Einzelgängertum

Schon so lange ich denken kann bin ich eigentlich immer eine Art von Einzelgänger gewesen.

Sicher, ich habe Bekannte. Jede Menge, eigentlich sogar. Zweckbekanntschaften sind das zumeist. Also nette Leute zum Ausgehen oder auch Menschen, mit denen man für ein paar Stunden das gleiche Hobby oder eben die gleiche Aktivität teilt… aber auf rein persönlicher Ebene sehe (oder sah) ich mich nur sehr selten verbunden und insbesondere in den letzten Jahren höchstens mit zwei oder drei Menschen.

Richtige Freundschaften waren eben selten mein Ding. Schon dass ich es Menschen überhaupt zutraue wirklich zu wissen und wertzuschätzen, was eine Freundschaft sein sollte, ist sehr selten, denn ich treffe nur selten auf Menschen, denen ich das wirklich zutraue.

Zu allem Überfluss habe habe ich aber auch Geschichten erleben dürfen, dass man sich auf Menschen nicht verlassen kann oder dass sie sich bei irgendwelcher Gelegenheit abwenden.

Dabei bin ich mir absolut bewusst, dass meine Betrachtung der Dinge auch nur eine höchst subjektive Sichtweise ist und/oder sich in so mancher Enttäuschung einfach eine nicht erfüllbare (weil zu hohe) Erwartung gegenüber dem Verhalten und der Persönlichkeit anderer Menschen widerspiegelt.

Andererseits: ist es falsch von anderen zu erwarten, was man selbst bereit ist zu geben oder zu tun? Darf man von anderen erwarten, dass sie sich für einen ebenso ins Zeug legen, wie man das für sie tut, tun würde oder getan hat? Und darf man enttäuscht und desillusioniert sein, wenn die anderen eben genau das nicht tun, was man selbst als selbstverständlich erachtet?

Kann ich jemanden böse sein, weil er/sie sich für die Freundschaft zu mir in seinem/ihrem Leben nicht so einsetzt, wie ich das in meinem eigenen Leben für die Freundschaft zu ihm/ihr getan habe?

Im Moment fühle ich mich unverdient und unverschuldet ziemlich zurückgesetzt und das nach einer Episode von der ich mit allem gutem Gewissen behaupten darf, dass ich (aus guter Freundschaft heraus) mehr als nur einfach guten Willen gezeigt habe…. und das auch noch wider jeder mir aus dem Gedächtnis einredender Erfahrung.

Das haste jetzt davon“ spricht diese Erfahrung nun zu mir, und kann sich ein vielsagendes „ich habs dir vorher schon gesagt“ Grinsen nicht verkneifen. Und wenn man sich dann selbst fragen muss, warum man mal wieder nicht auf sich selbst gehört hat und einem dazu keine tragfähigen Antworten einfallen, dann ist man einfach nur noch deprimiert, ratlos und fühlt sich von seinen eigenen guten Absichten verarscht.

Einzelgängertum hat einfach mehr Vorteile als Nachteile – heute fällt mir das wieder mehr denn je in den letzten Monaten ein.

Das Einzige, was daran vielleicht schade ist, dass ich mich wieder einmal habe täuschen lassen.

Naja, selbst schuld.


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