O’zapft is!

Lieber Herr Obama, sehr geehrte Nachrichtendienste,

ich gebe ganz ehrlich zu, dass ich ein oder zwei Sekunden durchaus in Versuchung war diesem tollen Artikel auf Chip.de zu folgen und mir Auskunft darüber geben zu lassen, ob und ggf. was so alles in irgendwelchen Rechnern bei euch über mich gespeichert ist.

Nicht dass ich mir besonders viel davon versprochen hätte… ich hätte es einfach nur lustig gefunden euch, die ihr euch so gerne und viel in Netzen bewegt, ein wenig Arbeit zu machen und auch endlich mal einen offiziellen Brief von einer so tollen und wichtigen Einrichtung in meinem Briefkasten zu haben… man stelle sich vor: ein Schreiben – womöglich sogar noch mit dem Dienstsiegel der CIA – bei mir zuhause auf dem Küchenschrank!

Das würde sich neben der Karte des (aktuellen) Bundespräsidenten und dem Brief des vor-vor-vorvorletzten Verteidigungsministers sicher gut machen. Außerdem liegt nach noch ein Dankesschreiben an den Herrn Bundespräsidenten (a.D.) von Weizsäcker, dessen Bild ich eine Kiste Bier (die ich nicht getrunken habe, weil mir Bier nicht schmeckt) verdanke… aber das Schreiben habe ich irgendwie nie abgeschickt. Ein wenig Post von dem einen oder anderen Geheimdienst wäre da schon eine feine Sache….

… wäre da nicht die Frage, ob man dann nicht erst recht auf sich aufmerksam macht… schlafende Hunde und so… .

Gut, ich meine… ich schreibe ja nicht vom Heiligen Krieg, ich will keine Atombombe in den USA in die Luft jagen, keinen Chemiewaffenangriff auf die westliche Welt starten und auch kein Bombenattentat auf eine Militäreinrichtung der Amis verüben…. obwohl, wenn man den Zeitungen glauben darf, reichen diese Worte im Blog auch schon aus, dass man besucht wurde.

Ähm…. Hallo Geheimdienst! 🙂

Dass eine gewisse Überwachung und eine Nachforschung auch bei uns in begründeten Einzelfällen angebracht ist, steht dabei doch außer Frage. Vergessen wir nicht, wo ein Geselle wie Mohammed Atta jahrelang lebte und studierte, bevor er in Auftrag irgendeiner göttlichen Wahnvorstellung tausende Unschuldige tötete.

Aber das Abfischen aller Netze in Form von massenhafter Vorratsspeicherung, das erinnert eher an die Arbeitsweise der STASI als an die Arbeit einer Organisation, die eigentlich dafür sorgen soll, das Werte wie „Freiheit“, „Demokratie“ und „Menschenwürde“ nicht verkommen…

Nun… die Frage ist: was soll man davon halten?

Ist es moralisch einen „Verräter“ der Spionage anzuklagen und es dabei selbst nicht so ganz genau zu nehmen, was man so tut? Ich meine, gerade die Amis, die mit der Vorbereitung und Führung von Angriffskriegen (z.B. Irak) heute vor einem Gericht wie damals in Nürnberg ziemlich alt aussehen würden, sollten jetzt nicht so angepisst sein, wenn ihnen mal jemand (und wenigstens einer ihrer eigenen Leute) die bigotte Maske vom Gesicht reißt… YES, HE CAN! Kann man da nur sagen.

Und das entrüstete Theater, das hier in Deutschland, wo sogar die Post angeblich mit Geschäftsbriefdaten mithilft ein Überwachungsszenario aufzubauen, in der Politik zu verfolgen ist einfach nur lachhaft. Da steht man als deutsches Politikerlein und flennt über den Atlantik hinüber dass die netten Freunde gemein zu uns waren.

Ich weiß nicht was erbärmlicher wäre: anzunehmen, dass unsere deutschen Staatsorgane und Nachrichtendienste davon gar nichts wussten… oder dass sie es wussten und die Amis und Briten gewähren ließen? Irgendwie hat man da die Wahl ob man die Verantwortlichen bei uns nun für Inkompetent oder für Verräter am eigenen Volk und Datenschutz halten soll… das ist wie die Wahl zwischen Pest und Cholera.

Lassen wir den Herr Obama doch im September den ersten Stich in München auf der „Wies’n“ machen… denn ich wette, er hat sicher kein Glaubwürdigkeitsproblem damit, wenn er verkündet: „O’zapft is!“

Ich schau mir das Thema jedenfalls noch gerne eine Weile an… wäre doch mal schön, wenn der Herr Obama oder der Herr Cameron mal irgendwo mit dem Flieger aufgehalten werden… Sibirien wäre gut oder von mir aus auch Ägypten…. das Echo in der US-Presse würde mich dann schon interessieren… denn in den letzten Wochen, während sich die Politikprominenz in Deutschland (kurz vor der Wahl) Empörungswettkämpfe liefert, schaue ich gerne mal in den US-Medien vorbei, was die so berichten. Dort sind z.B. Berichte über einen einzigen gespendeten Kinderrollstuhl, der im Iran angekommen ist, nämlich reicher bebildert und mit größeren Überschriften versehen, als alle maulenden Politikerschnauzen aus diesem unseren Lande.

Yes, they can!

Entschuldigt mich, ich geh‘ jetzt mal kurz kotzen….

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