Japan-Tag in Düsseldorf auch 2015?

Wie bereits im vorherigen Eintrag erwähnt, war ich vor einigen Tagen mit meiner Freundin auf dem Japan-Tag in Düsseldorf.

Ich persönlich war zum ersten Mal dort, habe also zu diesem Event bisher noch keine Vergleichsmöglichkeiten…. aber wenn es stimmt, dass es jedes Jahr voller wird (und dieses Jahr WAR es wirklich voll), dann mach ich hinter meine Teilnahme im Jahr 2015 doch mal ein dickes, dickes Fragezeichen.

Früher, als ich noch jung und am Leben war, besuchte ich damals gerne noch die ECHTE Loveparade (ich meine die, die ihren Namen noch verdiente, in Berlin). Dieser Musiktross damals (und insbesondere die letzte in Berlin stattgefundene Loveparade) ist schon immer mein persönlicher Superlativ in Sachen wie „voll“ oder „gut besucht“ gewesen. Der Japan-Tag kam diesen Eindrücken in diesem Jahr gefährlich nahe… nur dass die Musik fehlte, was schade ist, denn man hat weniger Unterhaltung dabei, wenn man mit 20cm Abstand zu den Menschen vor-hinter-neben einem durch das Gewusel drückt.

Schlimm ist dabei aber eigentlich vor allem, dass die Stadt wohl nicht auf so einen Ansturm vorbereitet war. Am Rheinufer ging an manchen Stellen schlicht gar nichts mehr voran. So ein oder zwei Engstellen haben sich gebildet, weil die Cafes am Rheinufer ihre Außenbereiche so weit in Richtung Rheinufer gesetzt haben, dass der Durchgang viel zu schmal wurde. Da viele Besucher nach einigen Minuten kapiert haben, dass es jetzt absolut nicht mehr weiter geht, sind die meisten dann durch die Außenanlagen des Cafes hindurch, hinter das Haus, um das Haus herum und dann wieder aufs Rheinufer gelaufen – mit der Konsequenz, dass man sich im Cafe (sofern man an einem Tisch saß) wohl fühlen musste, als säße man direkt in einer Menschenmenge, denn um einen herum trampelte ein unablässiger Strom von Menschen.

Also ich würde meinen Kaffee so nicht schlürfen wollen.

Dann weiß ich nicht, ob das nächste große Problem ein Japan-Tag spezifisches Problem ist oder ob wir Europäer einfach nur so degeneriert sind. In Japan fahren sie bekanntlich auf der falschen Seite. Das könnte mir erklären, wieso es Besucher (die aber jeweils nicht japanisch aussahen) gab, die sich immer als bockiger Einzelkämpfer auf der falschen Seite durch den Menschenpool kämpften…. mit der Folge, dass es natürlich wieder zum Chaos oder Stillstand kam. Ich meine, wären es Japaner gewesen hätte ich gesagt: „Gut, Gewohnheitsrecht… die sind eben links gewohnt.“ Aber bei uns Europäern, da geht mir das schon unheimlich auf die Nüsse.

Nun, kurz und gut: der Japan-Tag am Rheinufer selbst bestand zu 90% aus schlurfend hinter den Fleischmassen hinterher laufen bzw. von ihnen weiter nach vorne gedrückt zu werden.

Von den Ständen, die zwar zahlreich aber dennoch absolut überlaufen waren (verständlich bei so vielen Besuchern) hat man eigentlich nichts mitbekommen, denn auch im vorbeidrängen ergab sich kein Blick darauf, weil schon so viele Menschen davorstanden. Immerhin besaßen die meisten Stände im Bereich der Zeltdachkante eine Beschriftung, so dass man wusste, an welchem Angebot man gerade vorbeigeschoben wurde.

Auf der unteren Promenade sah die Lage viel besser aus. Dort war Platz und man konnte doch tatsächlich auch als Paar nebeneinander laufen… nur waren dort keine Stände. Nun, wenigstens fanden wir nach einiger Suche den Stand, den meine Freundin besuchen wollte – auch wenn sie die Person, die sie treffen wollte, dann nicht getroffen hat. Für mich war die angenehmste Zeit dann die Wartezeit am Rand des Menschenstroms, wenn ich am steinernen Geländer hin zum Rheinufer lehnen und mir einfach die vorbeidrückenden Massen anschauen konnte.

Mit das Interessanteste am Japan-Tag sind wohl die Gespräche gewesen, deren akustischen Teilhabe man sich aufgrund der sehr engen Ausweichmöglichkeiten teilweise wirklich nicht entziehen kann.

