Komm, wir essen W-LAN

Freunde, ich werde alt… ja, wirklich.

Mit manchen Neuerungen, die ich von früher her nicht kenne und die inzwischen Einzug gehalten haben in unsere schöne neue Welt, komme ich vom Verständnis her einfach nicht so besonders klar oder belächle sie einfach nur, weil ich denke, dass es früher auch ohne dies bestens funktioniert hat und ich mich dann frage, wo jetzt hier die Notwendigkeit für eine Änderung des bisher Bewährten gewesen sein soll…. vor allem, wenn trotz blinkender und vibrierenden High-End-Technik die Perfomance der Dienstleistung ein Niveau erreicht, das weit unter dem liegt, was man „Zufriedenheit des Gastes“ nennen würde.

Aber fangen wir ganz von vorne an.

Mein Mondscheinkätzchen und ich wollten am gestrigen Samstag nach Dortmund fahren, weil am dortigen Schauspielhaus jede Menge nicht mehr benötigter Kostüme für billig Geld verkauft wurden. Hmm… also.. ne.. eigentlich wollte nur das Mondscheinkätzchen dorthin… und ich bin eben mit und hab am Eingang sitzend im Smartphone Animes auf Youtube angeschaut. Das Gewusel von tausenden Frauen, die ihren (wahrscheinlich eben doch in den Genen programmierten) Jagd- und Sammeltrieb zwischen endlosen Reihen von Kostümen im Kampf um jeden Fetzen Stoff ausleben, ist eben nichts worin sich ein böser Asmodeus gerne aufhält.

Um möglichst unbelästigt zu bleiben, habe ich mich schon zuhause in dunklen Style mit metallbepackten Kampfschuhen und böser Nietenhose gepackt, obwohl ich so am hellen Sommertag sonst nicht nach Dortmund zum Einkaufen fahren würde… aber Abschreckung ist eben alles.

Als die Schlange der bezahlfreudigen Weibchen von Homo Sapiens dann ein Niveau erreicht hatte, das in seiner Länge ungefähr die Diagonale der insgesamt zur Verfügung stehenden Fläche erreicht hatte, traf ich auch mein Mondscheinkätzchen wieder, die aber nichts gefunden hatte, was ihr wirklich gut gefiel (was ich nicht enttäuschend, sondern eher als beruhigend empfunden habe) mit Ausnahme eines Kleids, das aber in der Oberweite zu wenig Platz bot.

Gut, was macht Mann und Frau, wenn man Mittags gegen 16:00 Uhr in Dortmund steht und eigentlich kein Programm mehr zu erledigen hat und das Frühstück ein wenig zu kurz kam?

Richtig, Mann und Frau gehen essen.

Mir persönlich wäre es ganz lieb gewesen, wenn wir mal das Asia Nudel Restaurant in dem Einkaufscenter (ich weiß nicht mehr, wie es heißt… jedenfalls gibt es ganz oben eine Etage nur mit Gastronomischen Betrieben) besucht hätten. Das wollte ich eigentlich neulich, als wir ebenfalls in Dortmund waren, testen… nur hab ich da die Restaurants verwechselt und versehentlich beim falschen Asiaten bestellt.

Mein Mondscheinkätzchen wollte aber (und da war wieder ihr Dickkopf im Spiel und jede Diskussion außen vor) unbedingt ein neues Restaurant testen, das sich in einer Seitenstraße der Fußgängerzone ganz in der Nähe des eben angesprochenen Centers befindet. Das Restaurant (oder Bistro) nennt sich „dean & david“ und hält als Begleitspruch noch die frohlockenden Worte „fresh to eat“ darunter parat…. naja, dazu kommen wir später noch.

Die Location war wirklich vom Eindruck her sehr top in Ordnung. Man achtet wohl sehr genau auf Sauberkeit sowohl im Thekenbereich als auch sonst überall. Frisches Weiß an den Wänden, keinerlei Dreck und Staub in den Ecken und (was ich immer beobachte) die Mitarbeiter tragen Handschuhe und wechseln diese auch aus, wenn sie damit etwas anderes als die Nahrungsmittel und die Küchenwerkzeuge berührt haben. Also was Sauberkeit und Hygiene betrifft kann man dem ersten Eindruck nach sicher eine sehr gute Note geben.

Der Rest war allerdings umso mieser.

