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Apropos Machthaber mit Komplexen….

… schon gehört? In London bekam ein Friseur Besuch von zwei sehr ernsten Herren.

Der schlaue Haareschneider hatte die famose Idee einen „Bad Hair Day“ zu veranstalten und bot im April einen Rabatt auf seine Dienstleistungen. Als eye-cachendes Aushängeschild nutzte er ein Foto des derzeitigen (natürlich vom Volk mal wieder extrem geliebten) Führers von Nord-Korea Kim Jong-Un. Nun hat sich das arme geschmähte Nord-Korea doch tatsächlich offiziell auf diplomatischen Wege über diese Aktion beschwert….

Da fällt mir nur ein Kommentar aus meinen Zeiten beim Online-Zocken ein: *mimimimimi*

Na, wenn der Herr Führer da mal keinen Streisand-Effekt damit ausgelöst hat… denn Googles Suchergebnisse sind bereits jetzt voll mit Berichten über dieses Ereignis.

Dabei schreit ein Mann mit einer solchen Frisur doch gerade zu danach verarscht zu werden, finde ich. Ich meine, ok… unterirdische Atomtests können sie ja machen (das zu lösen überlasse ich der großen Politik, ich kann mich auch nicht um alles kümmern)… aber unterirdische Haarprachtmode, die muss man doch noch anprangern dürfen…

Ok, ich höre lieber auch auf, sonst klingeln morgen bei mir auch noch welche. Falls ihr morgen nichts mehr von mir hört… ruft beim Bundesnachrichtendienst an, denn ich bin dann bestimmt zur intensiven Läuterung in ein Arbeitslager in die Volksrepublik entführt worden…

Fuck the E.U.

Hmm… ich kann es nicht so wirklich nachvollziehen, weshalb sich alle Welt (oder zumindest die „alte Welt“, hier in Europa) so über den Spruch der US-Regierungsmitarbeiterin Victoria Nuland aufregt.

Was diese Frau da artikuliert hat, ist doch in Wahrheit nichts anderes, als das, was uns die USA schon inzwischen seit Jahren zeigt: die scheissen auf uns…. nur dass es jetzt eben auch mal einer wirklich ausspricht.

„Fuck the EU“ ist:

  • was die Geheimdienste mit ihrer Datensammelwut machen
  • was das Abhören der anderen Regierungschefs betrifft
  • wie man mit beiden bewiesenen Tatsachen dann öffentlich umgeht
  • wenn man aller Welt (zur Not mit Krieg) Demokratie und Menschenrechte eindreschen will, aber selbst ein jegliche Menschenrechte verachtendes Gefängnis auf rechtlosem Boden betreibt
  • wenn man einen neuen Golfkrieg mit so offensichtlichen Lügen beginnt wie Bush Junior (hier muss man sagen, dass sich England freiwillig hat mitficken lassen)
  • dass sich niemand für diese Lügen verantworten muss (wo sind hier die Kriegsverbrecher-Prozesse für die Führung eines Angriffskrieges???)
  • usw usw usw

Und mich wundert das auch nicht, dass man auf uns scheisst… wenn man bedenkt, wie wir uns dagegen wehren.

Da werden unzählige Gespräche abgehört und die Maßnahme von Bundesmutti ist, sie schickt einen Fragenkatalog nach Amiland…. joar, das klingt ja so richtig nach dicker Luft und Ohrfeige aus Deutschland! Da werden es sich die Amis bestimmt zweimal überlegen sowas noch einmal zu unternehmen!

Tatsächlich bin ich der Meinung: mit einem solchen Verhalten (man betrachte auch jetzt aktuell das eher verklemmte Verhalten unserer Regierung, anstatt dass man mal einen lauteren Ton anschlägt) wird man nicht nur in Zukunft von den USA weitergefickt, sondern man schreit förmlich danach.