Mein Lieblingsgesprächsthema war Bibi. Ja, eindeutig Bibi. Selten habe ich bisher einen Kerl so dermaßen verheuchelt betteln gehört wie Bibis Freund…. das „Ooooch, Bibi“ (wobei das „Bibi“ mit einer schmollmundartigen Ausformung dann eher als „Bübüüüüüüü“ verstanden werden muss) klang dabei mindestens (und ungelogen!) 20-30 Mal zu mir herüber. Nun, was mag wohl passiert sein? De facto hat jemand den Kerl verpfiffen, soviel war klar. Im weiteren Verlauf des „och Bübüüüüü“-Mantras kam dann heraus, dass er wohl zuviel getrunken habe (oder zumindest „angeblich“ zuviel) und sich nicht mehr erinnern könnte, ob er wirklich mit einer anderen gefickt hatte – so wie es andere behaupten. Bübüüüüü, äh ich meine Bibi, war darüber natürlich nicht so ganz begeistert…. und versuchte, auch wenn ich das persönlich nicht nachvollziehen kann, das dann noch mit diesem Kerl in vernünftigen Argumenten auszudiskutieren. Naja, der Rest der Geschichte ist relativ uninteressant… abgesehen davon, dass der Arsch dann noch meinte (sinngemäß), er könne sich doch für nichts entschuldigen, woran er sich nicht mehr erinnern könne….

Liebe Bibi vom Rheinufer-Geländer am Japan-Tag, wenn Du das hier liest, dann folge meinem Rat: schmeiß den Kerl weg und such dir einen neuen. Du bist ein hübsches junges Mädel und findest tausend Bessere.

Und lieber Bübüüüü-Freund… Fremdficken, muss man selbst entscheiden ob man das tun will, aber hinterher (im Erwischt-Falle) nicht mit den Konsequenzen zu leben sondern mit Schmollmund angekrochen zu kommen und alles auf den Alkohol zu schieben, das ist schon eher eine Mischung aus feige-peinlich und verlogen… es sei denn, Du wurdest mit körperlicher Gewalt und gegen deinen eigenen Willen abgefüllt (was ich für eher unwahrscheinlich halte).

Leider waren die restlichen Gespräche auf dem Japan-Tag sonst nicht so interessant, bzw. immer gleich wiederholend: Mädels in Kostümen lästerten über Mädels in Kostümen… vermutlich während gerade andere Mädels in Kostümen über sie lästerten. Die Eigenart solcher Gespräche (die in der Regel von etwas bei diesem Anlass überdrehten Jugendlichen gepflegt werden) ist es vor allem dass sie möglichst laut geführt werden. Zwar stehen (bzw. schlurfen) die eigentlichen Gesprächspartner direkt neben- oder hintereinander, jedoch scheint es bei dieser Art von Szenegesprächen von geradezu fundamentaler Wichtigkeit zu sein, dass es auch der umgebende Dunstkreis mitschlurfender und bisher am Gespräch gar nicht beteiligter Personen mitbekommt. Ich vermute, dass es wohl als Regel gilt, dass die TRUE-heit der eigenen Darstellung insgesamt um den Faktor steigt, wie man sie lauthals bei anderen herunterkritisiert. Jedenfalls scheint dieses Thema ganz allgemein das Thema „Nummero Uno“ bei den kostümierten Teilnehmern (damit sind nicht die Lolitas gemeint) gewesen zu sein…. aber aus welcher anderen Szene kommt mir so ein Verhalten jetzt plötzlich so seltsam vertraut vor…? Hmm…..

Apropos! Ein paar Goths habe ich doch tatsächlich auch noch getroffen… in voller Montur, bei vollem Sonnenschein und (gefühlten) 50 Grad Celsius am nicht überdachten Rheinufer. Das gilt sicher als stilecht (also aus gothischer Sicht, mit dem Japan-Tag hat das ja nun eher rein gar nichts zu tun) aber in meinem Alter neigt man dann schon eher dazu das „ein klein wenig verrückt“ zu nennen. Dabei ist das eigentlich nicht böse gemeint, denn (wenn man als alter Sack ganz ehrlich zu sich selbst ist und tief in sich hineinhört) es klingt darin auch ein bisschen der Wunsch mit, selbst noch einmal so jung und verrückt zu sein… aber der Zug ist leider auch für den Asmodeus abgefahren – da bringt die ganze Bööösheit nix.

Ausdrücklich froh war ich, dass die Schwemme von „HUGH ME“ Schildern, Buttons und T-Shirts in aller Regel nicht in Anspruch genommen wurden. Teilweise gab es (bei Jungs) auch derartige Beschriftungen auf der Haut, z.B. im wohltrainierten und ausdefinierten Brust- und Bauchbereich. Natürlich habe ich viele Hughs (Umarmungen) gesehen, aber es hielt sich doch in Grenzen… kaum auszudenken was gewesen wäre, wenn sich die Leute im aneinander vorbeischiebenden Menschentross auch noch jedes Mal die Zeit genommen hätten sich zu umarmen. Insgesamt war es aber so eine Schwemme mit diesen Schildern, dass es schon eher inflationär wirkte und nicht mehr als nette Geste…. vor allem, weil sich manche Träger solcher Schilder und Aufschriften auch mal darüber Gedanken machen müssten, mit welcher Miene/Laune sie herumlaufen, wenn sie so eine Aufforderung zur Schau tragen. Bei so einigen Leuten konnte man dermaßen gelangweilte oder genervte Gesichter sehen, dass man statt ihrer wohl eher ein ausgehungertes Krokodil umarmt hätte.