Dort läuft es so ab (und jetzt kommen wir zu der tollen neuen Technik, von der ich Eingangs schrieb)…. man geht zur Kasse an der Theke und sagt was man gerne möchte. Getränke nimmt man sich aus dem Kühlschrank und öffnet sie sich selbst, wenn man an der Kasse ist. Bezahlt man dann, bekommt man einen Pager aufs Tablett gelegt. Dieser Pager ist ein ca. 10×10 cm großes grünes halbtransparentes und dezent mit einer LED-blinkendes Elektronikteil. Dann geht man, erstmal ohne Essen und nur mit dem Elektronikteil, seinem Tablett und einem Getränk zum Platz (es existieren Außen- und Innenbereiche).

Optimalerweise (also so, wie es der Erfinder wohl erdacht haben mag) läuft es so, dass sich der Pager irgendwann meldet. Dann geht man zur Essensausgabe, sagt dort seine Pagernummer (und fragt sich, wieso man diese winzige Nummer selbst noch erstmal an einer Seite des Pagers finden und dann vorlesen muss… die hätte man doch auch GROSS auf den Pager schreiben können) und bekommt dann die bestellten und bereits bezahlten Speisen übergeben, wofür man im Gegenzug den Pager dann dort in eine Rückgabebox stellt.

So der vom Erfinder sicherlich angedachte Optimalfall.

Die Realität sah, zumindest in unserem Fall (und nur davon berichte ich – und zwar wahrheitsgemäß), leider etwas anders aus.

Mondscheinkätzchen und ich hatten (neben dem Zitronenküchlein und unseren Getränken) für sie ein „Sweet Chilli Chicken Sandwich“ und für mich einen kleinen „Scampi Italiono Salat (warm)“ bestellt.

Wir saßen ca. 15 Minuten auf unserem Platz und ich hatte meine kleine Flasche Kola (die schrieb sich wirklich mit „K“… vermutlich weil das in Hamburg, wo sie hergestellt wird, total hip ist und/oder man deshalb mehr Geld als bei einer „Cola“ verlangen kann) schon fast ausgetrunken, als sich plötzlich mit vielen im Kreis blinkenden LEDs und mit lauter Vibration unser Pager meldete.

Ich hab mir das Ding also geschnappt und ging zur Essensausgabe. Dort wartete zu meiner Verwunderung nur ein Salat auf mich, aber kein Sandwich. Deshalb hab ich die Mitarbeiterin angesprochen, dass ich zum Salat auch noch ein Sandwich bekommen sollte.

Offensichtlich stellen sie das dort alles aus dem Gedächtnis zusammen, denn ich hätte eigentlich erwartet, dass sie jetzt irgendwelche in den letzten Minuten abgearbeiteten Kassentickerstreifen/Bestellungen durchblättert… was sie aber nicht tat und nur sagte, dass es ihr leid tun würde und sie das „sofort“ nachholen würde.

Also ging ich nur erst einmal mit meinem Salat (zu dem Zeitpunkt noch „warm“, so wie es im Verkaufsprospekt angegeben war) zu meinem Platz und wartete dort natürlich erst noch (aus Anstand, den sogar ein böser Asmodeus besitzt) bis mein Mondscheinkätzchen auch noch ihr Essen hat.

Die Theke behielt ich (da wir im klimatisierten Innenbereich saßen) allerdings aus engster Nähe weiterhin im Auge…. und musste leider mitansehen, dass niemand (auch nicht die Mitarbeiterin, die sich eben noch entschuldigt hatte) Anstalten machte ein Sandwich zu bauen. Im Gegenteil… die Kunden, die NACH meiner Beschwerde bestellt hatten, bekamen ihre Mahlzeiten schon längst und mein Sandwich wurde offensichtlich erneut vergessen.

Ich habe (zu den 15 Minuten, die ich bereits auf den Salat gewartet habe) exakt und auf die Minute genau 16 weitere Minuten gewartet, bis ich diesmal mit einer ordentlichen Wut im Bauch zum ZWEITEN MAL zur Essensausgabe bin um mich zu beschweren. Der Mitarbeiter dort war aber (wenigstens) so schlau jemanden zu holen, bei dem ich mich dann beschweren konnte (es war dann die Dame von der Kasse).

