Selbstverständlichkeiten im Juli

Meine Herzallerliebste,

ich bin tausende von Meilen gegangen,

habe Flüsse überquert,

Berge versetzt,

ich habe gelitten,

und ich hab Qualen über mich ergehen lassen,

ich bin der Versuchung widerstanden

und bin der Sonne gefolgt,

um dir gegenüberstehen zu können

und dir zu sagen:

Ich liebe dich.

Quelle: „Im Juli„, 2000, Regie: Fatih Akin

Nennt mich ruhig hoffnungslos romantisch, aber von allen filmischen Liebeserklärungen finde ich dieses Zitat aus dem Film „Im Juli“ (Trailer) am schönsten, wenngleich es ohne die Geschichte des Films, die Stimmung, die Musik und den sympathischen Blick von Christiane Paul eben in diesem bösen Blog nicht so schön rüberkommt.

An diesen Film, den ich mir eben angeschaut habe, weil ich gerade sonst nichts tun kann, hab ich mich noch fast Szene für Szene erinnert obwohl ich ihn schon ein paar Jahre lang nicht gesehen habe. Ich erinnere mich sogar noch an die Kinovorstellung, in der ich den Film zum ersten Mal gesehen habe und auch daran, dass ich bei diesem Film zum ersten Mal in meiner damaligen Beziehung gemerkt habe, dass mir Zweifel kamen, als ich mir wünschte meine (damalige) Freundin wäre ein wenig mehr wie „Juli“ im Film.

Damit ist nicht die Person selbst oder die Optik gemeint, sondern einfach dieses bedingungslos zueinander stehen, diese Selbstverständlichkeit des „Wir gehören zusammen, auch wenn es mal reibt“ und des „Ich folge dir wohin Du auch gehst“ bzw. „Wir stehen das zusammen durch“. Diese Selbstverständlichkeit in der Sicherheit des Zusammengehörens – ohne Angst und ohne Zweifel… das ist es, was ich an der Liebe (wenn sie richtig ist) am meisten schätze…. leider jedoch ist es (wie alle guten Dinge des Lebens) nur schwer zu finden.

Hätte ich damals diese ersten Zweifel nicht beiseite gewischt, wäre mir wahrscheinlich eine (gleich zweimalige) Enttäuschung durch meine damalige Freundin erspart geblieben… andererseits ist man(n) hinterher immer klüger…. aber ich bin nicht (und war auch nie) ein Mensch, der sich von Zweifeln in Sache Liebe bestimmen lässt. Ich bin eher jemand, der trotz Zweifel versucht für etwas zu kämpfen oder daran zu glauben, denn Liebe kann sich nicht nur in Sonnentagen zeigen, sondern gerade auch in nicht so besonders guten Zeiten wirklich bewähren. Erst dann zeigt sich, was wirklich in dem steckt, was man gerne Liebe nennt und auch ob man dafür die richtige Partnerin (oder den richtigen Partner) hat, denn das ist ein Spiel, für das man zwei Spieler guten Willens braucht.

Den Film nach so lange Zeit wieder anzuschauen und die eigenen Erinnerungen dazu retrospektiv zu durchdenken, das ist schon sehr komisch. Mal sehen was das Film-Regal noch so hergibt an alten Filmen, die mir diesen (vermutlich) krankheitsbedingt untätigen und noch dazu sehr verregneten Samstag erträglich macht…

Der bisher einzige Lichtblick heute war, dass ich wieder mit meinem Kätzchen sprechen konnte… war zwar nur kurz und verbindungstechnisch eher schlecht als recht, aber wenigstens weiß ich, dass es ihr gut geht. Das ist sowieso das Wichtigste für mich und von allen anderen Dingen können wir uns noch erzählen, wenn wir ins in zwei Wochen dann hoffentlich wiedersehen.


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