Monthly archives "November 2014"

Expedition Suebia (Bericht eines Überlebenden)

„Ich bin wieder hier, in meinem Revier“ … möchte ich fast schon singen, seit ich gestern gegen 19 Uhr wieder bei (natürlich) miesem Wetter wieder den ersten Schritt auf dem Hammer Bahnsteig getan habe.

Drei Tage Aufenthalt in meiner alten schwäbischen Heimat liegen hinter mir… sehr gemischt empfundene Tage, wie immer wenn ich „unten“ war.

Landschaftlich und kulinarisch ist meine Heimat einfach ein Traumland, wenngleich ich als Fotograf auch die Ecken eines so urbanisierten Gebietes wie dem Ruhrgebiet zu schätzen weiß. Doch welches Argument dafür hat noch wirklich Bestand, wenn man dafür täglich auf solche Panoramen verzichten muss?

Panorama Schwäbische Alb

Panorama Schwäbische Alb

Zu den Dingen, die ich sonst noch genossen habe, gehören eindeutig die Backwaren (insb. das Laugengebäck ist in NRW nur ein fader Abklatsch dessen, was man im Süden bekommt) und eben allgemein das süddeutsche Essen… doch wo Licht ist, da ist auch Schatten.

Leider ist es, wenn man bei meiner sehr (!) großen und gastfreundschaftlichen Verwandtschaft zu Besuch ist, ein unablässiger Kampf sich von früh Morgens bis spät Abends mit Händen und Füßen wehren zu müssen, damit man nicht den ganzen Tag mit Essen und Trinken vollgestopft wird. Das ist kein Witz, bedauerlicherweise.

Ein einfaches „Nein, danke“ genügt da eben nicht, denn die Frage (ob man etwas/dies oder jenes essen/trinken möchte) kehrt in spätestens 3-5 Minuten mit einer Verlässlichkeit wieder, nach der man eine Eieruhr stellen könnte. Wobei man noch von Glück sprechen kann, wenn das eigene „Nein, danke“ wenigstens innerhalb dieser Zeit respektiert wird und einem nicht (unabhängig von der eigenen Antwort) dennoch etwas zu Verzehr hingestellt wird.

Natürlich hat mein alter Herr Recht, wenn er sagt „Sie meinen es doch nur gut“. Das tun sie in der Tat… aber es NERVT wenn man von früh bis spät hauptsächlich dabei ist sich dafür rechtfertigen und verteidigen zu müssen, dass man gerade nichts verzehren mag…. und das immer und immer (!) und immer (!!) und immer (!!!) wieder.

Herzlichkeit ist eben eine tolle Sache, aber sie kann sich auch regelrecht zu einem Fluch auswirken… gerade dann auch, wenn man viele nahe Verwandte hat… doch was mir dabei am allermeisten gegen den Piss geht, das ist die darin enthaltene fortwährende Bevormundung, das nicht ernst genommen werden, wenn man schon deutlich seinen eigenen Willen artikuliert.

Hier in NRW sind die Menschen unkomplizierter… sie bieten an und lassen die Wahl und wer nicht will, der muss eben selbst wissen, ob/was er verpasst. Der Schwabe aber ZWINGT dir seinen Willen auf (aus purer Gastfreundschaft und Herzlichkeit)… Du hast gefälligst zu essen, denn er weiß viel besser als Du, was Du willst und wie Du dich wohlfühlst… ganz egal was Du selbst äußerst.

Sicher, bei Menschen, die sich nicht so eng und gut kennen wie Verwandte das tun, ist das bei weitem nicht so ausgeprägt…. aber innerhalb der Sippe hasse ich das wirklich, weil es ein so penetrant hartnäckiges und unausrottbares Verhalten ist und das ist sogar einer meiner absoluten Hauptgründe, weshalb ich nicht wirklich gerne nach Süddeutschland fahre.

Der Grund meiner Fahrt in meine alte Heimat war aber eigentlich, dass meine liebe Oma 90 Jahre alt wurde.

