Andere (Bundes-)Länder, andere Sitten….

Zwei Dinge habe ich heute über die Westfalenser gelernt:

 

1. Maigang

Was ich bei mir in Süddeutschland nur vom Vatertag her kenne, wird hier (und vielleicht auch anderswo) auch am 01. Mai zelebriert und nennt sich „Maigang“.

Dabei ziehen die Kerle (Väter und Nicht-Väter) am ersten Mai ausgerüstet mit Boller-/Leiterwagen und Alkohol durchs Land und lassen sich wandern vollaufen. Gut, kann man machen…. muss aber nicht – jedenfalls nach meinem Verständnis.

Ich kenne dieses Verhalten nur von Vatertagen – an welchen ich es durchaus als duldbar ansehe, wenn sich die Väter dieser Welt mal einem Tag im Jahr den ganzen Frust von der Seele saufen (weiß man doch, dass uns die erste Hälfte des Lebens von unseren Eltern verdorben wird und die zweite Hälfte unseres Lebens von unseren Kindern).

Letzten Endes hat mich dies einmal mehr davon überzeugt, dass der gemeine Westfale einfach jeden erdenklichen Grund zum Anlass nimmt, sich ordentlich einen unter die Mütze zu kippen… um so die lange Zeit bis zu den Schützenfesten zu überbrücken, wenn das allgemeine Hirntotsaufen nicht nur obligatorisch wird, sondern mit allem (im besoffenen Zustand noch durchführbaren) militärischen Gebaren zelebriert wird.

Andererseits… vielleicht ist ein Feiertag, der erst im Dritten Reich vom größten Arschloch aller Zeiten zum dauerhaft gesetzlichen Feiertag erhoben wurde, auch ein guter Grund sich bewusstlos zu saufen…

 

2. Echte Kerle oder echte Waschweiber?

Relativ erstaunt war ich heute, was mir so über mich selbst berichtet wurde. Nein, nicht erschrocken oder etwa wütend… eher verwundert.

Ich hätte (ehrlich!) nie gedacht, dass irgendwelche Geschichten so dermaßen interessant sind, dass sich Kollegen (die es sonst immer darauf anlegen wie „richtige Männer“ wahrgenommen zu werden) wie derartig vertratsche Waschweiber verhalten, wie ich sie sonst nur aus der schwäbischen Hinterwäldler-Idylle kenne, die ich (nicht nur aufgrund dessen) mit Freuden verlassen habe.

Ich weiß schon gar nicht mehr, was die Kollegen selbst an diesem Tag alles zu erzählen hatten. Nicht dass es mich nicht interessiert hätte oder mir die Kollegen völlig scheissegal wären, aber es war mir einfach nicht wichtig genug das zu behalten. Aber bei manchem Kollegen scheint das anders zu sein, denn noch zwei Tage später scheint es genug Nachwirkung zu haben um darüber noch zu tratschen.

Ärgern tut mich das nicht. Was ich in aller Öffentlichkeit und im Kreise vieler Zuhörer von mir gebe ist nichts, was mich später ärgert, wenn es andere ebenfalls hören. Wäre das anders, müsste ich mir eher selbst eine ins Gesicht klatschen und zukünftig den Mund halten.

Aber ich bin erstaunt welches intensive Interesse vorherrscht. Ich selbst hätte mich selbst für wesentlich unwichtiger erachtet als mich andere Kollegen wohl wahrzunehmen gewillt sind. Nun gut, schön wenn man mir solche Aufmerksamkeit schenkt – ist doch viel besser als Ignoranz und Missachtung.

Nur so ganz passt das eben nicht in mein Bild von einem „echten Kerl“, wenn man sich hinten herum das Maul verreißt… das sieht dann eher nach der Masche einer ganz billigen Schlampe aus. 😉

 

So bin ich heute um zwei Erfahrungen reicher und damit darf ich den Tag in der Gewissheit beschließen, dass er nicht vergebens war.

Gleich wage ich noch einen Blick aus dem Fenster und werde, so der Himmel nicht verhangen und/oder regenverheißend ist, noch überlegen ob ich noch zur Fototour (Langzeitbelichtung) ansetze… Lust hätte ich wohl schon und ausgeschlafen genug wäre ich morgen sicher auch…. naja, mal sehen.

So denn, Freunde… wer von euch morgen unterwegs sein sollte, dem wünsche ich einen tollen Maigang und frohe Ausnüchterung und dem Rest eben Spaß bei den Dingen, die ihr so treibt.

Euer böööser Asmodeus


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