Schwere Themen für einen Sonntagmorgen

Kann man, frage ich mich, einmal verspieltes Vertrauen wieder zurückgewinnen? Und wenn ja, wie soll das gehen und wie lange braucht man dafür?

Diese Fragen beschäftigen mich seit ein paar Tagen schon, seit ich mir Gedanken darum mache, wie es weitergeht wenn einem ein (guter) Freund oder eine (gute) Freundin quasi in den Rücken gefallen ist und alles Vertrauen zerstört hat und das tiefgreifend und gründlich.

Seit Tagen google ich im WWW nach anderen Meinungen oder nach Erfahrungsberichten, aber letztlich bin ich so klug als wie zuvor und so bleibt mir nichts weiter als eben doch abzuwarten was wird und zu versuchen, der Verführung zu widerstehen durch erhöhte Wachsamkeit (oder gar Kontrolle) das verlorene Vertrauen zu kompensieren – auch wenn die Versuchung echt groß ist.

Vertrauen ist, das gilt für Freundschaften und Beziehungen gleichermaßen, für mich das Fundament auf dem alles andere erst möglich wird. Dabei ist „Vertrauen“ vielschichtig, denn es gibt nur das Vertrauen das man sonst eben so kennt (also dass man nichts weiter tratscht) und eben eher „Verschwiegenheit“ nennt, sondern auch das Vertrauen, dass diese Person einem nicht in den Rücken fällt und dass es sich eben um einen verlässlichen Menschen handelt.

Kann man sich auf einen Menschen nicht verlassen, ihm nicht vertrauen, muss man sich selbst vor ihm (oder dem, was er tut) schützen….. wie soll man da noch eine gemeinsame menschliche Ebene finden? Und wenn es einst so schlimm war, wie bekommt man genug „Sicherheit“ sich wieder darauf einzulassen, vielleicht sogar so sehr wie früher einmal zuvor?

Auf diese Frage habe ich bisher keine Antwort gefunden, konnte kein Rezept entdecken… und so bleibt mir nichts als mich weiter Tag für Tag dafür entscheiden zu müssen, mich wider der Erfahrung und wider besseren Wissens solchen Menschen (trotz allem, was war) zu öffnen oder eben dem kleinen Mann im Kopf doch Recht zu geben und mich nicht mehr solchen Menschen emotional auszuliefern, denn das ist es, was man tut, wenn man sich Menschen emotional öffnet: man liefert sich größtenteils schutzlos aus.

Für manche Situationen habe ich fürs Leben genug gelernt. In Beziehungen zum Beispiel beginne ich keine Beziehung, die einmal beendet war, jemals wieder neu. Ich habe das einmal versucht, habe mich einmal deshalb zwei ganze Jahre lang damit herumgeschlagen und meine Stimme des besseren Wissens im Kopf überhört und mich emotional damit wirklich verausgabt – nur um nach zwei Jahren dann erneut festzustellen, dass sie es nicht verdient hatte und dass es ein Fehler war. Eine auf solche Art gebrochenes Vertrauen ist nicht heilbar, das weiß ich.

Und ich weiß auch wie schwer es ist mit sich selbst zu ringen, sich selbst Mut zuzureden und sich zu überwinden… weil die Versuchung sich lieber schützend zurückzuziehen einfach verdammt groß ist. Vielleicht fehlt auch einfach mal eine wirkliche Aussprache darüber… zu viele Gedanken kreisen im Kopf, die nicht artikuliert sind und daher sich auch einfach nicht aus dem Kopf vertreiben lassen…. und nicht alle Gedanken sind wirklich gute Freunde… manche davon sind ziemlich hart. Sehr hart sogar. So hart, dass ich mich selbst fragen muss, was das bitte noch mit Freundschaft zu tun hat, wenn ich selbst so etwas denke.

Es ist eben ein Kampf. Ein Kampf den ich mit mir selbst ausfechte für eine Sache, die ich gar nicht verursacht habe. Es ist die andauernde Entscheidung, tausendmal hintereinander, ob man dabeibleiben will… denn das ist überhaupt die schlimmste Sache daran: es reicht nicht einmal eben „Ja, doch“ zu sagen, denn die Zweifel, die mahnende Erfahrung und das „bessere“ Wissen kehren immer wieder und nagen und nagen und nagen immer und immer wieder erneut an einem und immer und immer wieder muss man sich erneut dagegen stemmen und immer und immer wieder sich zu einem „Ja, doch“ entschließen.

