Für die Moral sehe ich schwarzer

Es wird ja viel gesagt und geschrieben dieser Tage… und zwar darüber, inwiefern es sich eine ständig den moralischen Zeigefinger hebende Person des öffentlichen Interesses erlauben kann, sich ob des allgemeinen Interesses an ihrer eigenen unmoralischen Handlung als Opfer einer Kampagne zu gebärden.

Immerhin war sich diese Person in den letzten Jahrzehnten (zumindest soweit ich selbst interessiert und befähigt war den entsprechenden Geschehnissen in den Medien zu folgen) auch nicht zu schade andere öffentlich zu kritisieren und zu moralisieren – da muss man (bzw. „Frau“) dann schon auch damit klarkommen, dass genau diese Messlatte nun an einem selbst auch angelegt wird.

Und, liebe Frau S., durch (mehr als diskussionsbedürftige) rechtliche Schlupflöcher erlangte Straffreiheit ist nicht gleichbedeutend mit „moralisch korrekt“.

Ich persönlich finde es angesichts Ihres bisherigen Wirkens schon sehr schade, dass man das ausgerechnet Ihnen noch vor-differenzieren muss.

Im Gegensatz zu irgendwelchen ebenfalls in überdimensional breiter Öffentlichkeit diskutierten Fehlern (wie z.B. einen von einem [ohnehin nicht so besonders ernstzunehmenden] Politiker unbedacht geäußerten Herrenwitz abends an der Hotelbar in Beisein von Medienvertreter/n/innen) bestand Ihr Fehler bzw. Ihr falsches Handeln nicht aus einem kurzen Moment (z.B. der Zeitdauer der Selbstanzeige), sondern zog sich offensichtlich über Jahrzehnte hin…. und zwar schon so lange, dass (nach Medienberichten) ein Teil davon inzwischen sogar verjährt ist.

Das sind ganz andere Dimensionen! Dementsprechend kann ich Teile Ihrer Wortmeldung auf Ihrer Webseite auch nur mit einem leichten Lächeln quittieren.

Auch wenn Ihre Ankündigung, mit einer satten Million einer Stiftung zur Chancenförderung ins Leben zu rufen, ganz ohne Zweifel eine sachlich gute und nützliche Aktion ist und obendrein eine positive Öffentlichkeitswirkung hat, bringt es dennoch nichts aus (persönlich nachvollziehbarer aber öffentlich nicht glaubwürdig zu vermittelnder) Empörung wegen der Veröffentlichung der Steuersache gegen die Presse zu prozessieren.

Das erzeugt in der Öffentlichkeit nur umso mehr Bild von Ihnen, über das Sie nachdenken sollten, ob das Ihnen persönlich und der Glaubwürdigkeit all Ihrer bisherigen Aktionen (für die Sie selbst ebenfalls die breiten Medien nutzten) eher schadet oder nützt.

Herr Friedmann (ebenfalls ein ehemals sehr lauter und hoher Moralapostel in der deutschen Medienlandschaft, der 2003 dann auf einen Schlag doch sehr sehr leise geworden ist) scheint bei der Abwicklung seiner damals ungeliebt-öffentlichen Angelegenheiten einen wesentlich besseren Image- und Medienberater gehabt zu haben, als es im Moment bei Ihnen der Fall zu sein scheint.

Sie selbst haben damals dem Herrn Friedmann (Stichwort „Patient“) den einen oder anderen Rat gegeben, der Ihnen jetzt selbst auch ganz gut tun würde.

Gerechtigkeit (in Ihrem Fall Steuergerechtigkeit) ist eben auch eine Frage der Moral. Dies gilt umso mehr in Zeiten, in denen das Thema „Sich weiter öffnende Schere zwischen Arm und Reich“ immer stärker thematisiert wird.

Da beißt die Maus keinen Faden ab Frau S.

Comment ( 1 )

  1. AvangerAngel

    Achja, man weiss sofort wer gemeint ist und kann den Gedankengang absolut nachvollziehen. Nur ich hätte es nicht so formschön ausgedrückt, eher pöbelnderweise ausgetragen, von daher lieber gelassen. Aber ganz in meinem Sinne und wahrscheinlich wie bei vielen anderen auch in den gleichen Gedanken.

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