Monthly archives "September 2013"

Keine Qual der Wahl

Es ist wieder einmal Wahltag… was mich hoffen lässt, dass die Plakate der Parteien, die mich schon seit Wochen mit ihren Inhalten nerven, bald wieder vom Straßenrand verschwinden.

Es kotzt mich nämlich immer wochenlang vor der Wahl an, dass dort irgendwelche Grins-Grimassen, aufgereiht wie die Huren am Straßenstrich, um die Entscheidung des Wählers werben… obwohl, nein… eigentlich kotzt es mich an, dass sich davon die Wähler wohl auch noch beeinflussen lassen.

Solange ich FDP, die sich (wenn wir schon bei käuflicher Liebe sind) weniger als Partei sondern viel mehr als die (ich drücke es mal sehr höflich aus) Mätresse der Lobbyisten verhält, es nicht mehr in den Bundestag schaffen würde, dann wäre die Wahl aus meiner Sicht wenigstens nicht vergebens… sollen sie sich zukünftig von ihren Hoteliers bezahlen… äh, sorry… ich meine „wählen“ lassen.

Aber was schimpf ich… die anderen sind auch nicht besser.

Die Grünen, die mit den Leichen der nicht bereinigten und jahrzehnte-alten Pedo-Debatte, auch das letzte Fünkchen ihrer moralischen Glaubwürdigkeit verloren haben, sind für mich (der ich einstmals selbst ein Grüner war… bevor der ehemals antiautoritäre „Herr Präsident mit Verlaub, Sie sind ein Arschloch“-Joschka als Außenminister mitverantwortlich die Bundeswehr in den Einsatz geschickt und innerparteilich ein Gebaren gezeigt hat, das eher an einen Herbert Wehner erinnert hätte als an einen Grünen Joschka) einfach nicht mehr wählbar.

Die SPD hat bei mir verschissen, da sie für mich die Ausgeburt einer Partei der sozialen Ungerechtigkeit ist. Dabei spreche ich das Thema Hartz IV gar nicht erst an. Aus den (vor der letzten großen Koalition versprochenen) „0% MwSt-Erhöhung“ (CDU/CSU kündigten 2% an) wurden dann sozusagen als Kompromiss 3%. Das ich nicht lache! So etwas hätte ich von einer Partei, die das Wort „Sozial“ im Namen führt nicht erwartet, denn die mit Abstand unsozialste Steuer, die wir in Deutschland überhaupt haben IST die Mehrwertsteuer, denn sie trifft alle mit gleicher Härte. Ob ein Zeitarbeiter mit Niedriglohn oder ein Multi-Millionär beim Bäcker einkauft ist der MwST nämlich ziemlich egal… das ein kleiner Mann durch sein geringes Gehalt bei gleichen Lebensmittelbedarf aber im Verhältnis viel stärker belastet ist als ein Reicher, das interessiert die PD (das „S“ spare ich mit an dieser Stelle) nicht.

Und was soll ich zur CDU sagen… da fällt mir nicht besonders viel ein, was auch nicht verwundert, denn großartige Konzepte legt die CDU auch nicht vor. Abgesehen davon, dass wir heute in genau den Zeiten leben, die uns früher von CDU Leuten ausdrücklich ausgeredet wurden (ein Theo Waigel meinte mal, der Euro-Raum würde eine Währungsunion werden und keine Haftungsunion) und wir vor der ganzen Welt und ihren Geheimdiensten katzbuckeln, bietet die CDU so wenig Diskussionsfläche, dass man sie einfach nur ignorieren kann.

Nicht vergessen dabei habe ich auch noch, wie sich insbesondere einige CDU-Abgeordnete damals gegen eine bessere Offenlegungspflicht ihrer Nebeneinkünfte gewehrt haben… sowas erweckt Vertrauen, wenn man nicht zugeben will, von wem man sich Geld in den Darm stopfen lässt… während man gleichzeitig zur besseren finanziellen Durchleuchtung des Volkes Datenmonster wir „ELENA“ erschafft.

Und wenn ich dann, einen Tag vor der Wahl, noch von den CDU Leuten höre, dass „noch nie zuvor so viele Menschen in Arbeit“ gestanden hätten wie zur Zeit, dann kommt mir das kalte Kotzen. Noch nie zuvor konnten so wenige Menschen von ihrer Arbeit leben wie heute. Die Leiharbeit, die in vielen Fällen ohnehin schon ein Ausbeutungswerkzeug war, ist dabei noch das kleinere Problem im vergleich zu den (mit Hilfe der CDU ermöglichten) Werksverträgen. Was bringt ein (Mini-)Job, von dem man nicht leben kann und was bringt eine Arbeitsmarktpolitik, die es den Arbeitgebern attraktiver macht Aufstocker einzustellen anstatt „richtige“ Löhne zu bezahlen?