Das ist furchtbar anstrengend… selbst wenn man es zwei Jahre lang macht, wird man darin nicht geübter… und es ist so mühsam, dass man sich manchmal zu fragen beginnt, ob dass wirklich noch das ist, was man sich selbst von einer Freundschaft (oder gar Beziehung) wünscht und ob man sich das so vorgestellt hat… und so kämpft man in sich und mit sich endlos oft immer wieder und wieder um ein „Ja, doch“ und hofft, dass alles irgendwann einmal wieder so gut ist, dass diese Gedanken wieder verschwinden und alles so wird, wie es einmal war.

Es gibt viele Arten von Beziehungen… Bekanntschaften, mehr oder minder intensive Freundschaften zu den unterschiedlichsten Personen, gute und beste Freundschaften und natürlich Verliebheit und Liebe. Ich glaube, in jeder Art von Beziehungen kann es zu solchen Fragen kommen und vermutlich sich auch die Verletzungen und Kränkungen je nach Intensität der Beziehung unterschiedlich stark – und demnach eben auch die bohrenden Zweifel, die sich im Nachgang ergeben. Leider scheint es aber noch keinem Menschen gelungen zu sein dafür ein Patentrezept zu entwickeln… und falls doch, so besitzt dieser Mensch zumindest keinen Internetanschluss, denn im WWW habe ich bisher nichts gefunden was weiterhelfen würde.

Es ist einfach nicht leicht.

Solche Gedanken treiben einen Sonntagmorgens um 06:30 Uhr um, wenn man die Eltern in der Wohnung hat und hört wie sie schon aktiv werden und durch meine Wohnung tappsen. Zwei Tage liegen schon hinter mir, morgen vor der Arbeit bringe ich sie dann zum Bahnhof und dann kann ich mich erstmal in der Arbeitswoche von dem ganzen Stress erholen. Ganz ehrlich Freunde, natürlich liebe ich meine Eltern, aber ich weiß schon genau, weshalb ich mehr als 500km entfernt von meiner Sippe wohne… und zwar glücklich.

Sicher, es hat auch seine Nachteile. Hier in Hamm bin ich allein. Wenn ich mal ins Krankenhaus muss (wie neulich als diese seltsame Allergie wieder ausbrach) oder mir ein Unglück passiert oder mich versehentlich aussperre, so habe ich niemand auf dessen Hilfe ich vertrauen könnte. Da ist eben wirklich niemand, zu dem ich mal kurz könnte oder der mal eben schnell vorbeikommen könnte oder z.B. mir aus der Wohnung mal etwas in die Klinik bringt… auch wenn es um ganz alltägliche Dinge (z.B. wie bringe ich die neue Waschmaschine und den neuen Trockner in den Keller) geht, ist man eben völlig auf sich allein gestellt. Das sind eben die Schattenseiten dieser Geschichte, aber zum Glück sind sie eher selten und kommen nur zu Tage, wenn mal was passiert und dann ist es meist eh schon egal.

Dennoch genieße ich es hier entfernt von aller Sippe zu leben. Das fällt mir dieser Tage wieder ganz besonders auf.

Was ich hier in Hamm, direkt neben dem Maximilian Park, weniger genieße sind die Nächte in großen Feiern. Zum Glück ist das nur 2-3 Mal im Jahr wirklich, aber dann ist hier Remmidemmi bis in die Puppen. Heute Nacht um 03:00 Uhr haben sie noch unten irgendwo bei den Anlieger-Parkplätzen mit Modern Talking Remix-Bumm-Bumm-Musik Radau gemacht. Solange das nicht jeden Montag ist, komm ich damit klar – auch wenn es heute Nacht natürlich mal wieder nervte.

Dafür habe ich aber auch von meinem Balkon aus einen tollen (und obendrein kostenlosen) Logenplatz fürs Feuerwerk…

Feuerwerk im MaxiPark 2012

Und wie man sieht ist dieser Logenplatz gar nicht mal so übel. Die Eltern hat es jedenfalls gefreut, allerdings hab ich jetzt so ein wenig das Gefühl, dass ich sie jedes Jahr zum Feuerwerk hier erwarten darf…. na, ihr werdet es wohl als Leser meines Blogs als erste erfahren.

Feuerwerk im MaxiPark 2012

 

Und damit soll es für heute wieder genug sein, der Sonntag wartet… es sind wieder viel Spaziergänge und natürlich ein Essen angesagt….

Bis dann, euer böser Asmodeus


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