Tausend Briefe…

… ich weiß nicht, ob es tausend sind… doch ich glaube, die Zahl dürfte zumindest sehr knapp an die Tausend heranreichen.

So viele Briefe lagern hier, seit ich zuletzt aus meiner Süddeutschen Heimat meine ganze alte Korrespondenz nach NRW geholt habe (der Kofferraum von meinem Ford Ka war jedenfalls damit voll).

In diesem Winter (vielleicht über Weihnachten) möchte ich die beiden großen Kisten sortieren, nach Absender und Datum ordnen und schön verschnüren, so dass ich im Alter (das irgendwie schneller näher kommt als mir lieb ist) was zu lesen und mich zu erinnern habe…. auch wenn ich mich mehr an alle Personen so richtig erinnern kann.

Seltsam, früher hatte ich irgendwie mehr Gelegenheiten Briefe zu schreiben und Brieffreundschaften zu pflegen. Inzwischen ist meine Zeit einfach zu sehr eingespannt zwischen meinen Aktivitäten im WWW, meiner Freundin (die auch jedes Wochenende hier ist) und natürlich meiner Fotografie, die viel mehr Zeit benötigt als man gemeinhin denkt und das obwohl ich oft nicht einmal so viele Shootings mache wie ich Lust dazu hätte.

Wann ich den letzten richtigen Brief geschrieben habe, das weiß ich gar nicht mehr…. es geht auch nicht so „hoppla hopp“ bei mir. Zwischen Tür und Angel geht das eben nicht bei mir, denn für sowas brauche ich lange meine Ruhe und meine Ungestörtheit und (leider) auch Einsamkeit, sonst komm ich innerlich einfach nicht dazu. Seltsam, ist aber so… ich kann einfach im Alltag nicht schreiben, es wirkt dann einfach zu künstlich und gezwungen.

Schon das regelmäßige Bloggen fällt mir im Alltag nicht so leicht, weil ich mich viel zu schnell und zu dauerhaft von Stress und vor allem von Sorgen einfangen lasse und dann innerlich oft blockiert und abgeschaltet bin.

Demzufolge sind leider alle Brieffreundschaften, sofern sie sich nicht im WWW fortsetzten, in den letzten Jahren eingeschlafen – was ich schon ein wenig bedauere.

Andererseits ist mir die Fotografie einfach ein viel besserer seelischer Ausgleich geworden, der obendrein anderen noch Freude bereitet – was mich ein wenig stolz und mich selbst besser fühlend macht.

Einen Brief hab ich jedoch hier, den ich irgendwann an ihre Besitzerin zurückgeben werde. Das ist der einzige Brief, den ich nicht behalten will, weil der Inhalt leider nicht der Wahrheit entspricht und mich auch nach all der Zeit noch immer zu sehr deswegen stört.

Doch die anderen Briefe werden ein Teil meines Erbes sein… wer auch immer das mal erben wird (Kinder sind ja zum Glück keine zur Stelle)… und dabei frage ich mich (falls diese Briefe überhaupt einmal gelesen werden), was diese Person so denkt, wie der Empfänger dieser Briefe gewesen sein muss….

Ich selbst habe einmal auf einem Flohmarkt aus Jux und Dollerei einen Kasten alter Briefe aus der Zeit des Ersten Weltkrieges gekauft und gelesen. Obwohl dies keine geschichtlichen Dokumente waren, also nichts von der großen Weltpolitik darin stand, zeigte es doch ein wenig das Denken und Fühlen und auch das „Miteinander“ in jener Zeit und das war ein gehöriges Erlebnis für mich!

Ich würde mir wünschen, dass es meinen Briefen einst ebenso ergeht.

Obwohl ich sonst kein sentimentaler Typ bin und nichts aufbewahre, so bewahre ich Briefe und auch Dinge, die mich an Beziehungen erinnern, immer gerne auf. Auch für jede längere Beziehung habe ich eine Kiste, die vielleicht irgendwann einmal in vielen vielen Jahren irgendjemand (Unbekannten) als kleines emotionales Schatzkästlein in die Hände fällt… ich finde den Gedanken jedenfalls schön.

Oft genug erwische ich mich selbst noch, wie ich einen Abend lang in solchen Erinnerungen krame und mir Dinge zurück ins Gedächtnis hole, die mein oberflächliches Ich längst schon wieder beiseite geschoben oder vergessen hat. Habe ich doch das Glück (bis auf eine Ausnahme) mich an alle Beziehungen und Partnerinnen mit überwiegend guten Gefühlen zurückerinnern zu können… das allein betrachte ich schon als sehr großes Glück in meinem Leben!

Manchmal ist es gut zu bloggen, um sich (auch wenn man viele Sorgen hat) an die Dinge zu erinnern, die gut sind und die man leider trotzdem für viel zu selbstverständlich nimmt.


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