Obwohl nicht einmal alle Verwandten anwesend sein konnten, bestand der anwesende engere Familienkreis (meine Oma, ihre Geschwister und deren direkte Nachkommen zzgl. angeheiratete Ehepartner) aus knapp 70 Personen. Full House also… denn es gibt eigentlich keinen Grund bei uns die Verwandten nicht sehen zu wollen, denn ein sehr positiver und absolut bemerkenswerter Umstand innerhalb des mütterlichen Teils meiner Verwandschaft ist ganz zweifellos, dass es quasi keinen ernsthaften Streit gibt. Ein Theater, wie ich das aus dem Kreise anderer Familien kenne, in denen ein Teil mit dem anderen Teil nicht spricht oder nicht erscheint, wenn diese/jene Personen auch eingeladen werden… sowas ist meiner Sippe fremd. Alle mögen sich… und das erzeugt natürlich auch eine gewisse angenehme Nestwärme und auch eine sehr große Sicherheit, denn man weiß 1.000% dass immer jemand da ist, den man anrufen kann, wenn irgendwas ist.

Hier allein in NRW muss ich darauf verzichten. Wenn ich hier einen Unfall habe, dann sind keine fünfzig nahen Verwandten da, denen ich bedenkenlos meine Wohnungsschlüssel geben könnte, damit sie mir z.B. Kleidung ins Krankenhaus bringen oder mich von dort abholen und nach Hause bringen usw…. ich habe von meinen vielen Onkeln und Cousins keinen hier, der mir hilft die neue Waschmaschine in den Keller zu tragen oder endlich mal das Parket im Wohnzimmer zu verlegen.

Das ist eben der Nachteil meines selbst gewählten Einsiedlertums hier in der Fremde. Das ist der Preis dafür, dass ich in einer Umgebung leben möchte, in der ich mich ernst genommen fühle.

So nervlich anspannend also die Stellungsgefechte um falsch gelebte Herzlichkeit sind, so entspannend waren die Zeiten dazwischen, die ich genutzt habe um meiner Freundin ein wenig die Welten meiner Kindheit zu zeigen… die Wälder, in denen ich gespielt habe und die Gegend, in der ich aufwuchs. Doch viel hat sich verändert… eigentlich ist nur der Wald noch so, wie ich ihn kannte. Ansonsten sind viele neue Häuser hinzugekommen, was früher alt und verfallen war, ist heute teilweise sehr schön im alten bäuerlichen Fachwerkstil restauriert… doch wohnen eben darin heute Menschen, die ich nicht mehr kenne… und so kommt es mir ebenso fremd vor wie die vielen Neubauten.

Darin Heimat zu erkennen fällt mir immer schwerer.

Was nach drei Tagen an Eindrücken verbleibt ist schwer zu sagen. Es ist eine Mischung aus dem, was man kennt und dem, was einem fremd vorkommt… und das entscheidet sich insofern vom Mischungsverhältnis kaum noch von dem, was ich derzeit als meine Heimat hier in NRW bezeichne. Ich glaube, ich fühle mich ein Stück entwurzelter… nicht sprachlich, nicht kulturuell oder verwandtschaftlich, sondern eher geographisch… das, wohin ich bei meiner Reise zurückkehrte, passt immer weniger mit dem zusammen, was ich in meiner Erinnerung aus Kindertagen in mir trage.

Vielleicht ist dieser Eindruck aber auch nur deswegen so stark und bewusst in mir, weil ich die Heimat eben bestenfalls nur alle 1-2 Jahre mal wiedersehe…. ich bekomme die ständigen schleichenden Veränderungen eben nicht mit. Es wäre auch falsch vorauszusetzen, dass immer alles so bleibt wie es einst war. Dass früher immer alles besser war, würde ich diesbezüglich auch nicht sagen. Ich glaube, Kindertage und Waldsommer sind in der eigenen Erinnerung eben immer ein kleines Stückchen sonniger, wärmer und toller als sie es vielleicht einst wirklich waren.

Nach knapp sieben Stunden im Zug war ich gestern Abend auf jeden Fall wieder recht froh wieder in Hamm zu sein…. im eigenen großen Bett liegen zu dürfen… und heute auch mal wieder gut durchschlafen zu können… (also nicht wieder um 04:00 Uhr wie gerädert aufstehen zu müssen, weil ich nicht mehr schlafen kann). Der heutige Tag gilt nun der Erholung, der Beseitung des Wäschechaos und dem Sortieren der vielen Fotos… denn auch wenn ich jetzt in NRW bin – in Süddeutschland wartet eine ganze Horde Anverwandter auf die Fotos von Omas Geburtstag.  🙂

Die Invasion der Bärte

Gibt es eigentlich noch junge, sportliche, angesagte Männer ohne Vollbart? Kaum mehr, wie es mir scheint.