Aber wenigstens haben sie es vor der Wahl noch geschafft einen Mindestlohn durchzudrücken. Die Steinmetze in Deutschland leben jetzt sozial abgesicherter (und ich gönne es ihnen wirklich), aber ein wirklicher Weitwurf für die Arbeitsmarkt der Bundesrepublik war das nicht gerade… und wäre nicht gerade Wahl, dann wäre dies Meldung wegen gerade einmal knapp 11.000 Steinmetzten in keine Nachrichtensendung gekommen… solche Meldungen erinnern eher an die Siegesmeldungen der Wochenenschau von 1944, wo die Rückeroberung eines Dorfes (das aus zwei Bauernhäusern und einem Kuhstall besteht) schon die für die gesamte Ostfront-Berichterstattung stellvertretende Erfolgsmeldung darstellt.

Tja… und sonst? Eigentlich bleibt mir nur die Frage, wie große die Quote bundesdeutschen Wahlviehs wieder ist, die sich nicht erinnert, wie sie von der Politik verarscht wurden und werden und die sich ihre Meinung wieder nur in den letzten 6-8 Wochen der Schönfärberei des Wahlkampfes gebildet haben.

Ganz ehrlich? Ich habe den Wahl-O-Mat gefragt…. am Ende kam heraus, dass ich mit knapp über 60 Prozent mit „ProDeutschland“ übereinstimmen würde und das waren dann auch schon mit weitem (!) Abstand die Spitzenreiter in der Vorschlagsliste.

Aber ich sag euch etwas: bevor ich einen Stift in die Hand nehmen und diese „Leute“ (oder alles andere, was sich mit einfachen Parolen am rechten Rand oder noch weiter jenseits davon in der politischen Unzurechnungsfähigkeit tummelt) wählen würde, würde ich mir eher die Finger abhacken lassen um nie wieder einen Stift halten zu können.

Nun also, was tun an diesem Wahltag… Wenn ich heute um 18 Uhr keinen gelben Block mehr in der ersten Hochrechnung der Sitzverteilung sehe, dann war der Tag nicht umsonst für mich.

Und ihr… ihr tut ja sowieso nur das, war ihr wollt…. ist vielleicht auch besser so. 😉

Konstanz ade

Eigentlich wollte ich, bevor ich wieder nach Hause fahre, auch noch Konstanz am Bodensee besuchen und dort ein paar alten erinnerungsgeladenen Orten einen Besuch abstatten, so wie ich das bereits in den letzten Tagen an vielen Orten im Wilden Süden getan habe. Doch nachdem ich gestern aus Ulm zurückgekommen bin und mich innerlich schon wieder auf die lange Fahrt nach NRW vorbereite, habe ich nun wirklich keine Lust mehr noch zusätzlich 2 Stunden (einfache Strecke) zum Bodensee zu fahren.

Dabei weiß ich jetzt schon, dass ich es bedauern werde… denn bisher habe ich den Besuch meiner Lieblingsplätze (vor allem in Stuttgart, wo sich leider nur wahnsinnig viel seither verändert hat) sehr genossen.

Mit dem Bodensee verbinde ich sehr schöne aber auch teilweise tragische Erinnerungen, leider ist der Kontakt zu den Leuten dort auch völlig abgebrochen. Ich habe in den letzten  Monaten natürlich mal geschaut, ob ich noch jemand aus der Zeit im WWW ausfindig machen kann, was aber nicht von Erfolg gekrönt war. Andererseits wäre es auch eine leichte Übung für die Leute von dort mit mir Kontakt aufzunehmen, haben sie doch nach wie vor meine alte Adresse (von wo aus Post an mich weitergeleitet werden würde) und außerdem bin ich (dank meiner vielen Webseiten) im WWW sicher auch nicht schwer zu finden… daher habe ich die Suche dann auch bald abgebrochen, denn ich denke: hätten die Leute von damals noch Interesse an einem gelegentlichen Kontakt, hätten sie sich über die Jahre hinweg bestimmt selbst schon einmal gemeldet.

Vielleicht verschlägt es mich in den nächsten Jahren zufällig mal so weit in den Süden… oder ich spare mir diesen Ausflug für den nächsten längeren Besuch im Stammesgebiet auf.

