Monthly archives "April 2014"

Apropos Machthaber mit Komplexen….

… schon gehört? In London bekam ein Friseur Besuch von zwei sehr ernsten Herren.

Der schlaue Haareschneider hatte die famose Idee einen „Bad Hair Day“ zu veranstalten und bot im April einen Rabatt auf seine Dienstleistungen. Als eye-cachendes Aushängeschild nutzte er ein Foto des derzeitigen (natürlich vom Volk mal wieder extrem geliebten) Führers von Nord-Korea Kim Jong-Un. Nun hat sich das arme geschmähte Nord-Korea doch tatsächlich offiziell auf diplomatischen Wege über diese Aktion beschwert….

Da fällt mir nur ein Kommentar aus meinen Zeiten beim Online-Zocken ein: *mimimimimi*

Na, wenn der Herr Führer da mal keinen Streisand-Effekt damit ausgelöst hat… denn Googles Suchergebnisse sind bereits jetzt voll mit Berichten über dieses Ereignis.

Dabei schreit ein Mann mit einer solchen Frisur doch gerade zu danach verarscht zu werden, finde ich. Ich meine, ok… unterirdische Atomtests können sie ja machen (das zu lösen überlasse ich der großen Politik, ich kann mich auch nicht um alles kümmern)… aber unterirdische Haarprachtmode, die muss man doch noch anprangern dürfen…

Ok, ich höre lieber auch auf, sonst klingeln morgen bei mir auch noch welche. Falls ihr morgen nichts mehr von mir hört… ruft beim Bundesnachrichtendienst an, denn ich bin dann bestimmt zur intensiven Läuterung in ein Arbeitslager in die Volksrepublik entführt worden…

Mobilmachung

Also langsam reichts! Ab sofort schaue ich nie wieder Nachrichten…

Jetzt träumte ich doch tatsächlich zum dritten Mal in Folge von Themen wie allgemeiner Mobilmachung, Bau von Zivilschutz-Einrichtungen, Entsendung zu Manövern bei östlichen Nato-Partnern usw…

Und das nur, weil die Russen unbedingt meinten einen großmachtssüchtigen Ex-Geheimdienstchef zum Präsidenten machen zu müssen… der natürlich in jedem ehemaligen Sowjet-Staat sofort Menschenrechtsverletzungen wahrnimmt, obwohl er im eigenen Land natürlich für sowas stockblind ist. Wenn dann auch noch eine ehemalige Großmacht, die Dinge wie den Prager Frühling niedergewalzt hat, nun plötzlich (und natürlich völlig selbstlos) aus purer Nächstenliebe bereit ist ihre Armee zu opfern um in fremde Länder einzumarschieren… dann sag ich nur einmal mehr: Nachtigall, ick hör dir trappsen.

Aber ist schon beeindruckend wie ein paar angebliche „Zivilisten“ es schaffen ein komplettes Gebiet wirksam zu besetzen…. inklusive der Etablierung und Aufrechterhaltung der dafür notwendigen Kommunikation, der Logistik, der strategischen Gesamtplanung usw… nein, natürlich sind das keine Soldaten in Zivil… 😉 😀 Das sind ganz normale Menschen, wie Du und ich… nur dass sie eben den Wladimir Wladimorwitz etwas sympathischer finden als das unsereins tut.

Also ehrlich, das russische Gezanke geht mir schon tagsüber auf den Wecker… aber mich damit auch noch Nachts im Traum selbst zu beschäftigen… das ist schon echte Selbstverarsche meinerseits.

Heute Abend schau ich mir irgendeinen echt schwachsinnigen Film an oder so… etwas, das dermaßen nervtötend ablenkt, dass ich es vielleicht einmal in dieser Arbeitswoche schaffe nicht vom nächsten Russlandfeldzug zu träumen. 🙂

 

Elling – Eine Empfehlung

Von allen Filmen, die mir wirklich gut gefallen, würde es mir schwer fallen eine Art Hitliste zu erstellen. Viele Filme sind auf ihre ganz eigene Art schön und ich wüsste nicht, nach welchen Kriterien ich sie ordnen sollte. Immerhin sind es nicht nur Fragen die Story betreffend oder das Genre, sondern eben auch die Gefühle, die so ein Film transportiert und auslöst.

