Postcrossing – Die Welt in deinem Briefkasten

Nein, werte Freunde, dies ist kein bezahlter Blog-Marketing-Eintrag, sondern ein von Herzen kommender Bericht über eine Seite, die ich einem (zuerst eher beiläufig geäußerten) Tipp folgend für mich entdeckt habe.

 

Postcrossing.com

 

Nun, worum geht es bei dieser Community-Webseite? Kurz gesagt: es geht um Postkarten und zwar (wenn man nur will) um JEDE MENGE Postkarten, denn jedes Mal, wenn man selbst eine Postkarte an einen der Teilnehmer verschickt hat, erhält man auch selbst eine Postkarte von irgendwo auf der Welt.

Beides geschieht nach Zufallsprinzip, so dass man stets an eine Person eine Karte schickt, aber die Karte, die man erhält, wiederum von einer ganz anderen Person stammt (also nicht vom Empfänger der eigenen Postkarte).

Bei (Stand Januar 2013) mehr als 367.000 Teilnehmern aus 214 unterschiedlichen Ländern ist die Auswahl an zufälligen Postkarten-Partnern auch enorm groß. Gerade erst vor wenigen Tagen wurde die 15.000.000. Postkarte auf den Postweg gebracht.

Wie funktioniert das nun genau?

Zunächst ist es notwendig sich auf der Seite ein eigenes Userkonto anzulegen. Dies geschieht im üblichen Verfahren (Eingabe Usernamen, Emailadresse usw). Danach kann man sich dort sein Profil anlegen.

In seinem Profil hat man neben bestimmten Informationsfeldern (z.B. welche Sprachen man spricht) auch Freitext-Eingabefelder, die man nutzen kann um sich vorzustellen oder auch um seine Wünsche zu konkretisieren. Viele Teilnehmer sammeln bevorzugt Postkarten bestimmter Bereiche (z.B. Stadtansichten, Sprüche, Tiere…). Es ist zwar nicht zwingend notwendig diese Wünsche auch zu berücksichtigen, stellt aber eine sinnvolle Hilfe dar.

Außerdem bitten viele Teilnehmer in ihren Profilen um bestimmte Angaben, z.B. welchen Lieblingsfilm man hat oder welches Buch man zuletzt gelesen oder wie man heute seinen Tag verbracht hat… eben damit auf der Postkarte auch noch etwas anderes als nur „Grüße aus Deutschland“ steht. Da es sich um eine weltumspannende Gemeinschaft handelt ist die Verständigung meist in Englisch. Oft genug kann man den Profilen (meist aus den Niederlanden oder den Skandinavischen Ländern) aber auch entnehmen, dass man seine Karte auf Deutsch schreiben kann.

Zusätzlich hat man auch noch die Möglichkeit Filtereinstellungen vorzunehmen, wenn man zum Beispiel keine Karten innerhalb seines eigenen Landes versenden oder erhalten will.

Zu Anfang kann man sich maximal fünf zufällige Empfänger-Adressen aus dem System herausgeben lassen. Dabei handelt es sich dann um echte postalische Anschriften, die man auf die Postkarten schreibt (es gibt auch eine Druck-Option, falls man das lieber seinen Drucker erledigen lassen will).

So nimmt man also eine Postkarte, schreibt einige nette Worte auf die Rückseite, dazu die Adresse des Empfängers und noch (sehr wichtig!) die für diesen speziellen Vorgang vom System zugeordnete „Postcard-ID“-Nummer, denn jede Adressherausgabe bekommt eine eigene unikate „Postcard-ID“, die unbedingt auf die Karte zu schreiben ist.

Danach bringt man die Postkarte auf den Weg.

Übrigens kostet eine übliche Postkarte von Deutschland ins Ausland Euro 0,75 (Stand Januar 2013) und wenn man einen „Priority“ Aufkleber (gibt es bei der Post kostenlos) zusätzlich aufklebt, spart man sich bei den Luftfrachten angeblich ein paar Tage Versandzeit.

Wenn die Postkarte beim Empfänger (dem vorab nicht mitgeteilt wurde von wem er eine Postkarte bekommt) angekommen ist, bestätigt dieser den Eingang durch Eingabe der „Postcard-ID“ (die ihr auf der Postkarte notiert habt).

Sobald eure erste Postkarte als eingegangen gemeldet wurde, habt ihr euch dafür qualifiziert selbst eine Postkarte zu erhalten. Das heißt, der nächste Teilnehmer, der auf Postcrossing.com eine Postkarte versenden will, bekommt dann eure Anschrift vom System genannt (aber ihr erfahrt nicht welchem Teilnehmer eure Adresse geben wurde) … und so dürft ihr euch, einige Tage nachdem eure eigene Karte angekommen ist, selbst über eine Karte von irgendwoher aus der Welt freuen.

Damit man sich nicht sinnlos Adressen (die man vielleicht nie beschickt) von dem System ausspucken lässt, existieren Grenzen. Zu Anfang kann man nur maximal fünf Empfänger-Adressen geben lassen und erst wenn eine Postkarte als „recieved“ markiert wurde, darf man sich eine sechste Adresse (usw.) geben lassen. Dieses Limit erhöht sich aber mit der Gesamtzahl aller Postkarten, die ihr erfolgreich verschickt habt, immer weiter. Ich selbst bin nach ca. 20 Postkarten nun bei einem Limit von sieben gleichzeitigen Postkarten.

Nun kann es auch einmal vorkommen, dass eine Postkarte nicht beim Empfänger ankommt. In dem Fall bekommt sie nach 60 Tagen den Status „abgelaufen“ („expired“) und man kann sich als Ersatz und ohne sein Limit zu verletzen eine neue Adresse geben lassen. Dies gilt auch, wenn ein Empfänger eure Karte zwar erhält, sie aber nicht als „recieved“ einträgt (was aber kaum vorkommt).

Besonders schön an dieser Seite ist es, dass man Postkarten, die man empfängt oder versendet, auch einscannen und dann als Bild in seinem Profil ausstellen kann. So bekommt man im Laufe der Zeit eine schöne Postkarten-Wand zusammen.

Natürlich besteht (gerade bei uns misstrauischen Deutschen) schnell der Verdacht, dass es sich bei diesem Projekt um einen gewerblichen Adresshandel handeln könnte. Dies kann ich aber aus mehrfachem guten Grund nicht bestätigen. Erstens existiert eine Selbstbeschränkung zur Adressnutzung in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Seite, zweitens existiert die Seite schon eine Weile und bisher wurde über nichts derartiges berichtet und drittens wurde dieses Projekt schon von so vielen professionellen Redaktionen weltweit (Rundfunk, TV, Presse) durchleuchtet, dass solche Umtriebe aufgedeckt worden wären.

Ich kann nach ungefähr zwei Monaten Mitgliedschaft jedenfalls nur Gutes über diese Seite berichten und freue mich inzwischen fast täglich darüber, zwischen den Prospekten der Supermärkte, den Gebührenerhöhungsmitteilungen der Stadtwerke und den Pizza-Service-Speisekarten eine nette Karte von irgendeiner netten Person irgendwo auf der Welt zu finden.


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