Ich beobachte das schon eine ganze Weile, wie sich die „hippen“ Vollbärte immer mehr und mehr ausbreiten. Seinen Anfang nahm das bereits vor einiger Zeit schon bei den Moderatoren von Jugendsendern und Musikkanälen und diese Woche, als der neue EMP Katalog im Briefkasten lag, lachte mir auch dort ein langhaariger und vollbärtiger Mann entgegen.

Auch in meinem (nicht islamisierten) Kreis meiner Kollegen fällt mir die Tendenz zum Vollbart immer mehr und mehr auf.

Und ich frage mich: ist das nur wieder eine Modewelle, die eben nach 20-30Jahren nun wieder eine Extra-Tour dreht, wie das allgemein mit diversen Erscheinungen der Fall ist (man vergleiche bei den Damen-Brillen seit einiger Zeit aktuell die großen Plastikgestelle, die man aus dem Ende der 80er bzw. Anfang der 90er noch in schrecklicher Erinnerung hat) oder steckt doch noch mehr dahinter.

Ein Vollbart… das ist natürlich nicht nur ein stylisches Objekt, sondern eben auch ein Stück Abgrenzung vom anderen Geschlecht.

Hosen, Kurzhaarfrisuren, Hüte, Zigarren und Pfeifen, Monockel, Hosenträger… nichts, was die Damenwelt nicht schon in einer Style- und Modewelle für sich entdeckt hat… in vielen Fällen schon zu Zeiten, lange bevor wir alle geboren wurden.

Ein Vollbart jedoch ist unerreichbar… genetisch natürlich unter Umständen (zumindest im Ansatz) möglich… jedoch galt und gilt das im typischen Fall der Frau immer schon als höchst unattraktiv… zum Glück.

Dennoch… die Bilder von Mann und Frau befinden sich im Wandel… auch weiterhin.

Bedenkt man die Männer, die wir teilweise noch zur Generation unserer Väter zählen können und die ihre Prägung noch vor der Zeit der Emanzipation und vor der Sexuellen Revolution erfahren haben, so wird an die Männer der heutigen Generation eine völlig andere Erwartung gestellt.

Heute muss ein Mann über eine enorme empathische Intelligenz verfügen, sozial kompetent sein, einfühlsam, nicht zu sehr dominant (oder nur in den Teilbereichen, in denen dadurch keine Bevormundung entsteht), muss Verständnis haben, ganz selbstverständlich auf dem Beifahrersitz Platz nehmen, bei typischen Frauenproblemen auch mal mitreden können und er sollte wissen, wann seine Freundin ihre Tage hat und entsprechend verständnisvoll auf etwaige Befindlichkeitsschwankungen reagieren usw…

Auch an sich selbst legt der Mann einen anderen Maßstab an. Man(n) pflegt sich, macht sich Gedanken um seinen BMI und ob achtet auf das Cholesterin und man(n) ist, will man(n) angesagt sein, allgemein möglichst „Metrosexuell“…

… doch was bleibt vom (natürlich hoffnungslos archaischen) Urtyp des Mannes noch übrig, wenn er manikürt, wohlriechend und sich gerade selbst in Elternzeit befindend mit Babywindeln unterm Arm im Supermarkt in der Schlange steht, während er mit seiner Partnerin skyped, ob er ihr noch Damenhygieneartikel aus der Drogerie mitbringen soll?

Kein Vergleich zu dem Mann noch vor 50 Jahren, dessen Rolle sich auf Erzeuger und Ernährer beschränkte und der sonst vom Beziehungsleben und von der Befindlichkeit der Frau nicht mehr viel Ahnung haben musste.

Oh nein Freunde… niemand möge denken, ich würde mich in die alten Zeiten zurücksehnen. Ich (der ich selbst möglichst nie mit Männern privat zu tun haben will, weil mir alles „typisch Männliche“ unheimlich auf den Keks geht) finde den „aufgeklärten“ Mann der Jetztzeit besser, vernünftiger und nachhaltiger!