Aber in einem bin ich mir sicher, wäre ich aus irgendwelchen Gründen genötigt so eine Liste anzufertigen, so wäre der Film „Elling“ auf jeden Fall unter meinen Top 5. Ich bitte aber dabei zu beachten, dass ich mich hier auf den Film „Elling“ beziehe und nicht auf den Film „Elling – Nicht ohne meine Mutter“, der nur eine schlechte kommerzorientierte Fortsetzung (die aber zeitlich vor dem ersten Teil spielt) darstellt.

Da hat uns die norwegische Spielfilmindustrie wirklich eine echte Glanzperle in Sachen tragischem Humor, inneren Ängsten und großen menschlichen Gefühlen geliefert. Zwar halte ich von Filmpreisen überhaupt gar nichts, doch den Oscar, für den der Film 2002 nominiert war, denn hätte sie (ginge es nach mir) durchaus haben dürfen.

Bei „Elling“ geht es um zwei psychisch etwas wackelige und leider sehr unselbständige Männer, die bisher nur von Muttern bzw. später der Psychiatrie durchs Leben geführt wurden. Der Eine (ein sehr gehemmtes und unselbständiges Muttersöhnchen, das aber über hohen Intellekt verfügt) und sein Gegenstück (ein sehr dominanter, eher naiv-denkender, auf Sex fokussierter aber sehr praktisch veranlagter Muskelprotz) sollen nun mitten in Oslo in einer gemeinsamen Wohnung, die sie als WG bewohnen, ihre Alltagstauglichkeit beweisen. Unterstützung erfahren sie dabei von einem Mitarbeiter des Olsoer Sozialamtes.

So dreht sich der Film (der mir so sehr am Herzen liegt, dass ich nicht „spoilern“ möchte [für alle Leser meiner Generation, die auch erst man nachschlagen müssen, dieses Wort bedeutet: „zuviel verraten“]) in der Hauptsache darum, wie man als Mensch, der immer mehr oder minder (in diesen beiden Fällen sicher mehr als „normal“) von seinen eigenen Ängsten und Komplexe gehemmt wird, lernt sich und das was uns in uns selbst hindert, zu überwinden. Dies geschieht natürlich nicht ohne Rückschläge, Momente des Zweifels und missverständliche Situationen… aus denen man letztlich lernt.

In diesem Film wird kein Mauerblümchen zu dem was wir aus Amerika als „Superhelden“ in komisch eng sitzenden Gummi-Anzügen serviert bekommen. Hier werden Menschen nur ein Stück mehr zu ihrem wahren und eigenen Ich… und damit vielleicht schon mehr, als viele von uns (da will ich mich gar nicht davon ausnehmen) von sich selbst behaupten können. Und somit sind es Superhelden, denn sie bewältigen mit Anstrengung und Mut das, woran sich manche in einem gesamten Leben nicht heranwagen, sondern sich lieber davor verstecken.

Elling findet in diesem Film seine ganz eigene Antwort auf die Frage nach dem Lebenssinn, seine persönliche Reflektion der Welt: die Poesie. Das ist die vermutlich schönste Antwort, die der Film dem Zuschauer geben kann.

Elling ist ein Film für ruhige Momente. Momente in denen man Zeit hat sich einzufühlen und teilzuhaben an den Stimmungen und Verwirrungen, in denen man sich auch durchaus mal selbst ein wenig erkennt. Der Schauspieler Per Christian Ellefsen bringt dies auch mit einer Glaubwürdigkeit auf den Schirm, bei der man sich später nicht mehr wundert, wenn man erfährt, das er eigentlich vom Theater kommt und den „Elling“ dort schon vor dem Film Jahre spielen durfte.

Die DVD gibt es bei Amazon.de derzeit (Stand April 2014) für unter EUR 10 zu kaufen, was ich mehr als angemessen finde für diesen Film (Link zum Angebot). Ich selbst habe ihn dort schon mindestens drei Mal gekauft, denn diese DVD schenke ich gerne Menschen, die ich wirklich gerne habe, wenn sie bei mir zu Besuch sind.

An diesem Film bedauere ich eigentlich nur eine Sache wirklich: dass ich ihn nur einmal zum ersten Mal anschauen konnte.