bei meiner Hochzeit so eine Showeinlage buchen würde, aber ich fand die beiden enorm unterhaltsam. Immerhin kenne ich sowas nur aus dem TV oder aus sehr unterhaltsamen Filmen wie „The Birdcage„, doch das einmal live zu erleben, das hat schon was! Aber (ihr ahnt es sicher): auch hier bleibe ich euch Bilder schuldig.

Die Location war jedenfalls allererste Sahne…. ich kann mich wirklich nicht erinnern, wann ich zum letzten Mal so lecker gegessen habe… und auch wenn ich außer dem Servermeister (der mir das überhaupt alles „eingebrockt“ hat) sonst niemanden kannte, war man ruckzuck von der guten Laune angesteckt. So war es trotz der unerwartet großen Anstrengung auch für mich als Fotografen ein interessanter und unvergesslicher Tag – auf diesem ersten Event überhaupt, das ich fotografiert habe.

Doch früher als erwartet (irgendwann kurz vor 02:00 Uhr) kam ich dann ins Hotel….

Mein Hotelzimmer

Mein Hotelzimmer

… und trotz der seltsam unbequemen Kopfkissen bin ich dann auch wie ein Stein eingepennt. Alledings schmerzten mir die Fußsohlen noch heute morgen so sehr, dass ich die ersten Meter erstmal auf Zehenspitzen gelaufen bin um mich an den Schmerz zu gewöhnen. Aber dafür kann weder Köln noch der Rhein noch die Jungs oder das Event etwas… ich bin einfach zu fett und wiege zuviel. Daran liegts.

Dennoch, ich hätte niemals (!) gedacht, was das für eine Lauferei ist, wenn man ein Event fotografiert. Auf dem Schiff hoch und runter und von Bug zu Heck … immer und immer wieder. Dann am Rheinufer, immer am richtigen Platz zur richtigen Zeit sein… auf der Dachterrasse im Regen… später im Restaurant… das hatte ich ehrlich unterschätzt. Dementsprechend habe ich auch Spuren an der Kleidung hinterlassen, die ich zuletzt Mitte der 90er bei der Armee vorweisen konnte…

Hose durch

Hose durch

… wie zum Beispiel eine Hose, die ich allein an einem einzigen Tag durch Laufen im Schritt durchgescheuert habe. Gut, das ist jetzt keine Jeans für Euro 100,- aber dennoch ist das für einen Tag und meine körperliche Verfassung ein beachtliches Ergebnis…. und auch die Salzspuren am Tshirt sprechen eine deutliche Sprache…

Geschwitzt

Geschwitzt

… nämlich, dass ich den Tag über gut Flüssigkeit verloren habe. Zuletzt sah ich das bei der Armee an meinen Klamotten… 🙂 … und so hab ich mich dann heute morgen auch gefühlt. 🙂

Natürlich war ich schon um 07:02 Uhr wieder wach… Ausschlafen können war noch nie eine Disziplin, die ich gut beherrscht hätte. Selbst wenn ich fertig bin und keine Muskel bewegen kann und noch viel zu müde zu aufstehen bin… die innnere Unruhe treibt mich dann einfach aus dem Bett. Dafür habe ich mir dann (quasi als kleinen Luxus) eine dermaßen extrem lange und heiße Dusche gegönnt, wie ich es zuhause niemals tun würde und mich beim Hotelfrühstück gleich drei Mal mit mächtigen Portionen am Obstsalat vergriffen.

Und jaaaaa: ICH GEBE ES ZU…..

Mit den betonharten Waden, den schmerzenden Fußsohlen und dem Sonnenbrand hatte ich dann keine Lust mehr nach dem Check Out im Hotel noch auf einen Bus zu warten (Bushaltestelle, Abfahrtszeit und Liniennummer wusste ich aber), sondern ich hab mir für Euro 10,- ein Taxi zum Hauptbahnhof gegönnt. Scheiss drauf 🙂 … da war dann aller Stolz hinsichtlich eines ÖPNV-Tauglichkeits-Selbstnachweises dahin.

Im Bahnhof angekommen hatte ich Glück, denn keine 15 Minuten später fuhr schon der nächste Zug nach Hause und somit konnte ich gerade noch gemütlich meine Fahrkarte kaufen und zum Gleis gehen. Die Rückfahrt über habe ich dann aber fast komplett durchgeschlafen…

Rückfahrt aus Köln

Rückfahrt aus Köln

… nur dass ich diesmal meine Tasche (ich hatte ja nur noch die eine) gleich nach diesem Foto drei oder vier Mal um meine Beine geschlungen habe, damit mir die nicht auch noch „geklaut“ wird.

