Kunst und Künstlichkeit

Es ist schon eine seltsame Sache mit mir und der Kunst… wir mögen uns nämlich nicht besonders, eigentlich.

Ich erinnere mich noch die (gefühlt) längsten Stunden meines Lebens. Damals war ich noch mit meiner schwedischen Freundin zusammen, die eine wahre Künstlerin durch und durch war. Als sie damals meine Familie und mich besuchte (ich wohnte damals noch bei meiner Familie in der Nähe von Stuttgart) stand für uns beide auch ein Besuch in der Stuttgarter Staatsgalerie auf dem Programm.

Ich glaube, nicht einmal im Wartezimmer meines Zahnarztes ist mir bisher Zeit so träge fließend und endlos vorgekommen. Nicht dass ihr mich falsch versteht, ich gönnte meiner Freundin diesen Programmpunkt, doch ging ich eher aus Liebe denn aus Interesse mit.

Mit all den Bildern konnte ich nichts anfangen – ganz gleich um welches Genre der Malerei es sich handelte. Je abstrakter die Gemälde wurden, umso weniger konnte ich darin einen Kunstbegriff entdecken. Bei „alten“ Gemälden, die historische Situationen zeigten und kunstvoll gemalt bis ins Details ausgeschmückt waren, sah ich noch einen beachtlichen handwerklichen Aspekt darin. Aber ein großer roter Punkt und ein schwarzes Dreieck auf einem ansonsten schneeweißen Blatt Papier, ein Butterberg oder eine LKW-Batterie mit Eisenstange und Faden auf Metallplatten… dabei entging mir schlicht jedes tieferes Verständnis.

Mir kam dann und wann der Gedanke: hat man erstmal einen Namen als Künstler, kann man sich wohl alles erlauben um selbst noch aus Scheisse Geld zu machen. Doch weiß ich dabei, dass dies eine dumme Meinung ist, die sich im wesentlichen schlicht darauf gründet, dass ich die Tür in mir, die den Eindrücken aus Kunstbetrachtung Zugang gewährt, schlicht noch nicht gefunden zu haben scheine…. und das ärgert mich regelmäßig.

Es ärgert mich auch deshalb, weil ich selbst auch Ausdrucksformen für mich finden möchte… diese aber nicht finde bzw. vorhandene mir nicht wirklich zu eigen machen kann. Ich habe es versucht, alle paar Jahre immer wieder einmal und in verschiedenen Richtungen… aber bisher erschien mir das, was dabei herauskam eher „künstlich“, also unecht und daher nicht ich selbst.

Ein Beispiel wäre jüngst die Fotografie. Ich möchte behaupten, ich bin nicht der schlechteste Fotograf, wenn es darum geht andere zu fotografieren. Doch möchte ich die Fototechnik dazu nützen mich selbst in Bildern (nicht von mir selbst) auszudrücken, dann fehlen mir nicht nur die Bilder im Kopf, die vorher nötig sind um etwas zu gestalten… sondern auch das Bewusstsein, das Fließende, das man braucht um sich kreativ selbst auszudrücken, geht irgendwie unbemerkt an meinem inneren Auge vorbei… ich kann es weder fassen, noch davon irgendwie Kenntnis nehmen.

Auf der anderen Seite jedoch existieren ganz unterschiedliche Formen von Kunst, die mich regelrecht anspringen und faszinieren… nicht als Mitwirkender, sondern als Betrachter… und bisher waren alle diese Kunstformen sehr „speziell“, möchte ich sagen.

Jüngstes Beispiel hierzu ist der Japanische Ausdruckstanz „Butoh„, den ich erst vor ganz kurzer Zeit zufällig durch einen Film entdeckt habe. Dabei weiß ich nicht einmal genau daran, was mich daran fasziniert und ich weiß auch nicht, was die Bedeutung der Darbietung ist, die Botschaft… vielleicht ist es auch meiner Empathielosigkeit geschuldet, dass ich nicht wirklich erfassen kann, was die Darbietungen transportieren sollen, aber es fesselt mich dennoch.



Diese Gegensätze in mir erzeugen mir oft ein diffuses Selbstbild in Sachen „Kunst und Künstlichkeit“, das so gar nicht mit den Menschen übereinstimmt, der ich sonst zu sein gewohnt bin.

Dass ich voller gegensätzlcher Extreme bin, das ist kein Geheimnis und ich denke das wird auch jeder Mensch, der private längere Zeit mit mir verbringt (allen voran wohl die Menschen, die als meine Partnerinnen ein Stück Lebensweg mit mir gegangen sind). Wie sonst ließe sich zum Beispiel mein Musikgeschmack erklären, wenn ich im Club am liebsten dröhenden Maschinenlärm habe, aber gleichzeitig von Tuwanischer Folklore begeistert bin?

Vielleicht passt es dann letztlich doch genau deshalb wieder zu mir, dass ich mit 99,9% von Kunst nichts anfangen kann, aber seit Tagen eine Butoh-Performance nach der anderen in meinem Youtube rauf und runter läuft.

Der Mensch ist eben seltsam. Asmodeus auch.

Comments ( 4 )

  1. AvangerAngel

    Bei der Kunst fehlt dir das Kopfkino. Aber ich glaube, Deine Stärke liegt künstlerisch betrachtet in einem anderen Bereich: dem schriftlichen Ausdruck, das Spiel mit den Wörtern. Und das beherrschst du sehr gut. Vielleicht solltest du dich in der Hinsicht einmal mehr versuchen, mehr als nur das Blog.

  2. Dead_Digger

    Zuerst einmal Baum, dann die Website ist ein Scherz. Ich wollte nur anmerken das ich denke das du die Musik hier irgendwie vollkommen außen vor lässt. Mal davon das du dich für elektronische Musik interessierst versuch es doch mal damit.

    • AsmodeusAsmodeus

      Den ersten Satz verstehe ich leider nicht. Zum zweiten Absatz muss ich sagen, dass ich Musik noch nie als Ausdruck für mich gesehen habe. Ich konsumiere Musik. aber mich darin auszudrücken, das ist nicht mein Ding.

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