Der Muhkuhmat oder Das Milch-Experiment

Als ich noch ein kleines Kind war…  ich meine wirklich (und nicht nur im Kopf)… da wurde ich von meinen Eltern oft abends zum Bauern geschickt, der in unserem Dorf nur ein paar hundert Meter entfernt von uns wirtschaftete, um dort Milch zu holen.

Da ging ich dann mit zwei D-Mark und einer Milchkanne ausgerüstet zum „Willi“ um mir Milch geben zu lassen.

Alles war noch so, wie man es aus der „guten alten Zeit“ kannte… die Milch wurde beim Melken in Eimern gesammelt und (wenn der Eimer voll war) in einen großen Bottich umgekippt. Es kam sicher dann und wann auch mal vor, dass zum Beispiel eine Fliege in der Milch schwamm, aber die wurde mit dem Finger herausgefischt und damit war die Sache erledigt.

Wenn der kleine (damals noch nicht so böööse) Asmodeus dann mit der Milchkanne ankam und endlich den Bauern irgendwo im Stall gefunden hatte, dann ging man in die Küche (damals war dort fast alles, was nicht aus Holz war, noch aus Steinware) und ich hielt meine Kanne über den Bottich, während der Bauer mit einer Schöpfkelle (die in ihrer Dimension heute fast schon waffenscheinpflichtig sein würde) die Kanne füllte.

Von den zwei Litern, die ich meist holte, kam (je nach Witterung) meist nur knapp mehr als ein Liter zuhause an. Der Rest landete schon auf dem Weg nach Hause in meinem Magen… oder in dem der lieben miauenden Katzen, die sich natürlich in – für Katzen sehr typischen – rein zufälligen Weise immer in der Nähe meines Weges befanden, wenn ich ihn mit einer Milchkanne in der Hand entlang ging.

Ich habe nicht viele Erinnerung an meine frühen Kindheitsjahre… eigentlich kann ich alles, was ich überhaupt noch selbst erinnere (und nicht nur aus Erzählungen anderer über mich weiß), an zwei Händen abzählen. Doch neben dem Geschmacks des Pilzgerichts, das mein Opa einmal für ihn und mich nach dem Pilzesammeln zubereitete, ist die geschmackliche Erinnerung an diese damals immer noch so gut wie euterwarme Milch mit Abstand eine der bleibendsten Kindheitserinnerungen.

Ja, so war das damals.

Was ich in meinem Erwachsenenleben immer wieder vermisst habe, war dieser Geschmack der Kindheit.

Vor einigen Jahren jedoch, als ich hier in NRW auf dem Weg nach Hause war, habe ich einen Blick seitwärts der Straße getan und was lese ich da: „Milchautomat“.

„Nun gut,“ denke ich „das werde ich dann doch bald mal versuchen müssen!“

Doch tatsächlich hat es einige Jahre gedauert, bis ich (trotz fast täglicher Vorbeifahrt am Schild) eine der vielen Gelegenheiten am Schopfe packte und das „Experiment“ wagte. Natürlich nicht ohne mich vorher im Internet und in diversen Videoportalen zu informieren… zum Beispiel darüber, wie man so einen Milchautomat bedient oder auch ob man eine eigene Flasche/Kanne mitbringen darf (oder gar muss) usw…

Also ging es zum Bauernhof und auch der Milchautomat war schnell gefunden.

Wie im Youtube-Video so sah auch der Automat aus… und ebenso funktionierte er auch. Eine Flasche gab es (pfandfrei) vor Ort für einen Euro – auf Vertrauensbasis mittels einer kleinen Metallkasse, in die man Euro 1,- zu werfen hatte, wenn man eine Flasche benötigt.

Der Liter Milch kostete Euro 0,70 pro Liter.

Das finde ich mehr als angemessen – zumal ich nicht jede Woche literweise Milch trinke um mich damit in den Ruin zu trinken.

Doch was mich natürlich sehr gestört hat war, dass die Milch nicht mehr euterwarm war, sondern (selbstverständlich) gekühlt. Das hat mir das erhoffte Erlebnis-Revival aus Kindertagen ein wenig genommen… aber dennoch, bevor ich wieder eigentlich Milch für konkreten Bedarf im Supermarkt zu Dumping-Preisen kaufe, fühle ich mich wohler, wenn ich es beim Bauern um die Ecke kaufe… was natürlich eben auch nur dann sinnvoll ist, wenn ich die Milch zeitnah verbrauche.

Die sicherheitshalber auf Vorrat gehaltene Packung Supermarkt-Milch wird deshalb ganz sicher nicht abgeschafft, denn man weiß ja nie so genau, wann man sie doch mal braucht. 🙂

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