Mir scheint es aber, als wäre ein Vollbart… dieses Symbol alles Urigen… des witterungsgegerbten Bergsteigers, des Aussteigers, Holzfällers, Bärenjägers… des Kämpfers der Wildnis, der allen Elementen trotzt… eine der letzten noch gesellschaftlich widerspruchslos akzeptierten Wege sich als echter Kerl zu zeigen ohne sich dabei selbst als Chauvi zu stigmatisieren

Gerade dann, wenn es sehr sehr junge Menschen sind, die sich solche Bärte wachsen lassen… kann ich mich eines solchen Eindrucks kaum noch erwehren…. und dann zweifle ich daran, ob es wirklich „nur“ ein modisches und nachwachsendes Accessoires ist oder ob da (vielleicht auch eher etwas unbemerkt und ganz tief drinnen) nicht doch noch etwas anderes mitspielt… eine kleine Art von unbewusster Sehnsucht vielleicht einer etwas zu stark empfundenen Weichgespültheit wenigstens optisch zu entrinnen….?

Wer weiß!?

Es grüßt, euer unbebarteter Jäger und Sammler…

Web-Resignation

Kennt ihr das auch: ihr lest eine Antwort auf eine Frage oder einen angebliche Tatsachenschilderung bei einer Empfehlung und ihr wisst 1.000%, dass der Verfasser da einfach nur unwahre Scheisse geschrieben hat, die sich nicht mit der Realität deckt? Ich meine die objektive Realität, also Dinge, die sich faktisch prüfen lassen (z.B. was den Funktionsumfang von Software betrifft, den Dienstleistungsumfang eines Unternehmens oder ähnliches)…

Früher hätte ich mir die Mühe gemacht (m)einen Beitrag dazu zu leisten und einen solchen himmelschreiend falschen Eintrag richtig zu stellen…. ggf. mit Screenshots und Videos, in denen genau die Funktionen (die angeblich nicht vom Programm geboten sind) wunderbar dargestellt sind… um einerseits den Fragesteller mit einer RICHTIGEN Antwort zu versorgen und andererseits dem Erteiler der falschen Auskunft klarzumachen, dass „irgendeine Auskunft“ oft einfach schlechter ist als „keine Auskunft“.

Ja, früher hatte ich das gemacht… manchmal zumindest, wenn es mir das Thema wert gewesen wäre.

Vor Tagen stieß ich wieder auf so eine himmelschreiende Falschauskunft zu einem Thema, das mich eigentlich interessiert. Der Auskunftserteilende hatte so dermaßen keine Ahnung, dass es angesichts der vorgeblichen Professionalität, mit der er sein Unwissen präsentierte, schon echt lachhaft war….

Aber ich hab mir eine Antwort erspart…. denn das WWW ist in den letzten Jahren echt zu einer Diktatur der Unwissenden verkommen.

Dank unzähliger Laber-Facebookgruppen, Videotutorials von Un- und Halbwissenden und weil heute dank Online-Baukästen jeder eine professionell aussehende Homepage zaubern kann… haben es echte, zutreffende und fachmännische Informationen dann manchmal leider schwer, gerade auch wenn die Anzahl der anderen Informationen weit verbreiteter sind.

Und letztlich… man weiß doch, wie solche Sachen ausgehen:

Der als unwissender Geoutete, wird seinen Standpunkt entgegen aller harten Fakten in der Regel verteidigen so lange es nur geht… und wenn die Sache es nicht mehr hergibt, dann werden Paralleldiskussionen begonnen oder auf anderen Schlachtfeldern versucht Teilsiege zu erringen – auch wenn es dabei längst nicht mehr um das Thema geht.

Bekomme ich langsam altersbedingt das „Früher war alles besser“ Syndrom, oder ist es wirklich heute schlimmer geworden als es früher war?

Nach vielen vielen vielen Erfahrungen, wie oben beschrieben, denke ich mir inzwischen eben auch einfach: Wenn der Fragesteller die erhaltene Antwort nicht verifziert oder jedem x-beliebigen Antworter völlig unkritisch vertraut oder nicht in der Lage ist auf professionellen Seiten seine Antwort zu finden, dann soll er eben auch mit der Antwort leben…

… und im vorliegenden Fall bedeutet das z.B. dass er 90 Euro für eine Software investiert, die er gar nicht brauchen kann… um dann hinterher festzustellen, dass er danach nochmal ca. 120 Euro investieren muss um die Software zu kaufen, die genau das tut was er will (was der Antworter aber vorher im Funktionsumfang schon ausgeschlossen hat – was eine Falschinformation ist).

Und heute lächle ich noch müde… und mache mir höchstens noch Gedanken darüber, wieso es mir früher wichtiger war, sowas klarzustellen.