Der letzte Mann

So, im Moment warte ich auf einen Mann, der heute noch ein Shooting verpasst bekommt. Das wird dann auch, so habe ich mich entschlossen, der letzte Kerl sein, den ich shootingmäßig auf den Chip bringen will.

Davon ausgenommen sind natürlich alle, denen ich mit sowas einen Freundschaftsdienst leiste. Unbekannte Männer jedoch, die mich speziell wegen Shootings anfragen, bekommen ab heute dann ein dankendes aber bestimmtes „Nein“ als Antwort.

Die Gründe hierfür tendieren eigentlich alle in die gleiche Richtung: ich habe zu Männern einfach kein irgendwie geartetes inneres Verhältnis. Sieht man mal von meinem Mentor und dem Servermeister ab, habe ich sonst keinerlei Männer in meinem Bekanntenkreis. Männern kommen in meinem Privatleben nur in drei Formen vor: Verwandte, Arbeitskollegen, Freunde von Freundinnen.

Privates Interesse an Freundschaften mit Männern habe ich (abgesehen von wirklich ganz extremen Ausnahmen)  überhaupt keines, eben weil ich da einfach keine Parallelen zu mir finde. Ich kann mir den allermeisten Dingen, womit sich Kerle so beschäftigen oder worauf sie gesteigerten Wert legen kaum anfreunden und schon der Umgang im Gespräch fällt mir schwer, wenn es nicht um konkrete Themen wie berufliche Belange geht.

Sowas wie „Freundschaft“… also eine emotionale Verbundenheit ist mir seit der Bundeswehr völlig abhanden gekommen. Das lag aber nicht an der Armee, sondern (wenn überhaupt) dann an einem sogenannten „besten Freund“, der mir damals auf ziemlich niederträchtige Weise in den Rücken gefallen ist.

Schon dieser „Beste Freund“ war damals eigentlich ein einzelner Versuch von mir meiner Abneigung gegen private soziale Kontakte zu Männern irgendwie etwas entgegenzusetzen… mit dem Ergebnis, dass ich genau damit „belohnt“ wurde, was ich mir im schlimmsten Fall denken könnten hätte. Seit damals hab ich dann jeden Versuch aufgegeben mein Desinteresse noch einmal selbstkritisch zu hinterfragen… und ich fahre seit nunmehr genau 20 Jahren sehr gut damit.

Soweit also zu den Inneren Werten.

Zu den Äußerlichkeiten muss ich eben sagen, dass es mir wesentlich leichter fällt Frauen in Pose zu bringen als Männer. Ich finde es auch angenehmer so zu arbeiten… es macht mir einfach mehr Spaß, ich habe einen besseren Zugang dazu, ich fühle mich wohler… warum sollte ich freiwillig darauf verzichten?

Sicher, als Fotograf muss man sich auch Herausforderungen stellen…. aber Herausforderungen gibt es viele und auch in vielerlei Richtung… aber man muss ja nicht jeder Richtung nachgehen. Ich bin sicher, auch wenn ich auf Männer fortan verzichte, gibt es noch genug Möglichkeiten mich zu fordern und/oder zu beweisen, wenn es um die Fotografie geht. Dafür sind Männerfotos keine grundlegende Bedingung.

So wird das also heute das letzte Shooting und es wird ein kleines Shooting werden… eine Stunde ohne veröffentlichte Bilder… ein kleiner würdiger Abschluss für ein kleines und auch bin besonders relevantes Kapitel in meinem Leben. 🙂

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