Elling – Eine Empfehlung

Von allen Filmen, die mir wirklich gut gefallen, würde es mir schwer fallen eine Art Hitliste zu erstellen. Viele Filme sind auf ihre ganz eigene Art schön und ich wüsste nicht, nach welchen Kriterien ich sie ordnen sollte. Immerhin sind es nicht nur Fragen die Story betreffend oder das Genre, sondern eben auch die Gefühle, die so ein Film transportiert und auslöst.

Aber in einem bin ich mir sicher, wäre ich aus irgendwelchen Gründen genötigt so eine Liste anzufertigen, so wäre der Film „Elling“ auf jeden Fall unter meinen Top 5. Ich bitte aber dabei zu beachten, dass ich mich hier auf den Film „Elling“ beziehe und nicht auf den Film „Elling – Nicht ohne meine Mutter“, der nur eine schlechte kommerzorientierte Fortsetzung (die aber zeitlich vor dem ersten Teil spielt) darstellt.

Da hat uns die norwegische Spielfilmindustrie wirklich eine echte Glanzperle in Sachen tragischem Humor, inneren Ängsten und großen menschlichen Gefühlen geliefert. Zwar halte ich von Filmpreisen überhaupt gar nichts, doch den Oscar, für den der Film 2002 nominiert war, denn hätte sie (ginge es nach mir) durchaus haben dürfen.

Bei „Elling“ geht es um zwei psychisch etwas wackelige und leider sehr unselbständige Männer, die bisher nur von Muttern bzw. später der Psychiatrie durchs Leben geführt wurden. Der Eine (ein sehr gehemmtes und unselbständiges Muttersöhnchen, das aber über hohen Intellekt verfügt) und sein Gegenstück (ein sehr dominanter, eher naiv-denkender, auf Sex fokussierter aber sehr praktisch veranlagter Muskelprotz) sollen nun mitten in Oslo in einer gemeinsamen Wohnung, die sie als WG bewohnen, ihre Alltagstauglichkeit beweisen. Unterstützung erfahren sie dabei von einem Mitarbeiter des Olsoer Sozialamtes.

So dreht sich der Film (der mir so sehr am Herzen liegt, dass ich nicht „spoilern“ möchte [für alle Leser meiner Generation, die auch erst man nachschlagen müssen, dieses Wort bedeutet: „zuviel verraten“]) in der Hauptsache darum, wie man als Mensch, der immer mehr oder minder (in diesen beiden Fällen sicher mehr als „normal“) von seinen eigenen Ängsten und Komplexe gehemmt wird, lernt sich und das was uns in uns selbst hindert, zu überwinden. Dies geschieht natürlich nicht ohne Rückschläge, Momente des Zweifels und missverständliche Situationen… aus denen man letztlich lernt.

In diesem Film wird kein Mauerblümchen zu dem was wir aus Amerika als „Superhelden“ in komisch eng sitzenden Gummi-Anzügen serviert bekommen. Hier werden Menschen nur ein Stück mehr zu ihrem wahren und eigenen Ich… und damit vielleicht schon mehr, als viele von uns (da will ich mich gar nicht davon ausnehmen) von sich selbst behaupten können. Und somit sind es Superhelden, denn sie bewältigen mit Anstrengung und Mut das, woran sich manche in einem gesamten Leben nicht heranwagen, sondern sich lieber davor verstecken.

Elling findet in diesem Film seine ganz eigene Antwort auf die Frage nach dem Lebenssinn, seine persönliche Reflektion der Welt: die Poesie. Das ist die vermutlich schönste Antwort, die der Film dem Zuschauer geben kann.

Elling ist ein Film für ruhige Momente. Momente in denen man Zeit hat sich einzufühlen und teilzuhaben an den Stimmungen und Verwirrungen, in denen man sich auch durchaus mal selbst ein wenig erkennt. Der Schauspieler Per Christian Ellefsen bringt dies auch mit einer Glaubwürdigkeit auf den Schirm, bei der man sich später nicht mehr wundert, wenn man erfährt, das er eigentlich vom Theater kommt und den „Elling“ dort schon vor dem Film Jahre spielen durfte.

Die DVD gibt es bei Amazon.de derzeit (Stand April 2014) für unter EUR 10 zu kaufen, was ich mehr als angemessen finde für diesen Film (Link zum Angebot). Ich selbst habe ihn dort schon mindestens drei Mal gekauft, denn diese DVD schenke ich gerne Menschen, die ich wirklich gerne habe, wenn sie bei mir zu Besuch sind.

An diesem Film bedauere ich eigentlich nur eine Sache wirklich: dass ich ihn nur einmal zum ersten Mal anschauen konnte.


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