Sollte ich mich entscheiden wieder auf den Japan-Tag zu gehen, dann mache ich mir vielleicht auch ein Schild um den Hals… darauf schreibe ich dann „FREE FUCKS“ und warte mal darauf, dass manche Teilnehmer nach dem 524. gesehenenen Schild schon nicht mehr genau lesen, was da steht…. das werden sicherlich lustige Gespräche.

Letztes Thema des Japan-Tages: die Knipser und die Fotografen.

Natürlich hatte ich auch meine Kamera dabei! Ist doch klar! Hömma! Tausende von Mädels in ausgeflippten Kostümen (vielleicht einige davon schon volljährig, so dass man nicht in Teufels Küche kommt, wenn man sie fotografiert)… da wäre man doch blöd, wenn man seine Kamera zuhause lässt …. dachte ich. In Wahrheit hab ich die Kamera für Japan-Tag-Zwecke nicht ein einziges Mal ausgepackt. Es geht einfach nicht so, dass ich es guten Gewissens „Fotografieren“ nennen könnte. Es wäre nur knipsen…. und glaubt mir Freunde, geknippst wurde an diesem Tag eine Menge…. bis sich einem die Zehennägel hochrollen.

Da wird draufgehalten… ungefragt und mit allen möglichen Geräten ohne Sinn und Verstand… gerade so, als hätte man keinen Japan-Tag erlebt, wenn man nicht mindestens ein oder zwei unscharfe oder verwackelte Bilder von halbnackt verkleideten Teenies auf dem Chip hätte. Daher:

  • Liebe Knipser-Deppen:
  • Es gilt allgemein (auch auf dem Japan-Tag) als extrem unfein, wenn man Menschen groß ins Bild nimmt ohne sie nach ihrem Einverständnis zu fragen.
  • Dies gilt vor allem und insbesondere auch dann, wenn es sich um Minderjährige handelt – denn für irgendein geschnappschusstes Scheiss-Foto, das ich im Internet hochlade, würde ich an eurer Stelle nicht die Gefahr einer Unterlassungsklage eingehen wollen (denn die Eltern hätten in diesem Fall ein Wort mitzureden… und dieses Wort kann teuer werden).
  • Wenn jemand, der sich bemüht zu fotografieren, ein wenig Abstand zwischen sich und seinem Objekt lässt, dann dient das dazu die Person im Bild gut in Szene zu setzen. Es ist keine Aufforderung für Knisper der Leistungsklassen „Nackte-Kinderhaut-geiler Pedo-Rentner“ und „iPad-Hochhalter“ sich dann zwischen das Objekt und den Fotografen zu stellen, denn ihr dürft davon ausgehen, dass die Hinterseite eures Kopfes NICHT die bevorzugte Perspektive für den Fotografen darstellt.
  • Cosplayer stellen i.d.R. ganz bestimmte Charaktere dar, was auch bestimmte Posen oder Gebärden beinhaltet, damit die Figur gut zum Ausdruck kommt. Deshalb sollte man einen Cosplayer immer ansprechen um ihm/ihr auch Gelegenheit zu geben sich so darzustellen, wie es ihm für seinen Charakter am besten erscheint. Cosplayer fotografiert man nicht einfach so, beim vorbeilaufen…

Nein, Freunde… ich mach mir keine Illusionen darüber, dass dieser Aufruf etwas bringt… es soll nur zeigen, wieso ich nie die Kamera gezückt habe… es kostet einfach viel zu sehr Nerven. Da bleibe ich lieber dabei mir meine Models für die Shootings noch durch Suche und Einzelansprache im Internet zu rekrutieren, ordentlich mit TFP-Vertrag und fest vereinbartem Shooting-Termin an passender Location (ohne Knipser-Hinterköpfe).

Auf der Heimfahrt im Zug war dann mein erster wirklich angenehmer Kontakt. Eine Fotografin saß mir gegenüber… und während der Kopf meiner Freundin schon ermüdet von der Hitze und der Anstrengung des Tages auf dem kleinen Tischchen am Fenster liegend in Schlaf versunken war, haben wir uns die Fahrt noch mit allerlei Plausch über das gemeinsame Hobby vertrödelt. Anständigerweise konnte ich dabei noch eine Empfehlung für meinen fotografischen Lieblingsmentor loswerden.

Das war mein Resümee des Japan-Tages 2014. Insgesamt eine sicher interessante Veranstaltung – aber vieeeeeeel zu voll.


Comment ( 1 )

  1. Frau_Shmooples

    Da wollte ich dieses Jahr eigentlich auch gewesen sein, aber ich war noch mit Prüfungen im Ausland beschäftigt... Deinem Bericht nach hätte ich mich wahrscheinlich auch nicht wohlgefühlt dort. Denn wenn ich so an die Chisaii Con zurück denke, war ich mehr in rage als guter Dinge. Und da hab ich meine Kamera auch "umsonst" mitgeschleppt. Weniger weil es voll war, sondern eher, weil es nichts gab, dass sich aus meiner Sicht zu fotografieren lohnte. Und wie Du schon erwähntest, wäre das Alter wohl auch ein Manko gewesen ;)

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