Zuhause angekommen fand ich alles normal vor… leider hatte die Wohnung in der Zwischenzeit niemand aufgeräumt, so dass ich das heute wohl auch noch erledigen muss… es gibt eben doch ein oder zwei Nachteile, wenn man alleine wohnt. 🙂 Jedoch blinkte der Anrufbeantworter und das ist schon seltsam, denn ich bekomme nur ganz ganz ganz selten Anrufe und wenn, dann nur von Mama (und deren Anrufersignatur führt am AB vorbei).

Auf dem Anrufbeantworter war eine nur ganz schlecht deutsch sprechende männliche Stimme… ich schätze mal indischer Herkunft… die mir verkündet, dass sein kleiner Sohn meine Tasche in der Hand hatte, als er mit seiner Familie in Düsseldorf-Flughafen aus dem Zug gestiegen wäre. Man fand wohl eine meiner Visitenkarten in der Tasche und kam über die URL auf meine Impressumsseite und so auf meine Telefonnummer. Die Stimme entschuldigte sich gefühlte 10.000 Mal für den Junior und man versprach mir noch heute die Tasche zurückbringen zu lassen, sobald ich mich melde. Ich mus mich aber bei jemand anderen melden, denn die Famile war auf dem Weg zum Flughafen und ist nun nicht mehr im Lande. Der Junior hatte wohl die Übersicht über das Gepäck nicht und meinte, meine Tasche gehöre auch noch dazu. 🙂

Ich ruf nachher die mir genannte Nummer an. Wenn mir mein Zeug mit der Post zurückgeschickt wird, dann bin ich ja schon zufrieden. Ich meine, sowas kann ja mal passieren – gerade mit kleinen Kindern. Eigentlich wollte ich in Köln Anzeige erstatten, aber das hat sich ja nun aufgeklärt. 🙂

So geht also ein anstrengendes und ereignisreiches Wochenende dem Ende zu.

Was in den nächsten Tagen nun noch folgt ist das Sortieren der Bilder…. das wird noch einmal anstrengend… aber es muss sein, sonst hätte ich mir das Wochenende auch sparen können. Außerdem war der Tag so nett, da freut es mich auch meinen kleinen Teil dazu beigetragen zu haben und wenn die Jungs noch ein paar gute Fotos von mir bekommen, dann freut es mich auch, weil es mich auch bestätigt, wenn ihnen die Bilder gefallen (sollten). 😉


Comments ( 4 )

  1. Frau_Shmooples

    Das klingt ja nach einem sehr abenteuerlichen und spannenden Tag :D Solche Erfahrungen kann man ja mal mitnehmen. Als Busfahrer (oder auch eher generell) reflektiert man ja sehr oft die Stimmung seines Gegenübers... Ich erleb das in Hamburg sehr oft, wenn ich Strecken fahre, auf denen zwischendurch wirklich unhöfliche und unfreundliche Leute einsteigen, die für Worte wie "bitte" und "danke" absolut nichts übrig zu haben scheinen. Da hätte ich als Busfahrer auch keinen Nerv mehr noch freundlich zu bleiben. Sie freuen sich dann aber umso mehr, wenn mal jemand kommt, der sich auch bedankt ;) Besonders, wenn sie einem zum Aussteigen die vorderste Tür öffnen, denn eigentlich sollen wir ja alle hinten raus.

    • AsmodeusAsmodeus

      Also den mit Abstand unfreundlichsten Busfahrer habe ich mal in Berlin erlebt.. als ich ihm einen Euro 100,- Schein für eine einfache Fahrt in einer der kleinsten Zonen (oder wie das da hieß) hingelegt habe. Der war noch am Schimpfen, als die Türe schon geschlossen war und der Bus abfuhr - ohne mich :D

  2. Kasiel

    Hab ich dir nicht gleich gesagt, das ist ECHTE ARBEIT?!!?? Schön, dass es aber doch schön war. Klasse geschrieben! :-)

    • AsmodeusAsmodeus

      Ja, allerdings... :) Aber mit Routine macht man vielleicht auch den einen oder anderen Weg weniger oder bessere Ergebnisse raus und es gibt (als Kommerzieller) immerhin ein Kilometergeld für einen Tag Rennerei. :)

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