Ich kann der Frau Nuland jedenfalls ihre Äußerung nicht verdenken, denn es wundert mich nicht… und das liegt nicht an den USA, sondern an uns.

Für die Moral sehe ich schwarzer

Es wird ja viel gesagt und geschrieben dieser Tage… und zwar darüber, inwiefern es sich eine ständig den moralischen Zeigefinger hebende Person des öffentlichen Interesses erlauben kann, sich ob des allgemeinen Interesses an ihrer eigenen unmoralischen Handlung als Opfer einer Kampagne zu gebärden.

Immerhin war sich diese Person in den letzten Jahrzehnten (zumindest soweit ich selbst interessiert und befähigt war den entsprechenden Geschehnissen in den Medien zu folgen) auch nicht zu schade andere öffentlich zu kritisieren und zu moralisieren – da muss man (bzw. „Frau“) dann schon auch damit klarkommen, dass genau diese Messlatte nun an einem selbst auch angelegt wird.

Und, liebe Frau S., durch (mehr als diskussionsbedürftige) rechtliche Schlupflöcher erlangte Straffreiheit ist nicht gleichbedeutend mit „moralisch korrekt“.

Ich persönlich finde es angesichts Ihres bisherigen Wirkens schon sehr schade, dass man das ausgerechnet Ihnen noch vor-differenzieren muss.

Im Gegensatz zu irgendwelchen ebenfalls in überdimensional breiter Öffentlichkeit diskutierten Fehlern (wie z.B. einen von einem [ohnehin nicht so besonders ernstzunehmenden] Politiker unbedacht geäußerten Herrenwitz abends an der Hotelbar in Beisein von Medienvertreter/n/innen) bestand Ihr Fehler bzw. Ihr falsches Handeln nicht aus einem kurzen Moment (z.B. der Zeitdauer der Selbstanzeige), sondern zog sich offensichtlich über Jahrzehnte hin…. und zwar schon so lange, dass (nach Medienberichten) ein Teil davon inzwischen sogar verjährt ist.

Das sind ganz andere Dimensionen! Dementsprechend kann ich Teile Ihrer Wortmeldung auf Ihrer Webseite auch nur mit einem leichten Lächeln quittieren.

Auch wenn Ihre Ankündigung, mit einer satten Million einer Stiftung zur Chancenförderung ins Leben zu rufen, ganz ohne Zweifel eine sachlich gute und nützliche Aktion ist und obendrein eine positive Öffentlichkeitswirkung hat, bringt es dennoch nichts aus (persönlich nachvollziehbarer aber öffentlich nicht glaubwürdig zu vermittelnder) Empörung wegen der Veröffentlichung der Steuersache gegen die Presse zu prozessieren.

Das erzeugt in der Öffentlichkeit nur umso mehr Bild von Ihnen, über das Sie nachdenken sollten, ob das Ihnen persönlich und der Glaubwürdigkeit all Ihrer bisherigen Aktionen (für die Sie selbst ebenfalls die breiten Medien nutzten) eher schadet oder nützt.

Herr Friedmann (ebenfalls ein ehemals sehr lauter und hoher Moralapostel in der deutschen Medienlandschaft, der 2003 dann auf einen Schlag doch sehr sehr leise geworden ist) scheint bei der Abwicklung seiner damals ungeliebt-öffentlichen Angelegenheiten einen wesentlich besseren Image- und Medienberater gehabt zu haben, als es im Moment bei Ihnen der Fall zu sein scheint.

Sie selbst haben damals dem Herrn Friedmann (Stichwort „Patient“) den einen oder anderen Rat gegeben, der Ihnen jetzt selbst auch ganz gut tun würde.

Gerechtigkeit (in Ihrem Fall Steuergerechtigkeit) ist eben auch eine Frage der Moral. Dies gilt umso mehr in Zeiten, in denen das Thema „Sich weiter öffnende Schere zwischen Arm und Reich“ immer stärker thematisiert wird.

Da beißt die Maus keinen Faden ab Frau S.