Monthly archives "Juli 2014"

Hurra, endlich Krieg!

Das ist kein Ausspruch von mir selbst, sondern ein Zitat eines jungen deutschen Soldaten aus Bremen im Jahre 1914. Morgen jährt sich der Beginn des 1. Weltkrieges zum einhundertsten Mal und da ich für Geschichte (eines der Themen die ich – wäre ich nicht so faul – vielleicht doch gerne studiert hätte) einiges Interesse habe, lese ich dieser Tage wieder viel über das Thema.

Zum Glück und dank des schnellen Internets gibt es heute viele Möglichkeiten sich darüber ein Bild zu machen. Die ARD hat auf ihren Seiten dazu auch ein Special eingerichtet (hier klicken). Vor einigen Wochen gab es auch eine Episoden-Film Dokumentation, die das Leben von (ich glaube) 6 damals völlig unterschiedlich lebenden Menschen wiedergegeben hat.

Doch trotz aller Dokumentation und allen Berichten und Erzählungen, es ist und bleibt aus heutiger Sicht und mit dem historischen Wissen darüber, was ein moderner Krieg ist, völlig unverständlich, wie man sich als junger Mensch mit „Hurra, endlich Krieg“ in den Untergang stürzen kann. Sicher, ich habe auch meinen Eid aufs Vaterland geleistet und auch ich müsste, sofern der Verteidigungszustand eintritt, meinem Eid folgen, doch ist es eben ein Unterschied, ob man sich das herbeisehnt oder nicht.

In welcher Nationalen- und Mannesstolz-durchtränkten Trunkenheit sich weite Teile der Deutschen (ich vermeide absichtlich das Wort „Nation“, denn es war noch ein anderes Land und eine andere Staatsform damals) befunden haben müssen, ist schon sehr seltsam. Ich schätze mal, weil die meisten einfachen Leute sich auch keine Vorstellung machen konnten, welches neue Kriegsgerät seit dem letzten Krieg 1870/1871 entwickelt wurde (und z.B. wie sinnlos ein Maschinengewehr einen Aufmarsch in preussischer Schlachtreihe macht) stellten sie sich den Krieg wohl als landesweite Kostümveranstaltung mit Verletzungsrisiko vor.

Klar, die Presse war damals auch nicht so frei, wie sie es heute sein könnte. Damals wurde vom Krieg nur berichtet, was Kaiser und König ins Konzept gepasst hat. Die Medien beschränkten sich im Bestfall auf ein Tagblatt und von Vielfalt konnte man dabei auch nicht gerade reden…. und trotzdem, ich verstehe einfach nicht, wie man sich als normaler Mensch des Volkes (der vom Krieg nichts hat) einen Krieg herbeiwünschen kann.

In den letzten Wochen bin ich auf einen (wie ich meine) ganz besonderen Menschen aus jener Zeit gestoßen. Ein 1874 unweit von mir in Münster geborener Deutscher, der im Krieg als Soldat diente und zuletzt als Bataillonsführer im Jahre 1915 an der Ostfront fiel.

Sein Name war August Stramm und er schrieb Gedichte.

Inzwischen habe ich so gut wie alle seine Gedichte, die im Internet zu finden wahren, gelesen und ich mag seine Sprache sehr. Mit dem Expressionismus an sich konnte ich eigentlich nie viel anfangen… zu undefiniert und zu vage war mir das bisher immer… aber seine Zeilen verstehe ich irgendwie.

Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir dabei sein Werk „Der Letzte“, das wie kein anderes die Wahrheit des Wahnsinns im Krieg (die ich zum Glück selbst auch nie kennenlernen musste) beschreibt:

Der Letzte

He! da oben! Lachen! ich lache! drei Tage stürzen! brül-
len! drei Tage Jahre Ewigkeiten! und bist noch nicht zer-
stürzt! verfluchter Himmel! Blaubalg! pafft Zigarren und
stiebt Asche. alles zusammen. den Graben. Schützen-
graben. Schutz. Grab. die Stellung wird gehalten bis zum
letzten Mann! vorwärts Jungens. Das Blaugespenst
klimmt rote Augen auf. rot. feuerrot. verschlafen. Der
Tag hält nicht aus. so oder so! schießt! schießt! der Wald!
ja. in den Wald! Schädel. Wolken. lustig! der beste
Schütze darf. ja. darf zuerst schlafen. Teufel! schlafen.
Mord Müdigkeit Rasen Wut! He! Bursche! Bursche da
vorn! willst du? willst du schießen?! du? ja? der Kopf
zwischen die Beine geklatscht? Drückeberger! schießen!
knallen! seht! sie kommen aus dem Wald. raus aus dem
Lauf! die Backe gesetzt! brav! brav! Schnellfeuer! Blaue
Bohnen! Bohnen! Blaue Augen! mein Schatz hat blaue
Augen. haha! drauf! drauf!
sie laufen. Korn nehmen.
Zielscheiben. laufen. Mädchenbeine. ich beiße. beiße.
verflucht. Küsse scharfe. drauf gehalten! Standvisier Aug
in Auge! Wasser? was? die Läufe glühn? alle Schläuche
glühn. letzte Nacht hat die Feldflasche zerschlagen. das
trockne Glas geleckt. die Zunge blutet. schluckt.
schluckt. schießt die Flinten kalt. euch selber kalt. kaltes
Blut! da vorne pfützt Wasser. Pfui Teufel! gierig! Dreck!
Blut. blutiger Dreck. Blut modert zu schnell. Feuer!
Schnellfeuer! raus! nicht einschlafen! wer? nehmt ihm die
Patronen aus der Tasche. wir brauchen sie. der Kerl blu-
tet! ein kleines Loch kann so bluten! schießen! Zielpunkt.
Donner! Knacken! das Flattern! so müßt ihr auch
schießen. zielen. zielen. gut.
ruhig. die Hunde drüben.
die arme Erde. Brief in der Tasche? natürlich. schlapp
und gleich tot auf der Nase. »mein lieber Mann!« ja.
Männer brauchen wir. aber keine toten hier. essen.
Bröckel Schokolade. Mutter. schießt Kerle. ach Mütter
weinen immer. schießt! ich war ein weicher Junge. Teu-
fel! Kopf hoch! die Nasen aus dem Dreck! Was?! keiner?
alle? Faullenzer! Verstärkung. hört ihr? Verstärkung
kommt. Feind nicht ranlassen! die Flinten vor! Teufel!
totsein ist Schande! seht! ich schieße. schieße. Ver-
stärkung. hört! Trommeln. Hörner. Tata trrr! eilt da hin-
ten! eilt! Muttertränen. Vaterbrünste. Dreck! Drei Tage
Dreck! Menschen! meine Mutter hat mich immer so
sorgsam gewaschen. Grab. Hölle. Teufel. mein Arm
schießt. Finger ladet. Auge trifft. Hurrah! Hurrah! die
Beine in die Hand! Hurrah! Tod und Leben! hurrah!
Eisen! hurrah! drauf! Mein Kopf! Kopf! wo ist mein
Kopf? voran. fliegt. kollert. brav. Bursche! in den Feind!
beißen beißen! Säbel! ha! weich der Vaterbauch. weich.
Mutter. wo bist? Mutter. seh dich nicht? Mutter du
küßt. Mutter. rauh. halte mich. ich falle doch. Mutter
ich falle. Mutter.

Verfasser: August Stramm, 1874-1915

Man mag sich eigentlich nicht vorstellen, was so ein Mensch gesehen haben und welche Bilder er davon im Kopf behalten haben muss um solche Zeilen schreiben zu können. Vielleicht hätte es gut getan, hätten die Zeitungen solche Zeilen gedruckt anstelle der heroischen Meldungen und Siegesnachrichten. Ich möchte eigentlich auch gar nicht wissen, wie sich die Werke von August Schramm entwickelt hätten, hätte er den Krieg noch bis zum bitteren Ende miterlebt…. immerhin fiel er schon ein Jahr nach Kriegsbeginn – vielleicht ein Glück für ihn.

Dieses Gedicht wirkt jedenfalls sehr stark auf mich, weil es den ganzen Heroismus, den ganzen falschen Glitzerglanz vom gloreichen Kampf fürs Vaterland (usw) beiseite wischt und es darauf reduziert was es eigentlich ist: ein unmenschliches Dreckfressen, Blut und Tod und der Tod ist immer einsam und nie heldenhaft.

Ich weiß nicht wie August Stramm dann letztlich gestorben ist… ob er davon noch etwas bemerkt hat oder nicht… aber ich würde ihm wünschen, dass er nicht noch lange Zeit hatte seine letzten Zeilen, wenn auch nur im Kopf, über seinen eigenen Tod zu formen.

