Was John Wayne uns verschwieg

Ein schlauer Satz ist das gewesen, den der Amerikanische Präsident dieser Tage sprach, als er fragte, wie viele Kinder noch den Preis für das zu bezahlen hätten, was man in den USA „Freiheit“ nennt.

Nur ein Präsident, der ohnehin nicht wiedergewählt werden kann, darf sich so einen Satz zu sagen erlauben und damit etwas (wenn auch nur indirekt) anzuzweifeln, was für den amerikanischen Begriff von „Freiheit“ grundlegender und unabdingbarer kaum sein kann: das Recht Waffen zu besitzen.

In einem Land, in dem es in den meisten Staaten schwerer ist Alkohol zu kaufen als Waffen, hört man solche Sätze nicht gerne. Wenn man nicht mehr sein Land, sein Haus und seine Familie mit der eignen Waffe verteidigen kann, dann ist man nach amerikanischen Denken fast schon im Kommunismus.

Man muss zugestehen, dass sich die US-Bürger aus Tradition und sehr viel früher sicherlich gegebener Notwendigkeit an das Recht, Waffen zu besitzen, eben gewöhnt haben. Aber ist „Gewöhnung“ wirklich ein Grund, der auch über die Jahrhunderte noch belastbar ist? Viele andere Dinge konnte man sich doch auch abgewöhnen und neue Dinge gewöhnte man sich an… und die Zeiten, in denen man tagelange mit dem Pferd zum nächsten Gesetzeshüter reiten musste, sind schon etwas länger vorbei…. was aber geblieben ist das sind Millionen von Waffen.

Wenn wieder einmal ein Massaker irgendwo passiert, dann ist das Land natürlich geschockt….. leider reicht der Schock aber nie soweit, dass man einsieht, dass es vielleicht einfach der relativ leichte Zugang zu allen abartigen Waffen ist, der genau solche Ereignisse fördert.

Damit wir uns richtig verstehen: der beschränkte oder gar verbotene Zugang von Waffen verhindert solche Ereignisse nicht immer und überall, sondern macht sie einfach nur schwerer durchzuführen und dünnt die Vorkommnisse damit auf natürliche Weise aus. Auch in Ländern, in denen der Zugang zu Waffen stark erschwert ist, passieren Amokläufe und Familiendramen… aber doch in einer wesentlich geringeren Häufigkeit und Tragweite und wenn (siehe Winnenden) dann eben doch sehr oft wieder von Personen, die Zugang zu offiziellen Waffen (also keine illegalen Waffen) hatten.

Und schon kommen die Einwürfe der Waffenfanatiker, der „Sport“-Schützen, der Traditionsvereine und der Lobby…

Manche dieser Einwürfe (speziell hier in Deutschland) sind so dermaßen selten dämlich und offensichtlich falsch konstruiert, dass ich fast schon daran zweifle, ob der Kommentator wirklich noch einen Bezug zur Realität hat und ich mich zu fragen beginne, ob es überhaupt noch die Mühe lohnt, auf solchen himmelschreienden Unsinn zu antworten…. aber ich bin eben guter Hoffnung.

Mein Lieblingsargument ist:

Im Straßenverkehr sterben auch Menschen und dennoch fahren wir weiterhin mit unseren Autos

Dies entspricht aber nicht ganz der Wirklichkeit. Tatsächlich werden Straßenverkehr und Autos eingeschränkt und verboten – und zwar überall da, wo sie für Menschen eine Gefährdung darstellen können. In der Fußgängerzone fahren nur Autos mit besonderer Erlaubnis, vor Schulen nur mit 30 km/h und niemand nimmt sein Auto mit den Supermarkt…. kurz gesagt: überall dort, wo zwar keine Autos fahren, können mir aber Waffen begegnen.

Außerdem braucht man selbst in Amiland einen Führerschein um ein Auto fahren zu dürfen, aber an eine Waffe kommt man sehr viel leichter heran und braucht auch keine Prüfung dafür abzulegen.

Das zweit-hirnverbrannteste Argument (live von einem deutschen Sportschützen gehört) lautet:

Mit einem Turnschuh kann ich auch jemand umbringen und dennoch sind Turnschuhe legal.

So einen Satz muss mal als normalintelligenter Mensch erst einmal auf sich wirken lassen.

