Herr, gib mir Geduld und zwar zackig!

Heute Mittag hole ich meine Eltern vom Bahnhof hab. Diese werde ich dann bis Montagmorgen bei mir zuhause haben.

Natürlich liebe ich meine Eltern, aber im Großen und Ganzen hat es auch seine Gründe, wieso ich, nachdem die Beziehung mit Stigma endete (für die ich damals aus Süddeutschland hier in die Nähe von Dortmund zog), nicht mehr nach Süddeutschland zurückgezogen bin.

Einer dieser Gründe ist, dass ich es regelrecht genieße weit weg von meiner großen Sippe zu sein… wobei das Gefühl eben zwiespältig ist, denn es gibt eigentlich niemand in meiner Sippe der/die mir unsympathisch ist oder den/die ich nicht leiden kann. Dennoch ist mir die Verwandtschaftsdichte da unten einfach zu hoch und die kleinen Rituale, versuchten Bevormundungen und andere Sinnlosigkeiten im täglichen Umgang, die mir früher auch schon furchtbar auf die Nerven gingen, spielen für mich hier keine Rolle.

Jetzt hab ich also die Sippe hier. Das ist aber ganz OK, denn hier bei mir sind es immer zwei. Auch wenn mich mal Onkels und Tanten besuchen kommen wollten, freu ich mich. Die Situation wie in Süddeutschland, dass mehrere  Dutzend Verwandte mir auf den Senkel gehen, wird es hier niemals geben. Selbst wenn ich einmal heiraten würde, wäre die Wahrscheinlich, dass ich das aushalten müsste, gleich Null oder maximal auf einen einzigen Tag begrenzt.

Nichts geht mir so furchtbar auf den Piss wie jede noch so kleine Entscheidung vor jeder einzelnen Tante (die Onkels sind da weit aufgeklärter) nochmal und nochmal und nochmal zu rechtfertigen, darzulegen, zu diskutieren…. usw… man kommt sich vor, als wäre man das Kind einer Kompanie von Müttern… und irgendwann erreicht man eben ein Alter, wo das einfach nur noch endlos nervt. Bei der eigenen Mutter ist man(n) das ja gewohnt und kann damit umgehen bzw. das eben auch gleich im Ansatz abstellen… aber gegen eine große Verwandtschaft fühlt man sich wie Don Quijote im Sturm gegen Windmühlen.

Nun ja, das Wochenende wird dann eben mal der Familie geopfert. Das muss auch mal sein ohne dass man sich deshalb wirklich beschweren dürfte.

Schätze mal, wir bummeln ein wenig und wenn Papa gesundheitlich gut drauf ist, zeig ich ihm die Zeche Zollverein oder den Landschaftspark Duisburg-Nord… ein bisschen Industriekultur ist sicherlich interessant – zumal für „uns“ Schwaben NRW von früher her eben immer mit Kohle und Stahl gleichgesetzt wird und natürlich entsprechende Eindrücke schon vorgeprägt sind… ich selbst war vor Jahren überrascht wie grün es hier ist, als ich hier ankam. 🙂

Meine Mutter konnte ich noch gerade eben so davon abhalten hier mit Sinnlosigkeiten wie eigener Bettwäsche und Handtücher aufzuschlagen. Die Frau hat noch immer nicht begriffen dass ihr Sohn hier (erstens) schon seit Jahren wohnt und (zweitens) bisher quasi jedes Wochenende Besuch hat und daher NATÜRLICH entsprechend ausgestattet ist. Aber solche Einsichten kann man eben nur vermitteln, wenn man die Flucht nach vorne antritt und sagt: „Am besten Du bringst auch noch eigene Stühle und eigenes Geschirr mit!„.

Ja… und das sind dann wieder die Momente, in denen man Stoßgebete zu jeder sich bietenden Gottheit sendet und um Geduld fleht, weil man doch weiß, wie oft sich in den nächsten Tagen wieder die Augen nach oben in die Schädeldecke drehen werden….

Da ich am Montag (nachdem ich meine Eltern am Bahnhof verabschiedet habe) zur Arbeit gehe und abends wieder Sendung (und damit erstmal genug Arbeit damit haben werde eine Playlist zu zaubern) habe, werde ich frühestens am Dienstag dazu kommen vom Wochenende zu berichten… ich bin selbst ein wenig gespannt darauf, was ich dann schreiben werde.

 


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