Nachruf

Am 1. September 1915 fiel bei einem Sturmangriff über
einen Kanal an der Spitze seiner Kompagnie

Hauptmann der Reserve
August Stramm

Ritter des Eisernen Kreuzes 2.Klasse, des Oesterreichi-
schen Verdienstkreuzes mit der Kriegsdekoration und
eingegeben zum Eisernen Kreuz 1. Klasse. Seit Januar
dieses Jahres dem Regiment angehörend, hat er an den
schönen Erfolgen des Regiments zum Teil als Bataillons-
führer hervorragenden Anteil. Sein Name ist mit der Ge-
schichte des Regiments, das mit ihm einen seiner
tüchtigsten Offiziere verloren hat, eng verknüpft. Als
treuer Kamerad und unermüdlich fürsorgender Vorge-
setzter wird er uns allen unvergeßlich sein.

Im Namen des Offizierkorps

Ahlers
Major und Kommandant des Reserve-Infanterie-
Regiments 272

Alles in Buddha

Buddha in der bööösen Wohnung

Buddha in der bööösen Wohnung

Jetzt wird es aber doch schon ein wenig esotherisch oder mystisch oder religiös… je nachdem wie man es sehen mag. Ich selbst hab zu dem Thema generell eine sehr entspannte Einstellung – übrigens wie ich sie auch gegenüber allen anderen Überzeugungen hege, solange sie nicht zum Inhalt haben, Anderen zwingend vorzuschreiben wie sie zu leben haben.

Nun ja, jedenfalls bin ich ein Kerl, der in seiner Wohnung nur wenig „Krimskrams“ und „Dekozeugs“ duldet. Ich hab gerne leere Räume und kahle Flächen… meine absolute Lieblingswohnung ist die Wohnung des Klerikers im Film „Equilibrium“ (hier der Trailer, in dem man die Wohnung ein paar Mal sieht)… aber angesichts der Umsetzung und der Kosten bleibt das leider ein Traum. Besonders stark an der Wohnung im Film finde ich allein schon, dass die Fenter komplett mit einer Milchglas-Folie beschichtet sind, so dass also kein Ausblick oder Einblick mehr möglich ist und nur noch extrem diffuses Licht in den Raum kommt. Der Rest der Wohnung, in der sich wirklich nichts mehr findet, was über die Definition „absoluter Minimalismus“ hinausgeht, ist einfach traumhaft.

Es versteht sich wohl von selbst, dass bisher ausnahmslos jede Freundin, der ich von meiner heimlichen Liebe zu diesem Wohnstil erzählt habe, entweder mit totalem Unverständnis oder blanken Entsetzen reagiert hat. Ich scheine, was den Typ Frau angeht auch eher auf die Sorte der „ich häng mir alles an die Wand was noch von einem Reissnagel gehalten werden kann“ und „wo ein Regal steht, ist auch Platz für Krimskrams“-Typen zu stehen. Vielleicht gleiche ich damit auch unterbewusst auch meinen Hang zum Minimalismus aus… oder entschuldige damit vielleicht, dass ich es noch immer nicht geschafft habe meine minimalistischen Neigungen umzusetzen. 🙂

Na, wie dem auch sei…. so ganz unbeschrieben bin ich in Sachen Wohnraumgestaltung dann doch nicht, denn eines ist in meiner Wohnung (damit es überhaupt „meine“ Wohnung wird) ganz wichtig: in jedem Raum muss ein großer Buddha stehen. Warum das so ist, weiß ich nicht… ich lege aber gesteigerten Wert darauf. Buddhist bin ich aber keiner, ich bin auch kein besonders zeremoniell-religiöser Mensch (soll heißen, ich bin ein Mensch mit einem doch festen Glauben, aber nicht mit der Veranlagung Religion als Ritual oder Fetisch zu praktizieren). Ich bin nicht einmal Vegetarier (was bei Glaubenssystemen, welche die Möglichkeit von Wiedergeburten in Betracht ziehen, defintiv keine Nebensache sein sollte).

Aber dennoch… Buddha muss einfach sein zum Wohlfühlen. Da bringt auch alle Equilibrium-Impfung nichts. 🙂

Den eigenen Blog erfolgreicher machen

Immer wieder lese im Internet darüber, wie ich meinen Blog „erfolgreich“ mache.

Da frage ich mich doch: muss mein Blog denn überhaupt erfolgreich sein und was ist mit „erfolgreich“ eigentlich gemeint?

