Keine Qual der Wahl

Es ist wieder einmal Wahltag… was mich hoffen lässt, dass die Plakate der Parteien, die mich schon seit Wochen mit ihren Inhalten nerven, bald wieder vom Straßenrand verschwinden.

Es kotzt mich nämlich immer wochenlang vor der Wahl an, dass dort irgendwelche Grins-Grimassen, aufgereiht wie die Huren am Straßenstrich, um die Entscheidung des Wählers werben… obwohl, nein… eigentlich kotzt es mich an, dass sich davon die Wähler wohl auch noch beeinflussen lassen.

Solange ich FDP, die sich (wenn wir schon bei käuflicher Liebe sind) weniger als Partei sondern viel mehr als die (ich drücke es mal sehr höflich aus) Mätresse der Lobbyisten verhält, es nicht mehr in den Bundestag schaffen würde, dann wäre die Wahl aus meiner Sicht wenigstens nicht vergebens… sollen sie sich zukünftig von ihren Hoteliers bezahlen… äh, sorry… ich meine „wählen“ lassen.

Aber was schimpf ich… die anderen sind auch nicht besser.

Die Grünen, die mit den Leichen der nicht bereinigten und jahrzehnte-alten Pedo-Debatte, auch das letzte Fünkchen ihrer moralischen Glaubwürdigkeit verloren haben, sind für mich (der ich einstmals selbst ein Grüner war… bevor der ehemals antiautoritäre „Herr Präsident mit Verlaub, Sie sind ein Arschloch“-Joschka als Außenminister mitverantwortlich die Bundeswehr in den Einsatz geschickt und innerparteilich ein Gebaren gezeigt hat, das eher an einen Herbert Wehner erinnert hätte als an einen Grünen Joschka) einfach nicht mehr wählbar.

Die SPD hat bei mir verschissen, da sie für mich die Ausgeburt einer Partei der sozialen Ungerechtigkeit ist. Dabei spreche ich das Thema Hartz IV gar nicht erst an. Aus den (vor der letzten großen Koalition versprochenen) „0% MwSt-Erhöhung“ (CDU/CSU kündigten 2% an) wurden dann sozusagen als Kompromiss 3%. Das ich nicht lache! So etwas hätte ich von einer Partei, die das Wort „Sozial“ im Namen führt nicht erwartet, denn die mit Abstand unsozialste Steuer, die wir in Deutschland überhaupt haben IST die Mehrwertsteuer, denn sie trifft alle mit gleicher Härte. Ob ein Zeitarbeiter mit Niedriglohn oder ein Multi-Millionär beim Bäcker einkauft ist der MwST nämlich ziemlich egal… das ein kleiner Mann durch sein geringes Gehalt bei gleichen Lebensmittelbedarf aber im Verhältnis viel stärker belastet ist als ein Reicher, das interessiert die PD (das „S“ spare ich mit an dieser Stelle) nicht.

Und was soll ich zur CDU sagen… da fällt mir nicht besonders viel ein, was auch nicht verwundert, denn großartige Konzepte legt die CDU auch nicht vor. Abgesehen davon, dass wir heute in genau den Zeiten leben, die uns früher von CDU Leuten ausdrücklich ausgeredet wurden (ein Theo Waigel meinte mal, der Euro-Raum würde eine Währungsunion werden und keine Haftungsunion) und wir vor der ganzen Welt und ihren Geheimdiensten katzbuckeln, bietet die CDU so wenig Diskussionsfläche, dass man sie einfach nur ignorieren kann.

Nicht vergessen dabei habe ich auch noch, wie sich insbesondere einige CDU-Abgeordnete damals gegen eine bessere Offenlegungspflicht ihrer Nebeneinkünfte gewehrt haben… sowas erweckt Vertrauen, wenn man nicht zugeben will, von wem man sich Geld in den Darm stopfen lässt… während man gleichzeitig zur besseren finanziellen Durchleuchtung des Volkes Datenmonster wir „ELENA“ erschafft.

Und wenn ich dann, einen Tag vor der Wahl, noch von den CDU Leuten höre, dass „noch nie zuvor so viele Menschen in Arbeit“ gestanden hätten wie zur Zeit, dann kommt mir das kalte Kotzen. Noch nie zuvor konnten so wenige Menschen von ihrer Arbeit leben wie heute. Die Leiharbeit, die in vielen Fällen ohnehin schon ein Ausbeutungswerkzeug war, ist dabei noch das kleinere Problem im vergleich zu den (mit Hilfe der CDU ermöglichten) Werksverträgen. Was bringt ein (Mini-)Job, von dem man nicht leben kann und was bringt eine Arbeitsmarktpolitik, die es den Arbeitgebern attraktiver macht Aufstocker einzustellen anstatt „richtige“ Löhne zu bezahlen?

Aber wenigstens haben sie es vor der Wahl noch geschafft einen Mindestlohn durchzudrücken. Die Steinmetze in Deutschland leben jetzt sozial abgesicherter (und ich gönne es ihnen wirklich), aber ein wirklicher Weitwurf für die Arbeitsmarkt der Bundesrepublik war das nicht gerade… und wäre nicht gerade Wahl, dann wäre dies Meldung wegen gerade einmal knapp 11.000 Steinmetzten in keine Nachrichtensendung gekommen… solche Meldungen erinnern eher an die Siegesmeldungen der Wochenenschau von 1944, wo die Rückeroberung eines Dorfes (das aus zwei Bauernhäusern und einem Kuhstall besteht) schon die für die gesamte Ostfront-Berichterstattung stellvertretende Erfolgsmeldung darstellt.

Tja… und sonst? Eigentlich bleibt mir nur die Frage, wie große die Quote bundesdeutschen Wahlviehs wieder ist, die sich nicht erinnert, wie sie von der Politik verarscht wurden und werden und die sich ihre Meinung wieder nur in den letzten 6-8 Wochen der Schönfärberei des Wahlkampfes gebildet haben.

Ganz ehrlich? Ich habe den Wahl-O-Mat gefragt…. am Ende kam heraus, dass ich mit knapp über 60 Prozent mit „ProDeutschland“ übereinstimmen würde und das waren dann auch schon mit weitem (!) Abstand die Spitzenreiter in der Vorschlagsliste.

Aber ich sag euch etwas: bevor ich einen Stift in die Hand nehmen und diese „Leute“ (oder alles andere, was sich mit einfachen Parolen am rechten Rand oder noch weiter jenseits davon in der politischen Unzurechnungsfähigkeit tummelt) wählen würde, würde ich mir eher die Finger abhacken lassen um nie wieder einen Stift halten zu können.

Nun also, was tun an diesem Wahltag… Wenn ich heute um 18 Uhr keinen gelben Block mehr in der ersten Hochrechnung der Sitzverteilung sehe, dann war der Tag nicht umsonst für mich.

Und ihr… ihr tut ja sowieso nur das, war ihr wollt…. ist vielleicht auch besser so. 😉

Comment ( 1 )

  1. AvangerAngel

    Um es mal mit Goethe zu sagen: "Republiken hab ich gesehn, und das ist die beste, die dem regierenden Teil Lasten, nicht Vorteil gewährt." ... aber was noch schlimmer ist, sind Nicht-Wähler oder Stimmen-ungültig-Macher ... die haben in meinen Augen jedes Recht verloren, sich zu beschweren ..

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