Abgesehen also vom Schwäbischen Meer habe ich nun wirklich so gut wie alles gesehen, was ich mir noch einmal anschauen wollte. Lediglich das Limes Museum habe ich ausgerechnet am Ruhetag heimsuchen wollen… aber das war kein wichtiger Programmpunkt, wuchs ich doch schon von Kinder- und Schulzeit mit dem Limes (der hier nur einen kleinen Fußmarsch südlich von meinem Heimatdorf entlang führt und uns freie Germanen vom Joch des römischen Imperialismus trennte… LOL) und allerlei Informationen dazu auf.

Somit bin ich schon wieder am Sachen packen und bereite mich quasi damit schon auf meine Heimfahrt vor.

Nur eines ist mir in den letzten Tagen erschreckend aufgefallen: mit fällt es schon jetzt (nach ein paar Tagen Süddeutschland) schon wieder schwerer in anständigem Hochdeutsch zu reden. Ich habe zwar auch bei den letzten Besuchen bemerkt, dass ich hier unten bei meinen Besuchen viel breiteres Schwäbisch schwätz als ich das früher getan habe (vermutlich will mein Sprachzentrum die seltene Gelegenheit sich auszutoben so richtig ausnutzen), doch dass ich jetzt (wie gestern im Gespräch mit einem Polizisten, nachdem mir Splitter einer über mir zerplatzten Fensterscheibe auf den Kopf gefallen sind) schon echt Probleme habe wieder in Hochdeutsch zu sprechen, das macht schon etwas Angst.

Naja…. wenn’s ett goht, müssads mai Arbeitskollega dia nexscht Dag den Dreck ebba ausbada…… 🙂

Dääädat’se?

Seltsam, wie lustig manchmal die eigene Sprache wirkt, wenn sie lange Zeit kaum noch gehört wird und sie sich dann in einer Frage der mir völlig fremden Frau am Tisch neben mir in der Post am Stuttgarter Schlossplatz spontan meiner Aufmerksamkeit bemächtigt.

Ich nehme mir aus Höflichkeit erst einmal meine MP3-Schalldruckendstücke aus den Ohren als ich bemerke, dass die Frau mich offensichtlich gerade angesprochen hat und frage dann in aller schwäbischen Form zurück: „Bidde?“

„Däääädat’se d’Dascharechner au so verpacka oder dääädat’se en graußa Omschlag nemma?“

Sie zeigt mir einen luftgepolsterten Umschlag und einen halb in Originalverpackung eingepackten Taschenrechner. Allerdings ist die restliche Originalverpackung fast größer als die Außenformate des Luftpolsterumschlages.

„Ähm…. ja…“ lautet meine recht verdutzte Antwort an die fremde Person, die mich offensichtlich gerade zum Fachmann für Garantierücksendefragen ernannt hat „… aber i moin halt, des Deng isch z’kloi für den Apparat.“

„Moinat’se?!“ kommt es unsicher zurück. „Des kosch’t halt glei wiadr so a Haufa Geld….“ meldet sich das sparsame Gewissen der Frau laut mir gegenüber. „I moin, des macht koin Ondrschied, weil i denk, dass des Porto ällaweil oisfaifavierz’g koscht, weil’s eh scho so schwer ond dick isch.“ antworte ich und bemerke, dass ich inzwischen und vermutlich durch die extrem selten gewordenen Gelegenheiten ein viel breiteres Schwäbisch spreche als früher, als es meine tagtägliche Sprache war.

Aber so ganz scheint die sparsame Frau meinen Ausführungen nicht zu glauben, denn während ich in aller Ruhe eine Karte an meine Firma und an meine Freundin schreibe, bastelt die Frau mit aller Inbrunst an einer Lösung wie man den großen Taschenrechner in die im Innenmaß sicherlich kleinere Tasche einpacken kann.

Als ich den Tisch nach zwei geschriebenen Postkarten verlasse, ist die Frau gerade soweit um mit einer zusätzlich bei der Post gekauften Rolle Klarsichtfilm den Umschlag, den sie an drei Seiten mit einer kleinen Nagelschere aus dem eigenen Handtaschenbestand aufgeschnitten hat, wieder zu verkleben.

Dabei frage ich mich, ob so ein Dreierpack mit Klarsichtfilm nicht doch teurer war, als ein neuer Luftpolster-Umschlag im Format A5…. und ob sich angesichts DIESES Taschenrechners überhaupt der Gesamtpreis für Umschlag, Klarsichtfilm und Briefmarke lohnt…

Aber so sind sie eben, wir Schwaben:

BEI ONS WIRD G’SCHPART… KOSCHT’S WAS WILL!