Also ehrlich, Freunde… was ist das für ein Staat, der einem Menschen mit einem dermaßen realitätsentrückten Bewusstsein erlaubt eine Waffe zu besitzen? Wer so einen Unsinn auch noch wirklich so meint, wie er ihn sagt…. DAS ist ein Mensch, dem ich ohne Probleme zutraue, dass er sein letztes Stückchen Verstand irgendwann auch noch an den Nagel hängt und wild ballernd durch eine Schule rennt.

Aber egal… machen wir uns die Mühe und beschäftigen uns doch (allen überflüssigen Ernstes) auch mit dieser Aussage.

Ein Turnschuh wurde und wird noch immer entwickelt um sich fortzubewegen und Fortbewegung fasse ich einfach mal als friedliche Tätigkeit auf. Turnschuhe sollen bequem sein und eine schnelle Fortbewegung ermöglichen. Das sind meiner Meinung nach durchaus anständige Motive. Waffen jedoch hatten schon von Anbeginn an einen anderen Entwicklungszweck. Waffen wurden geschaffen und zu verletzen und zu töten (Mensch und/oder Tier)… genau dafür hat man eine Waffe geschaffen. Die Weiterentwicklung von Waffen ging dahin, möglichst schnell, möglichst sicher, möglichst viele Ziele zu töten. Das ist der Grund wieso man heute mit einem Sturmgewehr G36 schießt und nicht mehr mit einem bleikugelbestückten Vorderlader oder gar mit Pfeil und Bogen.

Und genau das unterscheidet Waffen von allen anderen Dingen (darin eingeschlossen sind auch Autos und Turnschuhe), mit denen man Menschen umbringen kann: alle anderen Dinge muss man ZWECKENTFREMDEN um Menschen damit zu töten, eine Waffe nicht – denn Waffen hatten schon immer diesen Zweck ausdrücklich in der Bandbreite ihrer Verwendungsmöglichkeiten und genau dafür wurden sie (angefangen beim ersten Holzknüppel vor Jahrhunderttausenden) erfunden.

Aber versuch das mal einem Menschen zu sagen, der sich unbedingt sein Hobby erhalten will und sich dabei in noch so abwegige Ausflüchte stürzt.

Mit den US-Amerikanern ist es ähnlich.

Die Begründung Waffen zu besitzen und zu tragen liegt hauptsächlich darin, dass die „bösen“ Jungs sie auch haben. Dass das Tragen und Besitzen von Waffen bisher aber nicht dazu beigetragen haben, dass es in Amerika friedlicher und gewaltfreier zugeht als im Rest der Welt (und insbesondere im Vergleich zu den Ländern, die Waffenbesitz grundsätzlich nicht erlauben) ist eine Feststellung, die dem allgemeinen amerikanischen Bewusstsein noch nicht zuteil wurde.

Und genau das ist es, was uns John Wayne in seinen Filmen verschwiegen hat…. dass es eben nicht die Lösung aller Probleme darstellen kann, wenn man mit einem Schießeisen durch die Gegend rennt…. denn „Gut“ und „Böse“ ist nur in einem Drehbuch festgeschrieben und klar definiert… im realen Leben sieht es schon anders aus, denn eine Waffe, die ein „Good Guy“ mal legal gekauft hat, kann (wenn er nach Zurückweisungen, persönlichem Frust, psychischer Erkrankung oder Schicksalschlägen zum „Bad Guy“ wurde) auch für Zwecke verwendet werden, die der ehemalige Good Guy vielleicht nicht beabsichtigt hätte.

Ich war bei der Armee. Ich habe mit dem G3 und dem G36, dem MG3, der MP3 und MP5, einer AK47, einer P1 und P9 und der leichten Panzerfaust geschossen. Ich hatte keine Probleme, es hat mir Spaß gemacht und damit kam ich gut zurecht. Daher sind mir Waffen und ihr Zweck nicht fremd und ich verteufle sich daher nicht für die Anwendung bei Polizei und Armee. Aber ich bin jetzt kein Soldat mehr, ich bin kein Polizist und kein Geheimagent und auch kein Jäger, sondern eine Zivilperson… und niemand wird es schaffen mir jemals wirklich begreiflich zu machen, wieso ich als Normalbürger ein Schnellfeuer- oder Sturmgewehr mit 30 Schuss Magazin oder auch nur eine 9mm Handfeuerwaffe zuhause brauche.

Und ich empfinde unser Land nicht als weniger frei, nur weil ich nicht im Laden um die Ecke alle Arten von Waffen kaufen kann und die nahezu einzige Einschränkung das Limit meiner Kreditkarte ist.


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