Ich hab die Dame dann (bemüht freundlich) darauf hingewiesen, dass wir bereits über eine halbe Stunde auf dieses beschissene Sandwich warten, ich mich vor mehr als einer Viertelstunde schon einmal deshalb erkundigt habe, es offensichtlich SCHON WIEDER vergessen wurde und dass mein mir als „warm“ verkaufter Salat (es waren ja nur die 5-6 Scampis warm) inzwischen eiskalt ist (soviel zum Spruch „fresh to eat“), weil ich natürlich nicht esse, bevor mein Gegenüber nicht auch isst und das mir jetzt ECHT LANGSAM DER KRAGEN PLATZT, weil ich denke, es ist schon schlimm genug, wenn ein Kunde sich EINMAL beschwert und wenn es jetzt schon zum ZWEITEN MAL notwendig wird, dann hört bei mir alle Verständnis auf.

So einen Drecksservice hab ich noch nicht einmal an der heruntergekommensten Autobahn-Raststätte erlebt und ich kenne echt einige schlimme davon.

Meinen (inzwischen nicht mehr warmen) Salat hab ich bei der Gelegenheit zurückgegeben. Die Kassendame hat wohl die sachlich zu Grunde liegenden Tatsachen meiner Beschwerde akzeptiert, machte aber (und das ist jetzt nur eine Vermutung, die sich auf eine feine Beobachtungsgabe stützt) in Ton und Mimik eher den Eindruck von Genervtheit und sagte aber dann (pflichtgemäß), dass sie sich um die Erledigung kümmern würde.

Ich sagte auch, ich hätte keine weitere Lust mehr eine weitere halbe Stunde noch vor diesem scheiss Pager zu sitzen und zu beten, dass wir irgendwann mal das bekommen, was wir bezahlt haben.

Es hat dann auch wirklich keine 5 Minuten gedauert, bis die Kassendame das von uns bezahlte Essen dann persönlich an den Platz brachte. Genervt sah sie zwar noch immer aus, aber dabei ist es mir in Wahrheit auch eigentlich egal ob sie von mir genervt war oder von ihren unzuverlässig arbeitenden Kollegen… ich will ja nur das, was mir verkauft wurde und dementsprechend habe ich kein schlechtes Gewissen dabei.

Zur Ehrenrettung will ich auch nicht verschweigen dass sie uns mitgeteilt hat, dass es wohl ein unglückliches Versehen war und ob wir einen Kaffee auf Kosten des Hauses nehmen würden. Das Angebot ist im Sinne des Servicegedankens sicher mehr als überfällig gewesen, aber ich habe abgelehnt, denn (ehrlich gesagt) ich wollte dieser Lokalität keine weitere Gelegenheit geben mich mit der nächsten verpatzten Bestellung auf die Palme zu bringen.

„Essen und raus und auf Nimmerwiedersehen!“ lautet da die einzig gangbare Devise für mich… abgesehen davon, dass ein Mineralwasser, eine Kola, ein Zitronentörtchen, ein Sandwich und ein kleiner Salat für den Service mit Euro 18,75 echt überteuert sind.

Das Ergebnis lautet also: wenn der Service nichts taugt, dann bringt auch der tollste LED- und vibrationsgeilste Pager nichts. Da ist mir (wie in alten Zeiten) eine grummelige dicke Wirtin, die sich alles auf einen Zettel schreibt und zum Platz bringt, tausendmal lieber als so ein hipper High-Tech-Scheiss, wenn er mich nur Nerven kostet. Wenn man schon so tolle Technik einsetzt, wo ist dann der Teil der Technik, der verhindert dass man die Hälfte vergisst …. nur um sie dann gleich nochmal zu vergessen.

Dieser Laden hat mich (und jeden den ich je nach Dortmund zum Essen mitnehme) gesehen, für immer.

Comments ( 2 )

  1. Celine

    [Entfernt] Gottseidank sind die Restaurants bei uns noch alle normal *lach* Grüsle Cel

    • AsmodeusAsmodeus

      Das würde ich nicht so nicht schreiben (dürfen), denn das könnte man als geschäftsschädigend auslegen. Damit es keine Probleme gibt, hab ich das entfernt und bitte dich dafür um Verständnis. Jeder soll seine eigenen Erfahrungen machen und entscheiden wo er/sie essen gehen mag. Ich berichte nur von meinen Erfahrungen und darüber, dass ICH da nicht mehr essen gehe.

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