Dääädat’se?

Seltsam, wie lustig manchmal die eigene Sprache wirkt, wenn sie lange Zeit kaum noch gehört wird und sie sich dann in einer Frage der mir völlig fremden Frau am Tisch neben mir in der Post am Stuttgarter Schlossplatz spontan meiner Aufmerksamkeit bemächtigt.

Ich nehme mir aus Höflichkeit erst einmal meine MP3-Schalldruckendstücke aus den Ohren als ich bemerke, dass die Frau mich offensichtlich gerade angesprochen hat und frage dann in aller schwäbischen Form zurück: „Bidde?“

„Däääädat’se d’Dascharechner au so verpacka oder dääädat’se en graußa Omschlag nemma?“

Sie zeigt mir einen luftgepolsterten Umschlag und einen halb in Originalverpackung eingepackten Taschenrechner. Allerdings ist die restliche Originalverpackung fast größer als die Außenformate des Luftpolsterumschlages.

„Ähm…. ja…“ lautet meine recht verdutzte Antwort an die fremde Person, die mich offensichtlich gerade zum Fachmann für Garantierücksendefragen ernannt hat „… aber i moin halt, des Deng isch z’kloi für den Apparat.“

„Moinat’se?!“ kommt es unsicher zurück. „Des kosch’t halt glei wiadr so a Haufa Geld….“ meldet sich das sparsame Gewissen der Frau laut mir gegenüber. „I moin, des macht koin Ondrschied, weil i denk, dass des Porto ällaweil oisfaifavierz’g koscht, weil’s eh scho so schwer ond dick isch.“ antworte ich und bemerke, dass ich inzwischen und vermutlich durch die extrem selten gewordenen Gelegenheiten ein viel breiteres Schwäbisch spreche als früher, als es meine tagtägliche Sprache war.

Aber so ganz scheint die sparsame Frau meinen Ausführungen nicht zu glauben, denn während ich in aller Ruhe eine Karte an meine Firma und an meine Freundin schreibe, bastelt die Frau mit aller Inbrunst an einer Lösung wie man den großen Taschenrechner in die im Innenmaß sicherlich kleinere Tasche einpacken kann.

Als ich den Tisch nach zwei geschriebenen Postkarten verlasse, ist die Frau gerade soweit um mit einer zusätzlich bei der Post gekauften Rolle Klarsichtfilm den Umschlag, den sie an drei Seiten mit einer kleinen Nagelschere aus dem eigenen Handtaschenbestand aufgeschnitten hat, wieder zu verkleben.

Dabei frage ich mich, ob so ein Dreierpack mit Klarsichtfilm nicht doch teurer war, als ein neuer Luftpolster-Umschlag im Format A5…. und ob sich angesichts DIESES Taschenrechners überhaupt der Gesamtpreis für Umschlag, Klarsichtfilm und Briefmarke lohnt…

Aber so sind sie eben, wir Schwaben:

BEI ONS WIRD G’SCHPART… KOSCHT’S WAS WILL!

Comment ( 1 )

  1. AvangerAngel

    Yieehaaa .. der gute alte Asmo ist wieder da. Endlich mal wieder ein Eintrag, der mir ein breites Grinsen entlocken konnte, so wie gaanz früher, so vor einem Jahr, als ich anfing, dieses Blog zu lesen ;) Junge, du brauchst mehr Freizeit!

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