Sicher, es gibt diverse Arten von Blogs und sicher auch ebenso viele Wege einen Blog zu führen. Manch einer, der davon träumt mit seinem Blog ein eigenes Geschäftsmodell zu entwickeln um so wirtschaftlich davon leben zu können, hat sicher andere Erwartungen zu füllen, als jemand, der einfach nur über sein Hobby berichtet oder sein Partyleben am Wochenende noch einmal virtuell wiederkäut.

Es steht mir nicht zu über die Motive von Bloggern zu urteilen und ich finde es auch albern dies zu tun. Soll doch jeder seinen Blog führen wie er/sie es will. Leben und leben lassen ist die Devise… und lese ich (wie eben) in einem „erfolgreichen“ Blog, dass er (der Besitzer des erfolgreichen Blogs) immer nur lächeln kann, wenn andere sagen, sie würden ihren Blog nach Lust und Laune führen… dann klingt das bestenfalls eingebildet und nicht besonders positiv für seine Außenwirkung.

Auch ich führe meinen Blog ganz so, wie es mir passt. Ich pfeife darauf, ob es die Menschen interessiert was ich schreibe und ich würde niemals ein Thema nur deshalb in den Blog bringen, weil ich der Meinung bin, es würde meinen Blog erfolgreicher machen…. denn ich würde meinen Blog immer weniger als „meinen“ Blog wahrnehmen, je mehr ich mich in seinen Inhalten danach richte, was andere lesen wollen.

Natürlich bin ich auch an einer gewissen Bekanntheit meines Blogs interessiert, denn ich möchte doch auch gefunden werden. Aber mein Blog befindet sich nicht im Wettrennen mit anderen Blogs und es geht auch nicht darum die Leser gegenseitig abzufischen. Mir geht es darum, die RICHTIGEN Leser zu haben und die finden sich von ganz allein… denn wem mein Geschreibsel interessant oder zumindest amüsant erscheint, der liest und der bleibt vielleicht auch.

Eine ähnliche Philosophie habe ich übrigens bei allen Projekten. Ich pfeiffe darauf, ob ich z.B. in meinem Forum mehr oder weniger User habe als andere… oder ob die Userzahl steigt oder rückläufig ist…. danach richte ich mich gar nicht in meinen Entscheidungen. Die Seite(n) soll(en) so sein, dass ich (als Betreiber) hinter diesen Projekten stehen kann und das allein zählt und dann hab ich es auch weder nötig zu klauen, noch zu flamen oder Inhalte zu schreiben, die mich selbst eigentlich gar nicht interessieren.

Auch bei den Usern mache ich mir deshalb gar keine übertriebenen Sorgen. Die User, für die alles passt, die bleiben bzw. registrieren sich und mit denen werden die Seiten gut laufen (und nur darauf kommt es an) und alle User, die nicht passen, gehen oder werden gegangen oder melden sich gar nicht erst an. Doch das ist kein Grund zur Klage, sondern (ganz im Gegenteil) die Normalität und wie es sogar bestenfalls laufen sollte. Ich würde keine „erfolgreiche“ Seite in der Definition führen wollen, dass sie alles nur so machen, dass eine möglichst große Anzahl von Besuchern/Usern eine möglichst hohe Klickrate erzeugen.

Selbst die Positionierung meiner Projekte ist mir ehrlich gesagt relativ egal, denn  meine eigene Statistik spricht eine deutliche Sprache: meine Seiten werden nicht über die Platzierung bestimmter großartiger Suchworte (wie z.B. „Gothic Blog“ oder „Dunkles Forum“) gefunden, sondern über Suchbegriffe, die rein zufällig mit dem Inhalt indexierter Beiträge oder Blogposts zu tun haben. Das macht den weitaus größten Teil der Besucher aus, die zu mir (sei den in den Blog oder ins Forum) kommen.

Nein, Freunde… „erfolgreich“ wird dieser Blog nie werden – und er soll es auch gar nicht. Es reicht mir, wenn ich ein paar gewogene Leser habe, die mir ab und an auch mal ein paar Kommentare schreiben und wenn ich (nach langer Zeit) auch mal wieder selbst meinen Blog lesen kann und ggf. nach Jahren darüber schmunzeln kann, was mich damals so bewegt hat.

Und wenn Du da (ja, genau DICH meine ich) diesen Blogpost bis hierhin gelesen hast, dann ist auch dieser Beitrag hier schon so erfolgreich wie ich es mir doch nur wünschen kann, meinst Du nicht auch? 😉